„Lüften, auch wenn‘s kalt wird“ – Als der SÜDKURIER vor wenigen Tagen unter dieser Überschrift darüber berichtete, wie es an den Überlinger Schulen mit dem Stoßlüften gehalten wird, da stieß dieser Artikel bei dem Meersburger Familienvater Sven Sundermeyer auf ganz besonders großes Interesse. Erstens, weil er zwei schulpflichtige Kinder hat, die von der Problematik betroffen sind. Und zweitens, weil der 45-Jährige zusammen mit seinem Vater Rolf Geschäftsführer der Firma UTS ist, einem Beratungs- und Vertriebsbüro für Umwelttechnik im Bereich industrieller Luftreinhaltung. Zwei Männer vom Fach also.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu den Kunden des Vater-Sohn-Gespanns zählen renommierte Firmen aus der Region wie MTU, ZF, HSM, Weber oder Allweiler. Dort sorgen die Ingenieure für saubere Luft an den Arbeitsplätzen, indem sie lufttechnische Konzepte zur Absaugung und Filtration entwickeln und diese mit Partnerfirmen anlagentechnisch umsetzen. Deshalb arbeiten die beiden seit vielen Jahren mit den Produzenten von Hochleistungs-Raumluftreinigern zusammen.

Nicht wirklich störend: ein Raumluftreiniger l(neben der Pflanze) in einem Konferenzraum.
Nicht wirklich störend: ein Raumluftreiniger l(neben der Pflanze) in einem Konferenzraum. | Bild: Firma Keller

Sven und Rolf Sundermeyer sind sich sicher: Diese Geräte sind ein entscheidender Baustein, um den Schulalltag für Lehrer und Schüler wieder zu normalisieren und es dem Coronavirus schwieriger zu machen, sich neue Opfer zu suchen. Ihre Empfehlung: In jedes Klassenzimmer gehört ein verifizierter Raumluftreiniger.

Mittlerweile weiß die Wissenschaft: 70 Prozent der Corona-Patienten stecken sich in Räumen durch virenbelastete Aerosole – winzige Tröpfchen oder Partikel, die lungengängig sind – an. Sie gelangen unweigerlich in die Raumluft, wenn infizierte Menschen sprechen, rufen, lachen, musizieren oder singen. Aerosole schweben teilweise über Stunden im Raum und können hierdurch eine erhöhte Virenlast bilden. Und: Falsch praktiziertes Lüften erhöht womöglich aufgrund ungünstiger Luftströmung im Raum sogar die Ansteckungsgefahr.

Lässt sich das Stoßlüften auch im Winter durchhalten?

Doch wird die vom baden-württembergischen Kultusministerium geforderte Vorgabe an Schulen, alle 20 Minuten stoßzulüften, durchzuhalten sein, wenn die Temperaturen im Winter auch tagsüber im Minusbereich liegen? Müssen Kinder und Jugendliche bald Skiunterwäsche tragen, wenn sie im Klassenzimmer sitzen und werden wegen Erkältung krank gemeldete Schüler bald die Regel sein?

Das könnte Sie auch interessieren

Sven Sundermeyer hat sich mit vielen Lehrern unterhalten und sagt, dass das empfohlene effektive Stoßlüften in einem Klassenzimmer rund 15 Minuten dauert. Denn eigentlich sollten die Schüler ihren Raum verlassen, sobald die Fenster geöffnet sind – damit sie nicht unnötig in einer virenbelasteten Zugluft stehen. Bevor sie dann wieder ihre Klassenzimmer betreten, sollten sie ihre Hände desinfizieren. Und schon hat der Mathelehrer nur noch 30 statt 45 Minuten Zeit, den Satz des Pythagoras zu erklären.

Exemplarische Strömungssimulation (CFD ) eines Klassenzimmers mit Ermittlung der optimalen Positionierung eines dezentralen Umluftreinigers. Bild: UTS
Exemplarische Strömungssimulation (CFD ) eines Klassenzimmers mit Ermittlung der optimalen Positionierung eines dezentralen Umluftreinigers. Bild: UTS | Bild: UTS

Deshalb empfehlen die beiden Experten geeignete Raumluftreiniger, die mindestens sechs Mal pro Stunde die Luft wechseln. Dadurch könne der Lüftungszyklus auf rund 45 Minuten verlängert werden. Wobei der Firmengründer hervorhebt, dass alle wichtigen deutschen Hersteller dieser Geräte in Baden-Württemberg ihren Sitz haben.

Deren Arbeitsweise sei immer ähnlich: Sie saugen die verunreinigte Luft bodennah an und führen sie gereinigt mittels nach EU-Norm klassifizierten Filtern über die Geräteoberseite zurück in den Raum. Das berücksichtigt die Fallrichtung der Tröpfchen und sorgt für eine gezielte Durchströmung des Raums. Damit eigneten sich die mobilen und kompakten Raumluftreiniger neben Schulen auch für Arztpraxen, Kliniken, Hotels, Kindertagesstätten, Pflegeheime, Fitness-Studios, Sporthallen, Büros, Besprechungszimmer oder auch Kantinen.

Luftraumreiniger filtern zwar Coronaviren aus der Luft, aufs Lüften darf in Klassenzimmer trotzdem nicht verzichtet werden.
Luftraumreiniger filtern zwar Coronaviren aus der Luft, aufs Lüften darf in Klassenzimmer trotzdem nicht verzichtet werden. | Bild: Guido Kirchner/dpa

Vater und Sohn Sundermeyer weisen bei aller Begeisterung für mobile Luftreinigungsgeräte aber darauf hin: Sie sind nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum aktiven Lüften gedacht. Um das Coronavirus komplett aus einem Klassenzimmer zu verbannen, dazu bräuchte es auch noch CO2-Ampeln, Schutzwände aus Plexiglas in den Bänken und zertifizierte Masken der FFP2-Klasse.

Mobile Luftraumreiniger nehmen nicht viel Platz weg

Die beiden UTS-Geschäftsführer arbeiten mit Fachfirmen zusammen, die Luftreiniger anbieten, die für die Größe von Klassenräumen ausgelegt sind. Die Geräte sind so groß wie Kühlschränke und können über eine normale Steckdose an den Strom angeschlossen werden. Dass die Geräte nicht kleiner sind, hat damit zu tun, dass zwei EU- und DIN-normierte Hepa-Filter eingebaut sind. Vom Geräusch her sind diese Geräte vergleichbar mit einem Beamer oder Overhead-Projektor.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Immerhin gibt es in Baden-Württemberg rund 76 500 Schulkassen, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann kürzlich erwähnte. Sven Sundermeyer hat nachgerechnet. Ein Luftreinigungsgerät, das für ein Klassenzimmer infrage käme, kostet je nach Größe zwischen 3000 und 6000 Euro. Nach seiner Betriebskostenberechnung liege die Amortisation eines solchen Geräts bei ein bis zwei Heizperioden.

Im Stuttgarter Staatsministerium stehen die Geräte schon

Bayern und Nordrhein-Westfalen subventionieren bereits Umluftreiniger-Systeme für Schulen, Baden-Württemberg nicht. Allerdings: Im Stuttgarter Staatsminsterium stehen bereits Raumluftreiniger, wie das ARD-Politmagazin „Monitor“ jüngst berichtet hat. Und zwar zum Schutz der dortigen Mitarbeiter. Diese Fürsorge würden sich Eltern auch für ihre Kinder wünschen.