„Abstände!“, ruft Dirk Walther beim Training der C-Jugend des Turn- und Sportvereins Meersburg (TuS). Der Coach wird die 14- bis 15-jährigen Nachwuchsfußballer an diesem Abend noch etliche Male daran erinnern. Auch Vereinssportler müssen sich erst an ein Leben mit Corona und den Sicherheitsmaßnahmen gegen das Virus gewöhnen. Der TuS hat nach dreimonatigem Shutdown seinen Betrieb Anfang dieser Woche eingeschränkt wieder aufgenommen und setzt dabei ein strenges Hygienekonzept um, das Walther miterarbeitete. Die Turnhalle ist derzeit noch geschlossen, alle Veranstaltungen finden im Freien satt.

Keine Gymnastik für Senioren, kein Volleyball und kein Geräteturnen

Nicht alle Sportarten können angeboten werden. So fällt etwa die Gymnastik für Senioren aus, weil Letztere besonders anfällig sind. Aber auch Volleyball findet nicht statt, weil man die nötigen Abstände nicht einhalten könne, erklärt Herbert Obser, Vorstandsmitglied und Leiter der Abteilung Turnen. Geräteturnen ist ebenfalls nicht möglich, vor allem, weil die Desinfektion der Geräte nach jedem Durchgang zu aufwändig wäre. „Wir sind derzeit im Startmodus“, betont Obser.

Nur C-Jugend und die Herren trainieren

Abstand einhalten, so lautet auch beim Fußballtraining das wichtigste Gebot. Die Trainer Leon Grabelus (links) und Mathis Felsche (rechts) bereiten für die C-Jugend des TuS-Meersburg eine Übung vor.
Abstand einhalten, so lautet auch beim Fußballtraining das wichtigste Gebot. Die Trainer Leon Grabelus (links) und Mathis Felsche (rechts) bereiten für die C-Jugend des TuS-Meersburg eine Übung vor. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Im Bereich Fußball trainieren vorerst nur die C-Jugend und die Herrenmannschaft, quasi als „Testlauf“, sagt Thomas Hausberger, Leiter der Abteilung Fußball. „Wir waren uns einig, von Bambini bis D-Jugend ist das nicht zu verantworten.“ Zum einen, weil es schwierig sei, die strikten Corona-Regeln den Kindern zu vermitteln, aber auch wegen ihrer großen Anzahl. Derzeit dürfen insgesamt nur 20 Spieler auf den Rasenplatz, maximal zehn in jede Hälfte.

Noch keine Perspektive für den Spielbetrieb

Um Körperkontakt zu vermeiden, beschränken sich die Fußballer auf Konditionstraining, Passübungen, Torschüsse. Sowieso gibt es derzeit keine Matches, für die man trainieren müsste: „Wir haben vom südbadischen Fußballverband noch keine Perspektive, wann der Spielbetrieb wieder losgeht“, so Hausberger. Die Abteilung Turnen belegt vor allem den Tartanplatz bei der Sporthalle. Wege und Trainingsflächen sind mit Kreidespray markiert.

Auf dem Tartanplatz sind erlaubte Wege und Trainingsfelder mit Kreidespray markiert, wie Thomas Hausberger (links) und Herbert Obser zeigen.
Auf dem Tartanplatz sind erlaubte Wege und Trainingsfelder mit Kreidespray markiert, wie Thomas Hausberger (links) und Herbert Obser zeigen. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Viele erwarten sehnsüchtig die Wiederaufnahme

Die Wiederaufnahme des Sportbetriebs haben viele sehnsüchtig erwartet. In den vergangenen Wochen wollten viele wissen: „Wann fangt ihr wieder an?“, erzählt TuS-Vorsitzender Michael Gröer. Auch bei Elternnachfragen sei es vor allem um den Neustart gegangen, weniger ums Hygienekonzept. Letzteres ist aufwändig, vor allem für die ehrenamtlichen Trainer und Vereinsverantwortlichen. Sportler müssen für jede Trainingseinheit ein Kontaktform ausfüllen, die Übungsleiter eine „Trainings- und Belehrungscheckliste“ führen. Der Verein bewahrt diese Unterlagen – unter Berücksichtigung des Datenschutzes – vier Wochen lang auf.

Umkleiden und Duschen sind aktuell gesperrt

Umkleiden und Duschen sind noch gesperrt. Turner und Trainierende müssen bereits in Sportkleidung kommen und ihre eigene Matte mitbringen sowie etwa auch ein Handtuch, einen Mundschutz und eine „eindeutig identifizierbare Getränkeflasche“. Natürlich müssen alle vor und nach jeder Einheit ihre Hände reinigen, Trainingsgeräte werden ebenfalls vor- und nachher desinfiziert. Ferner dürfen auch keine Fahrgemeinschaften gebildet werden.

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Trainingsmöglichkeiten durch Auflagen beschränkt

Und: „Es gibt kein Training ohne Anmeldung“, unterstreicht Obser. „Wir haben aber keinen Aufnahmestopp“, sagt er auf Nachfrage. Zwar müsse man erst mal die derzeitigen Mitglieder unterbringen. Aber wenn jemand Potenzial habe und es freie Kapazitäten gebe, dann gehe ein Neuzugang schon. Allerdings seien die Trainingsmöglichkeiten wegen der rigiden Auflagen derzeit halt einfach beschränkt. Man werde alles tun, um Coronafälle möglichst zu vermeiden, betonen Gröer, Hausberger und Obser. „Das sind wir auch gegenüber der Stadt als Besitzerin der Sportstätten schuldig“, unterstreicht Gröer.

Einnahmeausfälle im fünfstelligen Bereich

Doch auch der TuS Meersburg braucht Solidarität: Die Corona-Krise hat ihm bis dato finanzielle Einbußen „im hohen fünfstelligen Bereich“ beschert: durch den Ausfall der beiden Weinfeste aber auch der Fußball-Heimspiele sowie der Vereinsgastronomie, die nun zwar wieder, wenn auch sehr eingeschränkt, laufe.

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Man wisse, dass derzeit etwa auch viele Einzelhändler Probleme hätten, so Hausberger. „Aber es wäre schön, wenn man den TuS nicht vergessen würde.“ Herbert Obser unterstreicht: „Mit Mitgliedsbeiträgen allein können wir den Betrieb nicht aufrecht erhalten.“ Erwachsene zahlen derzeit je 80 Euro im Jahr, Kinder und Jugendliche je 75 Euro, Familien 160 Euro, passive Mitglieder je 15 Euro.