Dem Thema „Wohnen in einer Altstadt mit Denkmalschutz“ widmete der Gemeinderat eine eigene Sitzung. Abschließend beauftragte das Gremium einstimmig die Verwaltung mit dem Entwurf eines Konzepts „zur Unterstützung der verschiedenen Zielgruppen zur Wahrung und Weiterentwicklung der Meersburger Altstadt“. Letzteres könnte etwa Beratungsangebote für Eigentümer denkmalgeschützter Häuser beinhalten.

Architektin Corinna Wagner eingeladen

Auf Wunsch des Gemeinderats hatte die Verwaltung die preisgekrönte Architektin Corinna Wagner für einen Vortrag und einen Austausch eingeladen. Sie soll nun laut Bürgermeister Robert Scherer auch in die Ausarbeitung des Konzepts eingebunden werden. Wagner verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Sanierung denkmalgeschützter Objekte, in Meersburg etwa bei der Alten Burg oder dem Anwesen „Burgkeller“.

Einzigartigkeit der Stadt betont

„Der Denkmalschutz ist meine große Leidenschaft“, sagte Wagner. Sie betonte die Einzigartigkeit Meersburg, das bereits 1954 als erste Gesamtanlage in Baden-Württemberg unter Denkmalschutz gestellt wurde. Doch mit denkmalgeschützten Häusern sei oft die Furcht verbunden, man bekomme die Kosten nicht in den Griff. Das führe auch in Meersburg zu Leerstand, der der Gesamtanlage natürlich nicht gut tue und den es zu vermeiden gelte.

Das könnte Sie auch interessieren

Möglichkeiten der Förderung

Wagner gab einen Überblick über die Fördermöglichkeiten, die alle verknüpfbar seien. Das Land übernehme bis zu 50 Prozent der denkmalbegründeten Mehrkosten. Im Schnitt machten die Zuschüsse zehn bis 15 Prozent der gesamten Bausumme aus. Aber, betonte Wagner: „Privatleute sparen am meisten durch die Steuer“, denn die Denkmalsanierung lässt sich absetzen. Auch Eigentümer, die in der Altstadt in nicht denkmalgeschützten Häusern leben, können für Maßnahmen an der Außenhülle Fördermittel und Steuererleichterungen erhalten, sagte Wagner auf Nachfrage von Monika Biemann (Umweltgruppe).

Eigentümer sollten flexibel sein

Ein kritischer Punkt sei der Dachausbau, den die Denkmalpflege meist ablehne. Doch da könne man oft Kompromisse finden, denkmalgerechter Dachausbau sei möglich, illustrierte Wagner anhand einiger Beispiele wie dem Klosterhof Sipplingen. Allerdings brauche man schon auch Eigentümer, „die ein bisschen Flexibilität mitbringen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Anreize der Stadt zur Sanierung sinnvoll

Was kann die Stadt tun, um Anreize für Denkmalsanierungen und mehr Wohnraum in der Altstadt zu schaffen? „Warum gibt‘s nicht den unabhängigen Denkmalberater?“, regte Wagner an. Weitere Vorschläge: ein Gestaltungsbeirat, eine Info-Broschüre, Themenführungen, etwa zum Dachausbau, Workshops und: Die Stadt könnte anhand gelungener Beispiele wie dem top-prämierten Barockhaus in der Lakaiensiedlung gezielt werben. Gerade in der Unterstadt sieht Wagner Potenzial für mehr Wohnraum sowie Nahversorgung.

Fünf Häuser stehen leer

Als ersten Schritt, nach dem Peter Schmidt (CDU) fragte, würde Wagner „bei Privatleuten anfangen und Beratung möglichst kostenlos machen“, mit zwei Stunden könne man schon viel erreichen. Vielleicht könne die Stadt Mitarbeiter in puncto Denkmalschutz weiterbilden. „Wir brauchen eine Anlaufstelle bei der Stadt und eine erste Begleitung“, so Schmidt. Allein zwischen dem Obertor und dem Burgkeller stünden fünf Häuser leer, hob er hervor. In der Altstadt lebten nur noch 20 Prozent Eigentümer, weshalb auch deren „Verwahrlosung“ zunehme. „Wenn wir wieder mehr Leute in der Altstadt haben, dann wird das Verantwortungsbewusstsein auch größer“, glaubt Schmidt, der selbst ein Haus von 1535 besitzt.

Ferienwohnungen denkbar

Markus Waibel (FW) meinte, entscheidend sei die spätere Nutzung, Ferienwohnungen dürften nicht überhand nehmen. Wagner stimmte zu, meinte aber, wenn jemand genug Wohnraum schaffe, dann könne – um die Finanzierung zu erleichtern – auch eine Ferienwohnung in Ordnung sein, weil man für diese die Energieeinsparverordnung nicht einhalten müsse.

Das könnte Sie auch interessieren

Brandschutz bei den meisten Häusern lösbar

Martin Brugger (CDU) sprach das Problem Brandschutz in historischen Bauten an. Wagner sagte, es gebe Kompensationsmaßnahmen wie den Einbau einer Sprinkleranlage. Die Situation sei bei jedem Objekt anders. Aber bei den meisten Häusern sei sie lösbar, notfalls auch mit Hilfe einer Feuerwehrübung.