„Die Landstraßen sind viel zu schmal. Das zeigt sich immer mehr, da der zunehmende Verkehr mit großen und kleinen Kraftwagen immer größer wird und in einigen Jahren wohl ein Verkehrsbild hervorruft, an das wir heute noch nicht einmal denken.“ Das spricht der Bürgermeister von Meersburg – nicht heute, sondern 1925.

Eine Aussage, die gut 100 Jahre später nichts an Aktualität verloren hat. So zieht die Sonderausstellung „Die 1920er in Meersburg – Vision einer besseren Zukunft?“ im Vineum Bodensee viele Parallelen zu einem vergangenen Jahrzehnt, das gerade zum Gruseln aktuell zu werden scheint, teilt die Stadt Meersburg mit.

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Die Schau im Ausstellungssaal des Dachstuhls zeigt, wie die große Welt im kleinen Meersburg ihren Niederschlag fand: Inflation, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit beherrschten den Alltag. Meersburger Frisöre schnitten den Bubikopf und mit Harriet Straub und Kasia von Szadurska lebten zwei emanzipierte Frauen in der Stadt. Mit der Fährverbindung wurde ein technischer Traum Wirklichkeit und der Zeppelin gehörte zum Alltagsbild.

Erstes Saba-Radio, Modell-Autos und Heimtrainer

Als einer der Höhepunkte der Ausstellung kann man das erste Saba-Radio bewundern, das 1928 auf den Markt gebracht wurde. Und eine kleine Modell-Autosammlung zeigt die Anfänge der privaten Autolust. Zudem spielen die Themen Mode und Sport eine wichtige Rolle: Schützenscheiben vom Künstler Waldemar Flaig illustriert und ein Heimtrainer des gut situierten Haushaltes von 1927 verdeutlichen dies.

Bild: Falk von Traubenberg

Der „Fremdenverkehr“ darf natürlich nicht fehlen. Ein Werbefilm von 1929 wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und eröffnet unter anderem Blicke aus einer DO-X hinein in eine vergangene Zeit. Im Mai 2020 hinterließ einer der Söhne der expressionistischen Malerin Kasia von Szadurska der Stadt Meersburg acht Bilder. Vier von ihnen werden nun der Öffentlichkeit gezeigt.

Die Besucher können durch Ton, Bild, Installation und Inszenierung in eine vergangene und dennoch vertraute Zeit eintauchen. Zu sehen ist die Sonderausstellung bis 7. Februar 2021. Geöffnet ist das Vineum von dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Bild: Falk von Traubenberg