Schöner, runder, berührender kann man sich nicht durch die Jahrzehnte spielen als der Bandleader und seine Musiker Sabine Burger, Julia Fuchs, Michael Günther, Nicole Keller und Achim Raad. Was neben feinen Arrangements und einer vielseitigen Instrumentenpalette auch am Gesang liegt: Von sechs Musikern lassen fünf ihre Stimmen hören, darunter die ganze weibliche Hälfte. So erlebt man "Helplessly hoping" von Crosby, Stills & Nash vielleicht erstmals männerfrei, in vollendeter Dreistimmigkeit. Aber die charmanteste Überraschung präsentiert die WunderBunt AG gleich zum Auftakt: "Subsitute", den 70er-Jahre-Hit der Mädchenband Clout aus Südafrika. Kennt jeder, spielt aber seit 30 Jahren kein Mensch mehr. Schade, denn wenn Julia Fuchs den Text stoßseufzt, geht der Song dorthin, wo er hingehört: unter die Haut.

Stück für Stück zelebriert die Band in einem behaglichen Wärmflaschensound, der ideal zu eisglatten Januarstraßen passt. Zu "You don't bring me flowers" gibt's sogar eine kostenlose Mahlzeit: den Klos im Hals. Aber in Rührseligkeit suhlt sich die Wunderbunt AG nicht – da sind ja auch noch die zünftigen Schnurren. "Something in the water" von Brooke Fraser, so temperamentvoll geschmettert, dass man an Seemänner und Schiffszwieback denkt. Oder "My dear" von Katzenjammer: da wird simmungsmäßig das fröhliche Tingelangel eines Jahrmarktkarussells aufgeboten.

Zum Gedenken an Leonard Cohen singt die Band, dem Herrn sei Dank, mal nicht "Hallelujah" wie alle anderen, sondern huldigt einer inzwischen bezaubernd alten Lady: "Suzanne", mit einem fein gestaffelten Backgroundchor, so goldfarben getönt wie das Gebräu der "Tea leaves", von denen im Text die Rede ist. Eine besondere Preziose ist "Little green" von Joni Mitchell, deren Vier-Oktaven-Stimme man erst mal gerecht werden muss – für Sabine Burger indes kein Problem.

Und was ist mit den Herren der Schöpfung? Dirk Werner und Achim Raad bestechen im Duett mit den Kings of Convenience, den Simon & Garfunkel der auch schon wieder "hinüberen" Nullerjahre: "Winning a battle, losing the war", zweistimmig gesungen über Achim Raads filigraner Gitarre, schaut versonnen den Eisblumen beim Wachsen zu.

Aber nicht nur die Eisblumen wachsen, auch die Jahresringe am Lebensbaum nehmen zu, und "Mann" wird älter: aus verschneiten Seelengefilden singt Dirk Werner solistisch einen Song aus Stings akteller Kunstlied-Phase – "I love her but she loves someone else"; unterm Srich ein karge Betrachtung von Selbstfindungsproblemen in Tagen des ergrauten Barts. Aber wenn dann Nicole Keller "You've got a friend" singt, ist alles wieder gut. Überhaupt ist manchmal der beste Freund ein Konzert wie dieses.