Ein fehlgeleiteter Jagd-Schuss ist Gegenstand behördlicher Untersuchungen. Was passiert ist? Ein Jäger hat am 29. Oktober gegen 22.20 Uhr im Gewann Fuchstobel/Bitzenhofen auf ein Wildschwein geschossen. Die Kugel hat in rund einem Kilometer Entfernung im ersten Obergeschoss eines Wohnhauses das Fenster eines Kinderzimmers durchschlagen. Niemand ist verletzt worden, wie aus dem Polizeibericht hervorgeht.

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Fall beim Landratsamt Bodenseekreis

Die Ermittlungen der Polizei sind inzwischen beendet. "Von der Staatsanwaltschaft und der Polizei sind keine strafrechtlichen Verstöße festgestellt worden, weshalb das Verfahren an das Landratsamt Bodenseekreis abgegeben wurde", gibt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz Auskunft.

Ballistische Untersuchungen dauern an

Beim Landratsamt Bodenseekreis prüfen die Jagdbehörde sowie die Waffenbehörde den Fall. Der Jäger hat eine großkalibrige Waffe mit bis zu fünf Kilometern Reichweite verwendet. "Die ballistische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen", gibt Robert Schwarz Auskunft.

Robert Schwarz
Robert Schwarz | Bild: Grupp, Helmar

Der Sprecher des Landratsamtes ergänzt: "Wir haben einen Vergleichsschuss und die genaue Untersuchung des gefundenen Projektils veranlasst, um möglichst zweifelsfrei zu belegen, was im Augenblick aus den vorhandenen Anhaltspunkten geschlossen werden kann. Nach allem, was wir jetzt wissen, wurde das Geschoss stark sowohl seitlich und auch im Höhenwinkel abgelenkt." Das Projektil sei "sozusagen im hohen Bogen in eine ganz andere Richtung geflogen, als der Schuss ursprünglich abgegeben wurde".

Sicherheitsregeln wurden offenbar eingehalten

Hat der Jäger die Sicherheitsregeln eingehalten? "Soweit wir das jetzt beurteilen können, ja", erklärt der Sprecher des Landratsamtes. "Nach allem, was wir bisher wissen, war da kein wilder Cowboy unterwegs, sondern wir können von einer Verkettung nicht vorhersehbarer Umstände ausgehen."

Zuverlässigkeit des Jägers muss bewertet werden

Und warum wird die Zuverlässigkeit des Jägers geprüft, nachdem offenbar kein strafrechtlicher Verstoß vorliegt? Das hat laut Schwarz folgenden Grund: "Das sind zwei Prüfhorizonte. Die Polizei prüft, ob dem Schützen strafrechtlich ein Vorwurf gemacht werden kann. Das ist laut Polizeibericht nicht der Fall."

Schwarz erläutert weiter: "Wir als Jagd- und Waffenbehörde prüfen nach Maßgaben des Verwaltungsrechts, ob es gerechtfertigt ist, der Person die Waffen- und Jagderlaubnis zu entziehen." Dazu müsse bewertet werden, ob es Zweifel an der Zuverlässigkeit im Umgang mit der Waffe gibt. "Im Augenblick gibt es dafür wie gesagt keine Anhaltspunkte. Aber weil wir sozusagen eine Prognose stellen müssen, prüfen wir den Fall anders als die Polizei", sagt der Sprecher des Landratsamtes.