Sie heißen Emilia, Katinka, Elena, Belise und Hanita: Nein, es sind keine zweibeinigen exotischen Models, aber sehr eigene Schönheiten und ihr Laufsteg befindet sich auf Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen.

Hier war der Apfelwickler dran. Solch ein Apfel ist unverkäuflich.
Hier war der Apfelwickler dran. Solch ein Apfel ist unverkäuflich. | Bild: Christiane Keutner

Bernhard König machte die sieben Erwachsenen und drei Kinder der Apfeltour, zu der die Tourist-Information Oberteuringen nach Hefigkofen eingeladen hatte, auf seiner Obstplantage mit seinen Früchtchen bekannt und hob neben ihrem rotwangigen, tiefblauen oder goldgelben Aussehen auch ihren Charakter hervor.

Von beliebten Sorten und Nischenprodukten

Darunter sind Frühchen und Spätentwickler, sensible wie robuste, saure und süße, manche sind sehr eigenwillig, andere fristen trotz Sonnenschein eher ein Schattendasein, sind Nischenprodukte wie die Rubinette oder der Rheinische Berlepsch, mit höchstem Vitamin-C-Gehalt, dessen Anbau quasi Hobby von Bernhard König ist.

Simon als Klettermaxe: Vielleicht wird der Zweijährige später mal Obstbauer?
Simon als Klettermaxe: Vielleicht wird der Zweijährige später mal Obstbauer? | Bild: Christiane Keutner

Zu den sogenannten „Brotsorten“, den Äpfeln, die besonders häufig nachgefragt werden und ertragreich sind, gehören der säuerliche Elstar, dessen Anbau in Tirol wegen zu viel Sonnenschein nicht möglich ist und je nach Jahr zwischen 35 und 40 Cent pro Kilo bringt, und der süß-saure Jonagold.

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König ist Herrscher über 15 Hektar Kernobst, davon sind 14,5 Hektar Äpfel, sowie einige Reihen Kirschen, Zwetschgen und Birnen. Die Bäume sind so niedrig gehalten, dass Selbstpflücker problemlos drankommen. Das Obst gedeiht in „integrierter Produktion“. „Umweltschonend“, übersetzt er. Das heißt, dass Spritzmittel wie Kupfer oder Schwefel nur minimal und gezielt eingesetzt werden.

25 Nistkästen hängen in der Obstplantage, hier neben reifen Zwetschgen.
25 Nistkästen hängen in der Obstplantage, hier neben reifen Zwetschgen. | Bild: Christiane Keutner

Rund 25 Nistkästen hängen in den Bäumen, die Vögel picken Maden und andere Schädlinge auf, Raubmilben halten die Rote Spinne im Griff. Ein Imker stellt 24 Bienenvölker auf, die zusätzlich für Bestäubung sorgen. Wenn morgens um 6 Uhr vor dem Ausschwirren gespritzt wird, gebe es keine Interessenkollision, wehrt Bernhard König die Konfrontation Imker/Landwirte ab.

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Gegen manches Unheil kann man sich aber nicht oder nur schlecht wehren. Wie gegen zu viel Sonne, die die Äpfel verbrennt, den Apfelwickler oder Baumkrebs, der besonders gern den aromatischen Gala befällt, oder Hagel. „Ich mag keine Netze“, sagt er auf Nachfrage und plädiert für Hagelflieger, die Silberiodid in Hagelwolken bringen, womit die Körner weich werden.

Ware aus Übersee sorgt für Probleme

Doch das einstige erfolgreiche Projekt im Kreis Ravensburg sei gestoppt worden, da der Nachbarkreis nicht mitgemacht habe. Somit sei es nicht mehr bezahlbar gewesen. Als Unheil für den Landwirt könne man auch die Ware aus Übersee, Neuseeland, bezeichnen, die in den Supermarktregalen liegt. Statt regional essen die Menschen global.

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Machtlos sei man auch gegen die aus den USA eingeschleppte Kirschessigfliege, die aus Kirschen innerhalb von zwei Tagen Matsch macht. Während der Einsatz bestimmter Mittel in Deutschland seit einigen Jahren nicht mehr zugelassen ist, liefere die Türkei 40 000 Tonnen gespritzter Kirschen nach Deutschland. Oder Dumping-Preise: Wenn man vier bis fünf Cent für ein Kilo Mostobst erhält und den Lohn von acht bis neun Cent dagegen hält, verstehe man manchen Landwirt, dass er sein Obst am Baum lässt, denn auch das Brennkontingent sei begrenzt.

Sofie und Jonas erfrischen sich nach der fast zweistündigen Tour.
Sofie und Jonas erfrischen sich nach der fast zweistündigen Tour. | Bild: Christiane Keutner

„Bedient euch!“, sagt er mit einer einladenden Geste, nachdem er den Besuchern mit seinen Aroma-Beschreibungen den Mund wässrig gemacht hat. Unter ihnen auch Ellen und Klaus Spaltmann aus Oberhausen/Ruhrgebiet: „Wir haben selbst einen Spalier-Apfelbaum und wollten wissen, wie sich Ungeziefer auf natürliche Weise bekämpfen lässt und wie man ihn schneiden muss.“ Zum siebten Mal urlauben sie in der Region und nutzten jetzt einmal die Möglichkeit zur Teilnahme.

Cäcilia Wagner (links) und Stefanie Wagner pflücken mit Kindern und Enkeln Obst.
Cäcilia Wagner (links) und Stefanie Wagner pflücken mit Kindern und Enkeln Obst. | Bild: Christiane Keutner

Maria und Roland Neubing aus Oberteuringen hatten den Zeitungsartikel vom vergangenen Jahr gelesen und beschlossen, dieses Jahr mitzugehen. „Das war sehr interessant und nun kennen wir auch die Namen der Früchte“, sagen sie und erfrischen sich, wie die naturverbundene Familie Wagner aus Königbrunn bei Augsburg, die im Deggenhausertal Ferien macht, mit dem leckeren Apfelsaft. Der Schluss sollte eigentlich am Anfang stehen: Der Obstbauer und Tenor Bernhard König erhält für seinen informativen Rundgang und sein gesungenes Willkommen kräftigen Applaus.