Die Nacht des offenen Denkmals, als Eröffnungsveranstaltung für Baden-Württembergs Tag des offenen Denkmals, hatte mit 170 Veranstaltungen in 30 geöffneten Denkmälern einiges zu bieten. Durch die Vielzahl der Veranstaltungsorte verteilten sich die Besucherströme in der ganzen Stadt.

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Während bei der ersten Abendfahrt des Motorschiffes „Fritz“ hauptsächlich Touristen den Ausführungen des Vorsitzenden des Museumsvereins Heinz Frey über das barocke Gesamtensemble von der Seeseite aus lauschten, waren in der Stadt viele Meersburger und Einheimische aus den benachbarten Ortschaften anzutreffen. „Man trifft viele Bekannte und kommt in Gebäude rein, wo man sonst nie reinkommt“, sagte die Meersburgerin Angelika Mackowiak nach ihren Besuchen im Burgkeller und der Schlossschenke. In der ehemaligen Schlossschenke, die demnächst saniert werden soll, war sie überrascht vom tollen Blick aus dem Dachgeschoss auf die Stadt.

Angelika Mackowiak, Meersburg: „Man kommt in Gebäude rein, die man sonst nicht sieht. Leider schafft man gar nicht alles. Da hat die Stadt was Tolles auf die Beine gestellt.“
Angelika Mackowiak, Meersburg: „Man kommt in Gebäude rein, die man sonst nicht sieht. Leider schafft man gar nicht alles. Da hat die Stadt was Tolles auf die Beine gestellt.“ | Bild: Lorna Komm

Gerade nach der langen Corona-Zeit sei „endlich wieder was los im Städle“, sagte Angelika Mackowiak. Ebenfalls vom Besuch der ehemaligen Schlossschenke beeindruckt zeigte sich Silke Keller. Die Meersburgerin fand es „erstaunlich, dass die altertümlichen, kleinen Gästezimmer mit dem Waschbecken in der Nische bis in die 90er Jahre hinein vermietet worden sind“.

Silke Keller, Meersburg: „Es ist erstaunlich, dass die altertümlichen Zimmer mit Waschbecken in der Schlossschenke noch bis in die 90er Jahre vermietet wurden.“
Silke Keller, Meersburg: „Es ist erstaunlich, dass die altertümlichen Zimmer mit Waschbecken in der Schlossschenke noch bis in die 90er Jahre vermietet wurden.“ | Bild: Lorna Komm

Der Geschichts- und Stadtkenner Peter Schmidt meinte ebenfalls, dass eine solche Eröffnungsveranstaltung für eine so kleine Stadt wie Meersburg nicht selbstverständlich sei, da diese sonst von großen Städten wie zum Beispiel Freiburg ausgerichtet würden. Umso erfreuter war er, bei den nächtlichen Friedhofsführungen Dinge wieder in den Vordergrund bringen zu können, die sonst leicht in Vergessenheit geraten könnten.

Der sonst recht unauffällige Grabstein von Franz Anton Mesmer, kam auf dem dunklen Friedhof hell beleuchtet gut heraus. Peter Schmidt erzählte aus den Lebensläufen der bekannten Meersburger Persönlichkeiten und Schauspielerin Mirjam Dienst rezitierte passende Gedichte und Texte.
Der sonst recht unauffällige Grabstein von Franz Anton Mesmer, kam auf dem dunklen Friedhof hell beleuchtet gut heraus. Peter Schmidt erzählte aus den Lebensläufen der bekannten Meersburger Persönlichkeiten und Schauspielerin Mirjam Dienst rezitierte passende Gedichte und Texte. | Bild: Lorna Komm

Auf dem romantisch beleuchteten Friedhof erklärte Schmidt den Besuchern kurz die Geschichte der Grabanlage – mit dem Hinweis, dass die heute allgemein als Friedhofskapelle bezeichnete kleine Kirche 1480 eigentlich als Pestkapelle errichtet worden sei. An den Gräbern der bekannten Meersburger Einwohner Anette von Droste-Hülshoff, Franz Anton Mesmer und Fritz Mauthner erklärte Schmidt wissenswerte Fakten über die Persönlichkeiten, erzählte aber auch augenzwinkernd einige Anekdoten. Mesmer hätte reihenweise die Damen in Paris in Ohnmacht fallen lassen, unwissend Praktiken der heutigen Physiotherapie angewandt und sei bis heute in Amerika bekannter als bei uns.

„Schätze unserer kleinen Stadt“

Weiterhin beleuchtete Schmidt die „Mystik des Glaserhäusle, der alten Taverne des Glasers“. „Dies alles sind Schätze unserer kleinen Stadt“, sagte Schmidt. Schauspielerin Mirjam Dienst versetzte die Besucher mit Texten der Droste und Hedwig Mauthner, auch bekannt als Harriet Straub in die passende Zeit.

An der Familiengruft der von Lassbergs, wo auch Annette von Droste-Hülshoff beigesetzt ist, rezitierte Schauspielerin Mirjam Dienst Gedichte der berühmten Dichterin.
An der Familiengruft der von Lassbergs, wo auch Annette von Droste-Hülshoff beigesetzt ist, rezitierte Schauspielerin Mirjam Dienst Gedichte der berühmten Dichterin. | Bild: Lorna Komm

Auf eine spannende Zeitreise wurden auch die Besucher der Unterstadtkapelle mitgenommen. Brigitte Rieger- Benkel erzählte in der nur für Führungen geöffneten Kapelle von Domherren, Geheimgängen und wertvollen Kunstwerken. Für die Kunsthistorikerin sei die Kapelle die Schönste der Meersburger Kirchen, verriet sie den Besuchern – und die Kapelle sei auch eine der ältesten. Das genaue Baudatum sei unbekannt, werde aber gegen das Jahr 1250 geschätzt, wobei der hintere runde Gewölbeanbau erst später, vermutlich gegen 1535 dazu gekommen sei. „Ab etwa 1500 gibt es Nachweise für bürgerliche Stiftungen oder von Honoratioren der Stadt“, erklärte Rieger-Benkel.

Ein Besuchermagnet war die Unterstadtkapelle. Links der Schnitzaltar, welcher die Verkündigung Marias darstellt, rechts der Altar mit Tafelmalereien von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten.
Ein Besuchermagnet war die Unterstadtkapelle. Links der Schnitzaltar, welcher die Verkündigung Marias darstellt, rechts der Altar mit Tafelmalereien von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. | Bild: Lorna Komm

Durchblick auf eine Burglandschaft

Das älteste und aus kunsthistorischer Sicht interessantes Objekt sei der linke Altar, auf welchem die Verkündigung Marias dargestellt sei. Dieser wurde vermutlich zwischen 1480 und 1500 extra für die kleine Kapelle geschaffen. Im Hintergrund ist ein Fenster zu sehen, welches einen Durchblick auf eine Burglandschaft zeigt, wie Rieger-Benkel erklärte. Ein weiteres Kuriosum, wie die Expertin meinte, sei der rechte Seitenaltar, welcher Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten zeige.

Als weitere Besonderheit machte Rieger-Benkel auf das Gemälde mit der Kreuzigungsszene gleich am Eingang der Kirche aufmerksam, welches eine Kopie des Bildes des bekannten italienischen Malers Jacopo Tintoretto sei.

Die bemalte Orgelbühne mit den Wappen des Konstanzer Bischofs und Kardinals Andreas von Habsburg. Darunter die Kopie der Kreuzigungsszene von Jacopo Tintoretto.
Die bemalte Orgelbühne mit den Wappen des Konstanzer Bischofs und Kardinals Andreas von Habsburg. Darunter die Kopie der Kreuzigungsszene von Jacopo Tintoretto. | Bild: Lorna Komm

Neben den historischen Fakten gab es aber auch ein Unterhaltsprogramm. Die Ghostriders spielten auf der Bühne auf dem Schlossplatz Rock‘n‘Roll und die Bierbänke und Tische erinnerten etwas an das Weinfest.

An der beleuchteten, etwa fünf Meter hohen Großpuppe Dundu, die geführt von fünf Puppenspielern durch die Gassen der Altstadt schlenderte, hatten nicht nur die Kinder Spaß, auch die Erwachsenen folgten dem „Giganten des Lichts“ mit dem Handy fotografierend über den Schlossplatz und in die Vorburggasse.

Die Nacht des offenen Denkmals war für alle Besucher frei zugänglich. Nur die knapp fünf Meter hohe Lichtgestalt „Dundu“ passte nicht ins Vineum.
Die Nacht des offenen Denkmals war für alle Besucher frei zugänglich. Nur die knapp fünf Meter hohe Lichtgestalt „Dundu“ passte nicht ins Vineum. | Bild: Lorna Komm

„Man kann, glaube ich sagen, dass dieser Abend ein Riesenerfolg war“, gab Kulturamtsleiterin Christine Johner eine Zwischenbilanz. Auf ihrem Rundgang mit Nicole Razavi, der Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, habe sie in viele glückliche und begeisterte Gesichter geschaut, sagte Johner und fügte an: „Die Stimmung ist super.“

Christine Johner, Kulturamtsleiterin: „Es ist ein Riesenerfolg, ich habe nur glückliche, begeisterte Gesichter gesehen und die Stimmung ist super.“
Christine Johner, Kulturamtsleiterin: „Es ist ein Riesenerfolg, ich habe nur glückliche, begeisterte Gesichter gesehen und die Stimmung ist super.“ | Bild: Lorna Komm