Sehr lange schon klappert in Oberteuringen keine Mühle mehr. Aber seit 2002 klimpert, klingt, singt, swingt dort im aufwendig nach allen Regeln der Handwerks- und Denkmalskunst renovierten und ausgebauten Gebäude aus dem 15. Jahrhundert so allerhand Kulturelles, was im Allgemeinen mit dem Begriff Kleinkunst umschrieben werden kann.

Seit vergangenen November feiert "Kultur in der Mühle" diese ersten 15 Jahre mit einem sehens- und hörenswerten Jubiläumsprogramm, welches davon zeugt, dass aus einer anfänglichen Idee eine Spielstätte mit Format geworden ist, umgesetzt auf rein ehrenamtlicher Basis. Von Anfang an dabei sind Irmi Dollansky und Barbara Kensy-Schneider. Die beiden könnten als Selfmade-Eventmanagerinnen bezeichnet werden, die mit viel Elan und Herzblut eine professionelle Umsetzung erarbeitet haben.

Die Rockin 60s aus Friedrichshafen-Ailingen. Uwe „Uzi“ Ziesche (Gesang), Jandy Guttenberger (Gitarre), Hubert Amman (Gitarre), Bruno Knapp (Schlagzeug) und Uwe Urbarz (Kontrabass) spielen am 15. September in der Mühle.
Die Rockin 60s aus Friedrichshafen-Ailingen. Uwe „Uzi“ Ziesche (Gesang), Jandy Guttenberger (Gitarre), Hubert Amman (Gitarre), Bruno Knapp (Schlagzeug) und Uwe Urbarz (Kontrabass) spielen am 15. September in der Mühle. | Bild: Anja Heinz

Träger der Mühle ist die Gemeinde Oberteuringen, aber, so Irmi Dollansky im Gespräch mit dem SÜDKURIER, "wir haben freie Hand". Barbara Kensy-Schneider unterstreicht: "Wir sind komplett selbst organisiert, deshalb macht es so großen Spaß."

Eigenes Bewirtungsteam

Von Anfang an sollten die Veranstaltungen mit Bewirtung stattfinden. Für die zunächst beauftragten Gastronomen war das nicht lukrativ und so wurde entschieden: "Das machen wir selber!" Nach drei bis vier Jahren, in denen ausprobiert wurde, bildete sich ein eigenes Bewirtungsteam heraus, das nun bei jeder Veranstaltung kleine Gerichte zubereitet und serviert sowie für den Getränkeausschank zuständig ist. Bei Sonntagsveranstaltungen bewirtet zudem das Team des "Mühlencafé" mit Kaffee und Kuchen. Die Mühle ist überdies das einzige Kulturhaus im weiten Umkreis, das eine eigene Kunstgalerie unterhält, sagt Kensy-Schneider, die die Ausstellungen kuratiert.

Hier wird gefeiert: 15 Jahre Kulturhaus Mühle in Oberteuringen.
Hier wird gefeiert: 15 Jahre Kulturhaus Mühle in Oberteuringen.

Einen Publikumsmagneten für die Oberteuringer bildete die Eröffnungsausstellung anlässlich der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde im Juli 2002. Sie zeigte historische Fotografien, auf denen sich viele selbst oder aber ihre Vorfahren abgebildet sahen. Im September desselben Jahres startete auch das Kleinkunstprogramm und das "Maulartkabarett" um den legendären Manfred Hepperle lud ein zu "Komm gang mr aweg!"

"Im ersten Jahr wussten wir gar nicht, wie wir die Künstler erreichen sollten", erinnert sich Irmi Dollansky. "Wir haben gesucht", ergänzt Barbara Kensy-Schneider, "inzwischen werden wir überschwemmt und suchen gezielter aus." Vertragsgestaltung, Abrechnung und Kartenvorverkauf übernimmt die Gemeindeverwaltung.

Warum nicht auch einmal ein verqueres Theaterstück zeigen?

Alle anderen Aufgaben stemmen die Ehrenamtlichen. Dazu galt es einiges zu lernen. Beispielsweise, dass ein Künstler im Umkreis von 15 Kilometern innerhalb von vier Wochen keinen weiteren Auftritt haben darf. Und dass nichts funktioniert, wenn man nicht ausgezeichnet organisiert ist. Auch der Mix aus unterschiedlichen Genres und Geschmäckern ist wichtig. Warum nicht auch einmal ein verqueres Theaterstück zeigen? Namen wie Hepperle und Böttcher füllen die Bude, aber die Mühle will auch Bühne für Ausgefallenes sein. Dafür kommen die Gäste dann schon mal von weit her, wie beispielsweise zum Auftritt von Gitarrenweltmeister Joscho Stephan. Zu den Höhepunkten zählen auch die öffentlichen Feste nach fünf, zehn und 15 Jahren, bei denen das Haus voll war "vom Saal bis in den Keller". Und das Tollste sei das "Rudelsingen" gewesen. Die beiden geraten ins Schwärmen und ein Blick auf die Website zeigt die Vielfalt der Formate und Veranstaltungen.

Gehören zum Team (von links): Doris Schulz, Irmi Dollansky, Paula Knörle, Karl-Heinz Beck, Hildegard Fehr (Verwaltung), Birgit Salm, Benedikt Amann, Anni Heine, Kerstin Dürnay, Brigitte Haaf, Klaus Hold, Barbara Kensy-Schneider.
Gehören zum Team (von links): Doris Schulz, Irmi Dollansky, Paula Knörle, Karl-Heinz Beck, Hildegard Fehr (Verwaltung), Birgit Salm, Benedikt Amann, Anni Heine, Kerstin Dürnay, Brigitte Haaf, Klaus Hold, Barbara Kensy-Schneider. | Bild: Mühle-Team

Für die Zukunft wünschen sich Irmi Dollansky und Barbara Kensy-Schneider, dass es auch weiterhin funktioniert, wenn sie mal altershalber aussteigen. Noch macht es ihnen große Freude und im gesamten Team engagieren sich viele Gleichgesinnte, die einzelne Aufgaben übernehmen. Augenblicklich steht schon die Planung für 2020 an und die 3500 Programmflyer für das nächste Halbjahr müssen portioniert werden, damit sie vom Rathaus aus verschickt werden können. Im September geht es weiter mit dem Jubiläumsprogramm. Wer mehr wissen und vielleicht gleich Karten bestellen möchte, schaut am besten auf die Website mit dem Mühlrad im Logo: Denn dort dreht sich was, auch ohne lautes Klappern.