Seit dem Abriss der Hämmerle-Fabrik in den 90er Jahren wird auf dem Gelände hinter der Liegewiese am Seeufer immer wieder über eine Bebauung mit einem Hotel verhandelt. Bisherige Planungen wurden aus den unterschiedlichsten Gründen gekippt, zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Seit einigen Jahren wird das Gelände als öffentlicher Parkplatz genutzt, mit einem separaten Bereich, der Gästen der Therme vorbehalten ist. Die Stadt Meersburg macht für ein Hotelprojekt die Vorgabe, dass weiterhin öffentliche Parkplätze auf dem Areal eingeplant werden. Außerdem fordert die Verwaltung eine öffentliche Toilette, gewünscht wird auch eine Verbindung mit der Therme.

In einer Sondersitzung des Gemeinderats stellten jetzt fünf Interessenten ihre Pläne für ein Hotelprojekt auf dem Gelände in attraktiver Lage am Seeufer vor.

Vorschlag 1: Begrüntes Holzhaus mit 100 Zimmern und Tagungsräumen

Wolfgang Scheidtweiler vom Bayerischen Brauhaus Pforzheim war der einzige der Interessenten, der keine konkreten Pläne zum Termin in Meersburg mitgebracht hatte. Er verwies auf seine Referenzprojekte, wie Parkhotels in Reutlingen und Heilbronn. „Meine Liebe gilt denkmalgeschützten Häusern“, sagte der 75-Jährige. Hier führte er seine Projekte im Kloster Marienwald, dem Hotel Halm in Konstanz und dem Bad-Hotel in Überlingen an. Für das Gelände in Meersburg könne er sich ein stark begrüntes Holzhaus vorstellen mit einer Gastronomie auf dem Dach und Tagungsräumen für den Winter. Ideal wären 100 Zimmer in zwei Preiskategorien. „Wir planen, bauen und betreiben selber“, sagte Scheidtweiler.

Das mittig abgesenkte Gebäude mit 150 Zimmern, Tagungsräumen, Gastronomie und einem Spa-Bereich soll den Blick auf die Weinberge freilassen.
Das mittig abgesenkte Gebäude mit 150 Zimmern, Tagungsräumen, Gastronomie und einem Spa-Bereich soll den Blick auf die Weinberge freilassen. | Bild: Architekturbüro Külby + Külby

Vorschlag 2: 150 Zimmer, Spa-Bereich und Tagungsräume

150 Zimmer, Tagungsräume, Bistro, Bar und Restaurant sowie ein kleiner Spa-Bereich mit Schwimmbecken sind im Entwurf des Architekturbüros Külby und Külby vorgesehen. Die Architekten Vater Peter und Sohn David Külby hatten ihre Planungen bereits im Oktober 2019 öffentlich vorgestellt. Der neue Entwurf wurde geringfügig abgeändert. Der Grundriss der Tiefgarage, in der auch Parkplätze für Thermenbesucher vorgesehen sind, wurde um eine öffentliche Toilette erweitert. Die Zahl der Zimmer, alle mit Balkon, wurde erhöht. Im Durchschnitt sind die Zimmer 30 Quadratmeter groß, bis auf einige haben alle Seeblick, erklärte Peter Külby. Eine Brücke als Bademantelgang zur Therme sei möglich. „Die Planung funktioniert aber nur mit einer gut funktionierenden Therme“, sagte Peter Külby, sonst müssten 2000 Quadratmeter mehr für den Spa-Bereich eingeplant werden. Das Hotel im Vier-Sterne-Superior-Bereich soll im Winter durch Events und Tagungen belegt werden. Nachhaltigkeit steht im Vordergrund. Fotovoltaikanlagen, potenzielle Nutzung von Seewärme und ein begrüntes Dach sind eingeplant. Das mittig abgesenkte Gebäude soll den Blick auf die Weinberge freilassen. „Es soll architektonisch unverwechselbar sein“, sagte Peter Külby. Hinter der Planung stehen die Partner Titanic Hotels, welche 14 Hotels und 18 Restaurants betreibt, sowie Ten Brinke.

Dieser Entwurf verzichtet auf eine Tiefgarage, die 213 geplanten Parkplätze sollen ebenerdig angelegt werden. Darüber wird das Hotel mit ...
Dieser Entwurf verzichtet auf eine Tiefgarage, die 213 geplanten Parkplätze sollen ebenerdig angelegt werden. Darüber wird das Hotel mit vorgefertigten Modulen aufgeständert. | Bild: Mundel Architekten

Vorschlag 3: Modulbauweise mit großem Gastro-Bereich – und Bereitschaft, bei Insolvenz die Therme übernehmen zu wollen

200 Zimmer, einen Multiveranstaltungsbereich, ein Fitness- und Gesundheitsstudio sowie ein Restaurant mit 350 Plätzen innen und einer Seeterrasse mit 250 Plätzen plant Architekt Kai Mundel für die AIM/Interspa-Gruppe, die als Investor, Bauherr und Betreiber hinter dem Projekt steht. Aus Gründen der CO2-Einsparung wird auf eine Tiefgarage verzichtet, die 213 Parkplätze finden Platz im Erdgeschoss. Die vorgefertigen Module für das Hotel werden aufgeständert über die Parkebene gesetzt. Die Zimmer des Vier-Sterne-Superior-Hotels haben einen Balkon und einen kompakten Sanitärbereich. Vom ersten Obergeschoss soll eine Brücke als direkter Zugang zur Therme führen. Vom Dachgeschoss aus könnte eine Brücke in die Weinberge führen, schlug der Architekt vor. Geplant seien unterschiedliche Themenflure mit Informationen zu Stadt, See oder Gebirgspanorama. Holzbauweise, Fotovoltaikanlagen und Luftwärmepumpen, vorzugsweise Seewärme, sollen das Nachhaltigkeitskonzept erfüllen.

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Volker Kurz, Geschäftsführer der Interspa-Gruppe, stellte die Kooperation durch eine Betriebsverpflichtung mit der Therme heraus, die zwingend notwendig sei: „Ohne Therme ist das Hotel für uns wertlos.“ Auf Nachfrage aus dem Rat, was dann bei einer Insolvenz der Therme geschehe, signalisierte Kurz die Bereitschaft, die Therme zu übernehmen. Die Gruppe betreibt mit der Wonnemar-Bäder-Gruppe einige Bäder und Hotels.

Drei Gebäude mit Holzfassade sind in diesem Entwurf vorgesehen. Im Erdgeschoss könnte ein Gang die Gebäude miteinander verbinden.
Drei Gebäude mit Holzfassade sind in diesem Entwurf vorgesehen. Im Erdgeschoss könnte ein Gang die Gebäude miteinander verbinden. | Bild: Aldinger Architekten Stuttgart

Vorschlag 4: Drei Gebäude sollen Blick auf Weinberge frei lassen

136 Zimmer, 100 Stellplätze für Fahrräder, 246 Parkplätze, Restaurant, Bar und Café in drei geneigten, dynamischen Kuben: So stellte Architektin Simone Gauss von Aldinger Architekten die Planung vor. Die Baukörper sollen in Holzhybridbauweise mit Holzfassaden gebaut werden. Durch die Aufteilung in drei Häuser soll der Blick auf die Weinberge frei bleiben und der Bau soll die Natur so wenig wie möglich stören. Im Erdgeschoss könnte ein Gang die drei Häuser verbinden. Im rechten Haus soll für die Gäste ein reduzierter Spa-Bereich auf etwa 300 Quadratmetern geschaffen werden. Die Zimmer werden aufgrund der Architektur unterschiedlich groß sein und statt Außenbalkonen jeweils eine innen liegende Loggia haben. Die Tiefgarage ist mit einem Sockel nur halb unterirdisch geplant, sodass nur eine Flache Rampe notwendig ist. Eine extra Rampe für die Anlieferung durch Lastwagen und eine öffentliche Toilette sind am linken Gebäude berücksichtigt. Für die begrünten Dächer sind Fotovoltaikanlagen eingeplant. Investor Jan Leis von JR Real Estate will mit einer internationalen Kette zusammenarbeiten und einen Qualitätstourismus für alle Arten von Gästen bieten. So seien für das Vier-Sterne-Superior-Haus auch große Suiten eingeplant, da im höheren Preissegment Bedarf bestehe, meint Leis. Einen extra Verbindungsgang zur Therme halte er für unnötig – kein Gast lasse sich abhalten, die Therme zu besuchen, nur weil ein solcher Übergang fehle.

Vorschlag 5: Terrassierter Bau und kleine Events im Winter

Auf ein terrassiertes Gebäude setzt dieser Entwurf. Betreiben will das Hotel Markus Seemann, der bereits das Jufa-Hotel in Meersburg ...
Auf ein terrassiertes Gebäude setzt dieser Entwurf. Betreiben will das Hotel Markus Seemann, der bereits das Jufa-Hotel in Meersburg führt, zusammen mit seiner Frau. | Bild: Neusch Architekten

100 Zimmer, Fitnessbereich, Restaurant, Bar und einen Kiosk für die Badegäste der Liegewiese oder Radfahrer plant das Architekturbüro Neusch. Die 230 Parkplätze sollen mit einer dynamischen Kapazitätensteuerung den Platz für die Hotelgäste garantieren und ein Maximum an öffentlichen Stellplätzen ermöglichen. Die Zimmergeschosse werden terrassiert, eine vertikale Lamellenstruktur aus Holz an der Außenfassade und abgerundete Ecken sollen das Hotel harmonisch wirken lassen. Für das stylische, aber legere Vier-Sterne-Boutique-Hotel sind drei verschiedene Zimmerkategorien mit Balkon oder Terrasse geplant. Der Erdaushub für die Tiefgarage soll zur Wiederauffüllung genutzt werden. Mit der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, der Appia Contract und Karls Hotel aus Sigmaringen will Markus Seemann, der bereits das Jufa-Hotel in Meersburg führte, das Hotel zusammen mit seiner Frau in Eigenregie betreiben. Das Wintergeschäft werde nicht durch Tagungen belebt, die Nachfrage sei rückläufig, meint er. Stattdessen plane er kleinere Events, wie Wochenenden mit Yoga-Kursen im Multifunktionsraum. Der deutlich größere Fitnessraum als in vergleichbaren Hotels und die Sauna sollen „Body, Mind and Soul“ ansprechen – Körper, Geist und Seele. Einen Bademantelgang zur Therme hält er momentan ökologisch nicht für sinnvoll. „Ich schaffe Parkplätze, die Therme könnte sich auf dem bisherigen Parkplatz erweitern“, schlägt Seemann vor.