Der Rote Ibis, der aus dem Zoo von Besançon ausbüxte und an den Bodensee flog, ward seit seinem Auftauchen in Meersburg, Uhldingen-Mühlhofen und Markdorf nicht mehr gesehen. Insbesondere an der Töbelestraße in Meersburg und am Ufer in Unteruhldingen hatte der leuchtend rote Vogel rund um Ostern für Aufsehen gesorgt. In den Sozialen Medien wurde ausführlich über das außergewöhnliche Tier und seine mögliche Herkunft diskutiert.

Durch eine SÜDKURIER-Leserin, die in Frankreich lebt und von einem Sturm wusste, der eine Großvoliere in dem Zoo beschädigt hatte, wurde das Rätsel gelöst. Der Rote Ibis hatte mit Artgenossen und anderen, ebenfalls seltenen Vögeln die Gelegenheit zum Abflug durch die kaputte Tür genutzt. Ob er nun, wo er nicht mehr am Bodensee gesichtet wurde, wieder auf dem Rückweg nach Frankreich ist? Mélanie Berthet ist Veterinärin in dem Zoo und sagt: „Ich habe keine Ahnung, ob der Vogel versucht, den Zoo zu erreichen. Wir haben jetzt eine Weile keine neuen Informationen zu ihm erhalten.“

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Ibis wäre in der Lage, den Zoo zu erreichen

Berthet: „Der Vogel ist theoretisch in der Lage, den Zoo zu erreichen, wenn er den Weg zurück findet und genügend Futter, um so eine lange Distanz zu fliegen.“ Luftlinie sind es immerhin knapp 250 Kilometer. Von insgesamt acht Vögeln werden momentan immer noch fünf vermisst. „Ich hoffe, wir finden die Vögel vor dem Winter“, so die Veterinärin. Bei geschlossener Schneedecke und Frost finden die Tiere, die aus weitaus wärmeren Gefilden stammen, nämlich keine Nahrung. Feinde könnten Greifvögel sein.

Am einfachsten wäre es, wenn sich der Rote Ibis an einen festen Ort am Bodensee binden würde. „In Frankreich haben wir die folgende Strategie entwickelt: Wenn sich ein Vogel für einen Platz entscheidet, arbeiten wir mit Personen vor Ort zusammen, die ihn an dem spezifischen Platz halten, indem sie ihn mit Fleisch füttern“, erklärt die Veterinärin. Dann wird er in eine kleine, temporäre Voliere gelockt, die extra aufgebaut wurde und dort von den Zoo-Mitarbeitern abgeholt. Das scheint aufwendig, ist aber praktikabler als Fangversuche mit einem Netz im Freien, schilderten die Experten dem Portal Ma Commune.

Der Rosalöffler im Bad eines Schneckenzüchters

Ein Roter Ibis kam selbstständig zurück, ein weiterer wurde jüngst in Pirey eingefangen, wenige Kilometer vom Zoo entfernt, und ein Rosalöffler stand plötzlich im Bad eines Schneckenzüchters. Das war nahe Choye. Der Vogel hatte damit eine Distanz von mindestens 30 Kilometer zurückgelegt. Ungebrochen sind somit die Flugkünste des Roten Ibis, der es bis ans Bodenseeufer schaffte. Von den anderen vier vermissten Ibissen und der Bernierente, einem der seltensten Wasservögel der Welt, ist bisher nichts zum Verbleib bekannt.

Der Rosalöffler aus dem Zoo in Besançon steht in dem Badezimmer.
Der Rosalöffler aus dem Zoo in Besançon steht in dem Badezimmer. | Bild: DR/L'est républicain