Eigentlich hatte der Kulturverein Meersburg für dieses Jahr eine Veranstaltungsreihe im Augustinum Meersburg geplant. Doch die Reihe wurde aufgrund der Corona-Pandemie komplett abgesagt. Vereinsvorsitzender Michael E. Dörr berichtet: „Für externe Veranstaltungen wurde alles abgesagt, was ich persönlich für richtig und sinnvoll halte.“ Denn: Die Bewohner im Augustinum gehören zur Risikogruppe. Für sie finden 2020 nur eigene interne Veranstaltungen statt.

Reihe mit Augustinum erst 2021

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Die gemeinsame Reihe startet im Frühjahr 2021. Eröffnet wird sie am 4. März durch Bundespräsident a.D. Joachim Gauck. Laut Michael E. Dörr wäre der Besuch Gaucks für Mai diesen Jahres eingeplant gewesen. Für 2021 hat er sein Kommen nun auch wieder zugesagt. Auf dem Programm stehen Dörr zufolge weitere elf hochkarätige Gäste. Mehr will er jedoch noch nicht verraten.

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Ab Anfang Juli diesen Jahres setzt der Kulturverein jetzt alleine ein Veranstaltungsprogramm um. Alle Termine finden im Wein – und Kulturzentrum des Winzervereins Meersburg statt. Dieses befindet sich an der Kronenstraße 9 in Meersburg. Der Eintritt zu den Lesungen und Vorträgen ist kostenlos. Finanziert werden sie durch den Verein. Spenden sind willkommen.

Michael E. Dörr erklärt: „Wir sind froh über die Kooperation mit dem Winzerverein. Der Raum ist ideal.“ In Absprache mit dem örtlichen Ordnungsamt soll er der geltenden Corona-Verordnung entsprechend hergerichtet werden. „Einfach, dass da keine Fehler passieren“, sagt Dörr. Er geht davon aus, dass höchstens 50 Personen in den Raum im Obergeschoss dürfen, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können – unter anderem bei der Bestuhlung. Los geht es mit diesen drei Veranstaltungen:

  • Donnerstag, 2. Juli, 19.30 Uhr: Chris Inka Soppa stellt an diesem Abend ihr neues Buch „Der große Muntprat“ vor. Es handelt sich um eine Lesung mit Bildmaterial. Der Protagonist war Konstanzer Fernkaufmann, Mitbegründer der Ravensburger Handelsgesellschaft und bekannt als „Der große Muntprat“. „Heute würde man Lütfrid Muntprat, um 1383 geboren, wohl auch einen Weltbürger nennen. Seine Familie besaß italienische Wurzeln. Seine Lehrjahre verbrachte er in Barcelona – unter Menschen fremder Herkunft, fremden Glaubens, fremder Sprache. Und doch blieb sein Leben eng mit der südwestdeutschen Region verknüpft. Auch im Thurgau und im Rheintal hinterließ er Spuren“, teilt der Verein mit. Lütfrid Muntprat habe halb Europa bereits: von Brügge bis Genua, von Frankfurt bis Venedig, von Ravensburg bis Lyon und Barcelona. Den Handel mit Leinwand, Korallen und Safran habe er mit großem Erfolg betrieben – um 1430 sei er einer der wohlhabendsten Bürger Schwabens und der Schweiz gewesen. Doch die Romanbiografie dreht sich nicht nur um Lütfrid Muntprats Reisen: „Auch von Freunden, Vertrauten und Feinden Lütfrids ist die Rede, von seiner großen Familie und den selbstbewussten Frauen in seinem Leben, von den Appenzellerkriegen genauso wie von den Konstanzer Zunftunruhen, von der Fremde und vom Immer-wieder-Zurückkehren in die Heimat.“
  • Donnerstag, 9. Juli, 19.30 Uhr: Walter Hutter hält am 9. Juli ein Referat mit Bildern zu seinem neuen Buch „Stützpfeiler der Gewaltherrschaft in der Provinz – Die acht NS-Kreisleiter von Überlingen 1930 – 1945“. In der Ankündigung zur Veranstaltung heißt es: „Als territoriale Statthalter Hitlers waren die NS-Kreisleiter auf der mittleren Führungsebene zwischen Gauleitern und Ortsgruppenleitern mit weitreichenden Eingriffsrechten ausgestattet, sodass sie über die Möglichkeit verfügten, ein totalitäres Regime auf Bezirksebene zu entfalten.“ Ob und wie sie davon im Altkreis Überlingen Gebrauch machten, ist Gegenstand des Buches. Anhand von acht Kreisleiter-Biografien zeigt Walter Hutter, wie NS-Kreisleitung, NS-Ortsgruppen und städtische Verwaltung in den Jahren 1930 bis 1945 zusammenwirkten. „Neben den Herrschaftspraktiken der Kreisleiter rücken auch ihre Sozialisierung und Radikalisierung sowie ihre Tätigkeiten nach dem Zusammenbruch des Regimes in den Fokus. Insgesamt zeichnet sich das Bild vom unnachgiebigen ‚kleinen Diktator‘ ab, das nur selten Risse bekommt, beispielsweise wenn ein Kreisleiter potenzielle Opfer vor der NS-Gewalt schützte“, erläutert der Verein in seinem Programm.
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  • Mittwoch, 15. Juli, 19.30 Uhr: An diesem Termin gibt es anlässlich des 75. Jahrestages seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten in den letzten Kriegstagen einen Georg-Elsner-Abend inklusive Filmvorführung. „Der Hitler-Attentäter, der auch in Meersburg lebte und arbeitete, ist eine spannende historische Persönlichkeit“, schreibt der Meersburger Kulturverein. Elsner führte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bomben-Attentat auf Adolf Hitler und beinahe die komplette NS-Führungsspitze aus. Er scheiterte, weil Hitler und sein Gefolge den Raum früher verließen als gedacht. Michael E. Dörr wird eine Einführung in den Film über Elser geben und einige Bücher über und zu dem Schreiner vorstellen.

Hiermit findet die Reihe aber noch nicht ihr Ende. „Da kommt noch mehr“, kündigt der Vorsitzende an. Laut Dörr sind unter anderem diese Themen vorgesehen: Eine größere Veranstaltung mit mehreren Personen zum Kriegsende und der Konstanzer Historiker Arnulf Moser hält einen Vortrag über Kinder, die von Angehörigen des französischen Militärs gezeugt wurden. In der Region waren beispielsweise Afrikaner und Vietnamesen stationiert. „Da sind unangenehme aber auch schöne Schicksale“, sagt Dörr. Moser habe den Vortrag bereits bei der deutsch-französischen Vereinigung in Konstanz gehalten. Der Kulturverein plant zudem eine Veröffentlichung über Harriet Straub, deutsche Schriftstellerin und Frau von Fritz Mauthner. Sie lebten zusammen im Glaserhäusle in Meersburg. Straub starb 1945. Sie sei eine spannende Frau und literarische Persönlichkeit gewesen, sagt Michael E. Dörr. Zu der Veröffentlichung wird ein Vortrag geboten.