„Mach Dein Ding“: Dieser Aufgabe haben sich 32 junge Künstler gestellt, die sich um den Förderpreis Jung und Gegenständlich des Bodenseekreises bewerben und ihre Arbeiten in der Kreisgalerie im Roten Haus von Meersburg ausstellen. Die 32 Künstler kommen von Akademien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Es ist ein Preis, der klein angefangen hat, nun aber weit über den Kreis hinaus bekannt ist“, sagte Landrat Lothar Wölfe bei der Eröffnung der Ausstellung im Spiegelsaal des Neuen Schlosses. Seit 2010 wird der Preis im zweijährigen Turnus vergeben. Neben einer Fachjury kann auch jeder Ausstellungsbesucher seine Stimme für den Publikumspreis abgeben. „Das ist spannend“, meinte Wölfle „denn die Ergebnisse sind nicht immer deckungsgleich.“ Der Titel „Mach Dein Ding“ habe den jungen Künstlern im Alter von 20 bis 30 Jahren Mut machen sollen. „Denn wir alle wurden in den vergangenen zwei Jahren durch Corona geprägt“, führte der Landrat aus, „eine Tatsache, welche auch in den Werken der Künstler präsent ist“.

Heike Frommer, Leiterin der Galerie des Bodenseekreises, und Landrat Lothar Wölfle eröffneten die Ausstellung.
Heike Frommer, Leiterin der Galerie des Bodenseekreises, und Landrat Lothar Wölfle eröffneten die Ausstellung. | Bild: Lorna Komm

Junge Künstler verarbeiten Isolation in der Corona-Pandemie

Die Leiterin der Galerie Bodenseekreis, Heike Frommer, gab einen Überblick über die Künstler und ihre Bilder. Gut ein Drittel der jungen Künstler stamme aus Asien, zum ersten Mal seien auch Arbeiten von Kunstschaffenden aus China zu sehen. Trotz der Bandbreite der Herkunft der jungen Künstler seien sich deren Arbeiten ähnlich, denn alle gehörten der ersten Generation junger Menschen an, die während der Pandemie entscheidende Jahre zu Hause verbringen mussten. „Wie sich das anfühlt, ist in der Ausstellung zu sehen“, sagte die Kuratorin.

Corona und Klimawandel werden in Arbeiten thematisiert

Heike Frommer beschrieb das Werk einer Chinesin, welche drei Wochen in einem Hotel in Beijing in Quarantäne war. Das Essen sei ihr auf einem Hocker vor die Tür gestellt worden. Diese Zeit habe sie in 24 Miniaturbildern dokumentiert. „Es ist auch die erste Generation, die gleich mit zwei globalen Problemen leben muss: Corona und dem Klimawandel“, führte Frommer aus. Auch diese Thematik spiegele sich in den Bildern. „Waldgeschichten“ laute der Titel eines Werkes mit Bäumen ohne Blätter, das Werk „Flut zeige die Überschwemmungen in Norddeutschland, wo die Rettung von Besitz wichtiger sei als das Leben.

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„‘Mach Dein Ding‘ ist nicht egozentrisch, sondern ein Leben, in dem man sich mit Respekt begegnet.“
Heike Frommer

Doch es seien auch friedvolle Bilder zu sehen, mit Kindern oder Tieren. Bei vielen Künstlern dominierten auch die Gefühle in den Arbeiten. „Im Gegensatz zu früher stehen aber weniger die eigenen Gefühle als die der Mitmenschen im Vordergrund“, berichtete Frommer. Die jungen Menschen würden klar formulieren, um was es ihnen geht. „‘Mach Dein Ding‘ ist nicht egozentrisch, sondern ein Leben, in dem man sich mit Respekt begegnet“, meinte die Galerieleiterin. Auf Nachfrage, ob die Werke dieses Jahr im Vergleich zu denen aus den Vorjahren politischer seien, antwortete Frommer: „Nein, aber sie sind nachdenklicher.“

Musiker Andieh Merk und Lyriker Jürgen Weing (von links) gaben der Veranstaltung eine künstlerische Note.
Musiker Andieh Merk und Lyriker Jürgen Weing (von links) gaben der Veranstaltung eine künstlerische Note. | Bild: Lorna Komm

Der freie Künstler und Lyriker Jürgen Weing unterhielt bei der Eröffnung mit humorigen Texten zur Kunst, während der Musiker Andieh Merk mit schelmischen Blick seinem Saxofon ungewohnt trällernde, ächzende oder geflüsterte Töne entlockte. Im Anschluss an die Vernissage konnten die Besucher die drei Stockwerke der Galerie auf eigene Faust begehen und mit etwas Glück auch einen Künstler vor seinem Werk antreffen.

Der in Leipzig studierende Japaner Kazuki Koga sagte, er habe in seinem Lieblingsbild „Appartements und Badmintonspieler“ mit Farbtönen experimentieren wollen. „Wie können die Farben aussehen, wie bunt kann das Leben sein“, habe er sich gefragt.

Der in Leipzig studierende Japaner Kazugi Koga experimentiert in seinem Werk „Appartements und Badmintonspieler“ mit bunten ...
Der in Leipzig studierende Japaner Kazugi Koga experimentiert in seinem Werk „Appartements und Badmintonspieler“ mit bunten Farben in Öl. | Bild: Lorna Komm

Knapp die Hälfte der ausstellenden Künstler war zur Eröffnung angereist. Paula Schwabe, die ihr Diplom in Berlin gemacht hat, sagte: „Es ist eine tolle Erfahrung, an einem anderen Ort auszustellen und andere Künstler kennenzulernen.“ Die in Thüringen geborene Wiebke Suhl ergänzte: „Es ist toll, andere Künstler kennenzulernen, die auch gegenständlich malen.“ Und die Chinesin Xiaoxue Xu war überwältigt: „Es ist eine Überraschung für mich, ich bin dankbar, hier ausstellen zu dürfen.“

Anette Mesching, Mitarbeiterin der Galerie, bestätigte, dass es für die jungen Künstler etwas besonderes sei, bei der Vernissage dabei zu sein. „Sie freuen sich, leider ist die Teilnahme aber nicht allen möglich.“ Den Besuchern der Ausstellung riet sie, an der Auswahl zum Publikumspreis teilzunehmen. Sie und ihre Kolleginnen hätten die Erfahrung gemacht, dass die Menschen die Werke dann intensiver betrachten. „Mitmachen regt die Aufmerksamkeit an“ und verstärke den Kunstgenuss, warb Anette Mesching.

Die Ausstellung im Roten Haus

Die Ausstellung ist bis zum 2. September 2022 zu sehen und von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Teilnahme an der Wahl zum Publikumspreis ist bis zum 21. August möglich, sowohl in der Ausstellung als online.