Die Jugendbeteiligung ist für Gemeinden durch die Novellierung der Gemeindeordnung zur Pflicht geworden. Die Art und Weise der Beteiligung bleibt dabei aber den Gemeinden überlassen. Matthias Strobel, Leiter der Abteilung Familie, Bildung, Soziales unterrichte den Gemeinderat über den aktuellen Sachstand und stellte Ideen zum weiteren Vorgehen vor. Für die Schüler des Droste-Hülshoff-Gymnasiums habe bereits ein Rathaustag stattgefunden, an dem die Jugendlichen über die Arbeit in der Verwaltung informiert wurden, für die Schüler der Sommertalschule stehe der Termin für die Besichtigung fest.

Fragebogenaktion hat sehr verhaltenen Rücklauf

Weiterhin sei an die Jugendlichen in der Stadt ein Fragebogen verteilt worden, in dem sie ihre Wünsche abgeben konnten und eintragen konnten, in welchen Bereichen sie sich kommunalpolitisch gerne einbringen würden. Schulsozialarbeiterin Andrea Lebek berichtete dazu allerdings von einem sehr verhaltenen Rücklauf. Nur 32 Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgegeben.

Um niederschwellig mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und sie für die Kommunalpolitik zu sensibilisieren, schlug Matthias Strobel die Gründung einer Gruppe zum regelmäßigen Austausch, Aktionstage mit sportlichem Hintergrund, wie einen Sportparcours, oder ein Jugendforum mit Workshop unter externer Begleitung vor. Da es zurzeit wenig bis keine Angebote für die Jugendlichen gebe, sprach er sich auch für die Wiederbelebung früherer Aktionen wie das Kinomobil, U16-Motto-Partys oder die Errichtung eines Jugendtreffs, möglicherweise in einem Bauwagen, aus.

Andrea Lebek fügte an, dass es hilfreich wäre, wenn die Mitglieder des Gemeinderats bei den Aktionen präsent wären, damit die Jugendlichen diese in persona kennenlernen könnten. „Als Bürgermeister Scherer ins U18-Wahllokal kam, sind die Jugendlichen aufgeblüht und haben ihn teils mit recht persönlichen Fragen gelöchert“, erzählte die Schulsozialarbeiterin von der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. „Ich habe dabei festgestellt, wir brauchen den persönlichen Kontakt“, sagte sie.

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Ratsmitglieder verweisen auf Kontakt über Vereine

Die Ratsmitglieder sprachen sich für eine Jugendbeteiligung aus, hatten aber unterschiedliche Meinungen zur Realisierung. Peter Köstlinger (CDU) meinte, die vorgebrachten Ideen seien zwar gut, würden aber viel Geld kosten. „Das sind Eintagsfliegen“, sagte er und verwies auf die bestehenden Vereine, wo Kontakte mit den Jugendlichen geknüpft werden könnten, ohne 15.000 Euro für Workshops auszugeben. „Das Geld kann man in etwas Praktisches wie einen Bauwagen rein tun“, ergänzte er. Lebek entgegnete, dass die Veranstalter vom Sportparcours ganz anders qualifiziert und pädagogisch reflektiert seien. Das Angebot könne nicht mit dem von einem Verein verglichen werden, sagte die Schulsozialarbeiterin.

Peter Köstlinger, CDU: „Das Geld kann man in etwas Praktisches wie einen Bauwagen rein tun.“
Peter Köstlinger, CDU: „Das Geld kann man in etwas Praktisches wie einen Bauwagen rein tun.“ | Bild: Archiv

Auch Philipp Wurster (FWV) verwies auf die Vereine, wie den TuS und den Narrenverein. Zudem wollte er wissen, ob man von den Erfahrungen aus Nachbargemeinden profitieren könne. Anna-Lena Murzin (Bündnis 90/Die Grünen) gönnte den Jugendlichen Aktionstage mit viel Spaß, erklärte aber: „Es ist überbewertet, dass wir so Jugendliche politisch generieren können.“ Christine Ludwig (Bündnis 90/Die Grünen) fragte ebenfalls, wie die Weiterführung aus einem Jugendforum zu einer wirklich interessierten Gruppe führen solle. Sozialarbeiterin Lebek antwortete, dass dies ihre Funktion sei und sie bis Ende des Jahres gerne eine Gruppe von zehn bis zwölf Jugendlichen zusammenstellen wolle.

Anna-Lena Murzin (Bündnis 90/Die Grünen): „Es ist überbewertet, dass wir so Jugendliche politisch generieren können.“
Anna-Lena Murzin (Bündnis 90/Die Grünen): „Es ist überbewertet, dass wir so Jugendliche politisch generieren können.“ | Bild: Uwe Petersen

Vor dem einstigen Jugendtreff auch „schlechte Szenen“

Boris Mattes (SPD) sagte, man stehe noch am Anfang und müsse als wichtigsten Baustein den Jugendlichen erst mal die Angst vor aktiver Teilhabe nehmen. Es müsse probiert werden, was funktioniere, um später was Bleibendes zu schaffen. Die im Haushalt eingeplanten 20.000 Euro seien „eine Anschub-Finanzierung“, später könnten Mittel dauerhaft eingestellt werden. Markus Waibel (FWV) nutzte die Erfahrung seiner jetzt erwachsenen Kinder. „Die meiste Jugendarbeit läuft in den Vereinen.“ Als Anrainer des einstigen Jugendtreffs im Gebäude der ehemaligen Post berichtete er auch von „schlechten Szenen vor der Haustür“ und bat weiterhin darum, das eingeplante Geld nicht in „aufgeblasene Agenturen“ zu stecken. Bürgermeister Robert Scherer dankte für die Anregungen, einige Punkte müssten noch überdacht werden. „Der Weg ist nicht falsch“, betonte er. Das Budget sei da, nun müsse gestartet werden.

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