Pläne für eine mögliche Bebauung des Sommertalparkplatzes stellte Götz Hofmann von der Stadtplanungsfirma „die STEG“ dem Gemeinderat in jüngster Sitzung vor. Von der Optik her fand der Entwurf mit vier Mehrfamilienhäusern, einer Parkfläche für die Öffentlichkeit und einer Tiefgarage für die Bewohner zwar großen Anklang bei den meisten Ratsmitgliedern. Das Gremium war allerdings zwiegespalten, ob eine Nachverdichtung in diesem Bereich sinnvoll sei und zeitnah umgesetzt werden solle.

Forderung: Bezahlbarer Wohnraum, Parkplätze auch für Bevölkerung

Im August 2020 hatte der Gemeinderat „die STEG“ mit der Planung beauftragt und einen Rahmen vorgegeben. Gefordert waren die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die doppelte Nutzung durch Parkplätze für Bewohner und Bevölkerung sowie die Einflussnahme der Stadt auf eine mögliche Ausschreibung.

Vom Sommertalparkplatz aus blickt man in die Weinreben. Die Gebäude sollen so platziert werden, dass dieser Blick frei bleibt.
Vom Sommertalparkplatz aus blickt man in die Weinreben. Die Gebäude sollen so platziert werden, dass dieser Blick frei bleibt. | Bild: Lorna Komm

Götz Hofmann präsentierte einen Entwurf für 44 Wohnungen in verschiedenen Größen inklusive 162 Stellplätzen. Die Parkplätze für den Kindergarten nach dieser Planung erhalten, ebenso eine Fläche für eine mögliche zukünftige Erweiterung des Kindergartens, erläuterte Hofmann. Die Wohnungsgrößen seien flexibel planbar, ebenso die Dachform. Die Gebäude orientieren sich in ihrer Höhe an den gegenüber stehenden Mehrfamilienhäusern und seien mit drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss projektiert. Der Abstand zwischen den Gebäuden betrage zwölf Meter, sodass der Blick auf die dahinterliegenden Weinreben frei sei, meinte der Planer.

„Es ist eine funktionelle, sinnvolle Planung, aber sie ist exemplarisch und nicht in Stein gemeißelt.“
Götz Hofmann, Stadtplaner
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Nutzung als Ferien- oder Zweitwohnungen soll ausgeschlossen werden

Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen umfassten mehrere Varianten, auch eine Vergabe des Grundstücks in Erbpacht. Hofmann erläuterte auch die baulandpolitischen Grundsätze: 30 Prozent der Wohnungen würden öffentlich geförderte Mietwohnungen, die Stadt habe ein Belegungs- oder Benennungsrecht für vier Wohnungen und eine Nutzung als Ferien- oder Zweitwohnung werde ausgeschlossen. „Es ist eine funktionelle, sinnvolle Planung, aber sie ist exemplarisch und nicht in Stein gemeißelt“, sagte der Planer am Ende seiner ausführliche Präsentation.

Lars-Erik Meyer, SPD: „Die Planung ist nicht massiv oder wuchtig und die Satteldächer fügen sich städtebaulich gut ein.“
Lars-Erik Meyer, SPD: „Die Planung ist nicht massiv oder wuchtig und die Satteldächer fügen sich städtebaulich gut ein.“ | Bild: Archiv

Lars-Erik Meyer (SPD) meldete sich als Erster zu Wort und bewertete den Entwurf als positiv. „Die Planung ist nicht massiv oder wuchtig und die Satteldächer fügen sich städtebaulich gut ein.“ Er bescheinigte auch eine gute Mischung der Wohnungsgrößen.

Georg Dreher, CDU: „Das Grundstück würde ausgemostet, daher halte ich den Standort für nicht in Ordnung.“
Georg Dreher, CDU: „Das Grundstück würde ausgemostet, daher halte ich den Standort für nicht in Ordnung.“ | Bild: Archiv

Georg Dreher (CDU) erinnerte daran, dass man den Parkplatz für große Fahrzeuge bei städtischen Veranstaltungen brauche. „Den erforderlichen Abstand zu den Rebflächen sehe ich problematisch“, sagte er. Das Grundstück würde ausgemostet und daher halte er den Standort für nicht in Ordnung.

Peter Schmidt: „Untergrund ist morastig und moorig“

Sein Fraktionskollege Peter Schmidt meinte, man habe etliche andere Baustellen, welche zuerst abgearbeitet werden müssten. Er warnte davor, dem „Salemer-Virus“ zu verfallen und alles zuzubauen. Zudem erinnerte er an die Bodenverhältnisse in dem Gebiet. „Die Älteren unter uns wissen, der Untergrund ist morastig und moorig.“

Markus Waibel, FWV: „Warum wollen wir wachsen?“
Markus Waibel, FWV: „Warum wollen wir wachsen?“ | Bild: Sylvia Floetemeyer

Diesen Punkt griff auch Markus Waibel (FWV) auf, denn, so meinte er, da habe noch kein Statiker etwas dazu gesagt. „Ich glaube, so funktioniert das vielleicht gar nicht.“ Zudem betrachte Waibel den Bauboom am gesamten Bodensee als kritisch und fragte: „Wieso wollen wir wachsen?“ Wie zuvor Schmidt brachte auch er das alte Grundstück des Bauhofs auf der Ergeten ins Spiel, was aus seiner Sicht als Anwohner der Daisendorfer Straße den Vorteil habe, den Stadtverkehr von durchfahrenden Wohnmobilen zu entlasten.

Peter Krause, Umbo: „Die Planung mit dem vielen Grün ist supertoll.“
Peter Krause, Umbo: „Die Planung mit dem vielen Grün ist supertoll.“ | Bild: Archiv

Peter Krause (Umbo) meinte jedoch, wenn der Wohnmobilstellplatz verlegt werden solle, brauche man dafür erst einmal ein Konzept. Zudem seien im Boden des ehemaligen Bauhofgeländes Altlasten. Er betrachte die Planung mit dem vielen Grün als „supertoll“. Kritisch sah er den von der Stadtplanungsfirma angedachten Grundstückspreis von 800 Euro pro Quadratmeter: „Da schaukeln wir ja wieder die Bodenpreise hoch.“

Boris Mattes (SPD): „Wir haben nicht endlos Flächen zur Verfügung.“
Boris Mattes (SPD): „Wir haben nicht endlos Flächen zur Verfügung.“ | Bild: Archiv

Boris Mattes (SPD) fragte, was eine Bauplanung noch alles bieten müsse, um das Gremium zufrieden zu stellen. Bei einem Projekt auf der grünen Wiese würde er die Einwendungen verstehen, aber „wir haben nicht endlos Flächen zur Verfügung“.

Bauhofgrundstück seit zehn Jahren in der der Diskussion

Mittelfristig sei dies das einzige Grundstück, da über eine Nutzung des Bauhofgrundstücks schon seit zehn Jahren intensiv diskutiert werde, dort eine Pfahlgründung aber nicht wirtschaftlich darstellbar sei. Im Sommertal habe man es in der Hand, Wohnraum so zu realisieren, wie die Gemeinde es sich vorstelle, und Investoren einen Riegel vorzuschieben, argumentierte Mattes „Wer, wenn nicht wir schaffen bezahlbaren Wohnraum?“

Entscheidung verschoben, bis weitere Aspekte geklärt sind

Angesichts vieler weiterer offener Fragen und Aspekte, die die Ratsmitglieder in die Diskussion einbrachten, etwa zu Fotovoltaikanlagen, der Eintragung des Verbots von Ferienwohnungen ins Grundbuch oder einer generellen Verschiebung des Projektes, schlug Bürgermeister Robert Scherer eine Verschiebung der Abstimmung über das weiteres Vorgehen vor. Dann könne man offene Punkte noch klären. Dies wurde vom Gremium einstimmig angenommen.