Ein Bauplatz für rund 10 000 Euro in Meersburg? Das gab es im familienfreundlichen Baugebiet Allmendweg-Erweiterung – abzüglich Kinderbonus und Erschließungskosten, die die Stadt trägt. Diesen Preis hob Stadtrat Georg Dreher (CDU) hervor, als der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung aus formalen Gründen nochmals explizit dem Verzicht auf die Erschließungskosten für die vier vom Rieslingweg her erschlossenen Bauplätze zustimmen musste. Letztere betragen 281 079 Euro. Der Verkauf der vier Grundstücke hatte der Stadt 573 500 Euro eingebracht, sodass unterm Strich ein Nettoerlös von 292 421 Euro übrig bleibt. Tatsächlich kostete somit etwa ein 307 Quadratmeter großes Grundstücke à 350 Euro pro Quadratmeter abzüglich 30 000 Euro Kinderermäßigung und 67 310 Euro Erschließungskosten nur 10.140 Euro.

Bauland unter Wert

Dreher sagte, da könne er nicht zustimmen – und votierte denn auch als Einziger mit Nein. Denn „das steht in keinem Verhältnis zu anderen Grundstücken. Ich kann nicht verantworten, dass städtische Grundstücke unter Wert verkauft werden.“ Boris Mattes (SPD) meinte hingegen: „Wir wissen jetzt ganz genau, was uns die Wohnraumförderung wert war.“ Die Grundstücke „in dieser schwierigen Lage wären am Markt nicht veräußerbar gewesen“, glaubt Mattes. Und zu Dreher: „Dass das irgendwie anrüchig wäre, kann ich beim besten Willen nicht sehen.“ Es gebe sogar Kommunen, die Grundstücke für einen symbolischen Euro pro Quadratmeter an den Mann brächten.

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Markus Waibel (FW) meinte: „Schade, dass wir Wohnraum für junge Familien so stark subventionieren müssen, weil sich auf dem Markt junge Familien nichts mehr leisten können.“ Monika Biemann (Umweltgruppe) betonte: „Die Erschließungskosten haben uns überrollt.“ Und Peter Krause von der Umbo fand: „Der größte Fehler, den wir gemacht haben, war die Verlängerung des Rieslingwegs.“ Stattdessen hätte man „einen gescheiten Bebauungsplan“ aufstellen und dadurch mehr Bauplätze ermöglichen sollen.

Die Stadt hatte in dem Baugebiet Allmendweg acht Bauplätze ausgewiesen, die jungen Familien ein erschwingliches Eigenheim ermöglichen sollen. Deshalb gewährte man einen Kinderbonus von 15 000 Euro pro Kind und verkaufte die Grundstücke voll erschlossen, wobei man sich an den Bodenrichtwerten (zwischen 350 Euro und 650 Euro pro Quadratmeter) orientierte. Allerdings wurde die Erschließung, deren Kosten von der Stadt im Mai 2018 auf 120 000 Euro geschätzt worden waren, mehr als dreimal so teuer: Nach einer Kalkulation vom Juli 2019 soll sie letztlich 431 000 Euro betragen. Eine zweite Ausschreibung der Tiefbauarbeiten – nachdem ein erstes Ergebnis dem Rat zu hoch war – hatte die Kosten zusätzlich erhöht.

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