Sie gilt als die gute Stube der Gemeinde. Zahllose Feiern und Feste, Fasnetsbälle und Veranstaltungen, Firmenevents und Vorträge hat sie miterlebt: "Die Post" in Oberteuringen. Nun verlassen die langjährigen Pächter Norbert und Susanne Finke die Traditionsgaststätte, die für beide schon fast zu ihrer Heimat geworden ist. "Es wird sehr schwer sein, diese 80 Prozent auszufüllen, die unser Leben hier bestimmt haben", sagt Susanne Finke, die mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die Entscheidung blickt, die "Post" aufzugeben. "Aber wenn nur noch 20 Prozent für das Privatleben übrig bleiben, ist das einfach zu wenig." Mittlerweile wohnen die Kinder des Ehepaars, die längst erwachsen sind, nicht mehr zu Hause. Aber es gab andere Zeiten. "Es war wirklich eine private Entscheidung, denn irgendwann haben wir gemerkt, so kann unser Leben nicht weitergehen", erklärt Norbert Finke.

Norbert und Susanne Finke waren fast zehn Jahre lang die Pächter der "Post" in Oberteuringen. Nun wollen sie noch einmal etwas Neues wagen.
Norbert und Susanne Finke waren fast zehn Jahre lang die Pächter der "Post" in Oberteuringen. Nun wollen sie noch einmal etwas Neues wagen. | Bild: Helga Stützenberger

Zu wenig Personal

Zu dieser Entscheidung erheblich beigetragen habe die ständige Sorge um ausreichend Personal. "Man findet in der Gastronomie nur noch schwer Leute", sagt Finke. "Geschweige denn einen guten Koch." Das gesamte vergangene Jahr stand Norbert Finke fast rund um die Uhr alleine in der Küche. "Das packst du irgendwann nicht mehr, wenn du weißt, du darfst auf gar keinen Fall krank werden." Er denke dabei an seinen Ausfall im Frühjahr. "Wir mussten zumachen und alle Buchungen absagen", erzählt Susanne Finke, während sie ihren Mann anschaut.

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"Wollten kein schlechtes Gewissen aufkommen lassen"

Es ist sichtbar, dass beide lange mit der Entscheidung gehadert haben, in Oberteuringen einen Schlussstrich zu ziehen. Aber offensichtlich fühlt es sich für die Finkes nun richtig an. "Wir haben immer alles für unsere Gäste getan und es durfte ja keiner sehen, dass wir manchmal am Anschlag waren", gesteht Susanne Finke. Was, wenn eine Hochzeit mal wieder bis in die frühen Morgenstunden dauerte und am nächsten Mittag Restaurantbetrieb war? "Wir wollten bei den Gästen zu keiner Zeit ein schlechtes Gewissen aufkommen lassen", sagt sie. Alles wollten die Finkes zu 100 Prozent und darüber hinaus leisten. Die Buchungen und die Belegungen weit im Voraus zeugten von diesem hohen Anspruch.

Auf Unverständnis stößt vor allem bei Norbert Finke die Ansicht einiger Oberteuringer, das Ehepaar müsse ja nicht gleich aufgeben, sondern könnte den Gasthofbetrieb doch einfach etwas verkleinern und weiterhin eine Gastronomie betreiben. "Das reicht nicht. Davon kann man nicht leben", weiß Finke aus Erfahrung. "Wir haben hier zwar überlebt, aber reich wird man auch mit einer Gastronomie in dieser Größe nicht."

Finkes wollen bis zum Schluss alles geben

Von was sie wollen sie nun leben? "Ich bin ein Mensch, der muss erst etwas zu Ende bringen, bevor er sich mit dem nächsten Schritt befasst", sagt Norbert Finke. Er wisse es also noch nicht konkret. In einem ist er sich jedoch sicher: "Auf keinen Fall mehr gehe ich in die Gastronomie", sagt er mit einer Entschlossenheit, die keine Fragen offenlässt. Etwas im sozialen Bereich könne er sich gut vorstellen, denn er sei bereit, noch einmal etwas komplett Neues anzupacken.

Seine Frau Susanne ist noch nicht so weit: "Ich habe mental mit der Post noch nicht abgeschlossen", sagt sie. Erst einmal will die 54-Jährige den noch anstehenden Hochzeiten und Weihnachtsfeiern einen gebührenden Rahmen geben, bevor für das Ehepaar in Oberteuringen eine Ära zu Ende geht. Und das mit vollem Einsatz bis zum Schluss. "Wir wollen noch einmal alles geben für unsere Gäste, sogar noch ein bisschen mehr." Susanne Finke ist fest davon überzeugt, dass das möglich ist. Denn sie wüssten ja nun, dass es keine endlosen Mühen mehr seien. "Ich will aber nicht die Tage zählen bis zum Schluss", ergänzt Norbert Finke. Er wolle auch nicht den Anschein erwecken, er habe einfach nur keine Lust mehr. Im Gegenteil. "Alles was ich mache, soll für mich immer erfüllend sein", sagt er.

Am 26. Dezember ist Schluss

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird Norbert Finke zum letzten Mal seine Kochhaube in der "Post" aufsetzen. Dann wird seine Frau Susanne gemeinsam mit dem ganzen Team ein letztes Weihnachtsmenü servieren. Und zum letzten Mal werden an diesem Mittag die Tische abgeräumt und die Gläser geleert werden. An Norbert Finkes zuckenden Mundwinkeln ist zu sehen, dass ihn der Gedanke an diesen letzten Tag als Pächter der guten Stube der Gemeinde nicht ungerührt lässt.