Nachdem im Juli 2019 die Bohrungen von einer Bohrinsel auf dem Bodensee abgeschlossen wurden, liegen nun die ersten Ergebnisse vor. Durch die Bohrungen vor Stetten wollten die beteiligten Wissenschaftler Kenntnisse über Klima und Umwelt des Bodensees während der letzten Eiszeit erlangen.

Der Öffentlichkeit präsentiert werden können die nun vorliegenden Ergebnisse allerdings noch nicht. Denn: Sie müssen erst durch weitere Untersuchungen überprüft werden, sagt Ulli Raschke von der Universität in Braunschweig, der das Projekt im vergangenen Jahr begleitete.

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Das Forscherteam hatte gehofft, bei den Bohrungen bis in eine Tiefe von 100 Metern in das Sediment am Grund des Bodensees vordringen zu können, um Kenntnisse über die letzte Eiszeit zu erhalten, beispielsweise durch chemische Signaturen oder Kleinstkrebse. Dadurch hoffen sie, herauszufinden, wie schnell sich der Rheingletscher zurückzog und der See entstehen konnte.

24 Meter tief ins Sediment

Verwendet wurde ein neu entwickeltes Bohrungssystem der Firma Uwitec aus Mondsee in Österreich. Doch der sandige Boden und die widrigen Wetterbedingungen machten den Forschern Probleme, so dass sie lediglich bis in eine Tiefe von 24 Metern in das Sediment gelangen konnten. Im Juni 2019 mussten die Bohrungen daher auch abgebrochen werden. Im Juli wurden diese noch einmal für zwei Wochen mit verbesserter Technik fortgesetzt.

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Als Misserfolg sah das das Forschungsteam damals dennoch nicht. Denn vorherige Proben am Grund des Bodensee hätten nur bis in eine Tiefe von neun Metern zurückgereicht, so ist es einem vorläufigen Bohrungsbericht zu entnehmen, den Raschke ausarbeitete. Dies entspreche einer Reise in die Zeit 16 000 Jahre vor heute. Zwei Sedimentkerne mit einer Länge von 24 und 20 Metern habe das Team bei den Bohrungen im vergangenen Jahr aus dem Grund des Sees holen können.

Team wertet Proben noch aus

Um zu verhindern, dass darin enthaltene Gase entweichen können oder die Zersetzung einsetzt, wurden die Proben noch an Bord der Plattform gekühlt und daraufhin zur Universität Konstanz gebracht. Dort wurden sie umgehend untersucht. Einige Wochen später ging es für die Kerne an die Universität in Bern, wo sie aufgeschnitten und dokumentiert wurden. Insgesamt 600 Proben habe man den Kernen entnommen. Noch arbeite ein internationales Forscherteam an der Auswertung dieser Proben.

„Die Auswertung soll Aufschluss geben über die Entstehungsgeschichte des Bodensees, die Entwicklung von Klima und des aquatischen Ökosystems im See sowie der Sedimentationsraten“, heißt es in dem Bericht. Welche Kenntnisse genau aus den beiden Sedimentkernen gewonnen werden konnten, soll der Öffentlichkeit im Herbst präsentiert werden.

Bis 24 Meter tief gelangte das Bohrsystem ins Sediment des Bodensees.
Bis 24 Meter tief gelangte das Bohrsystem ins Sediment des Bodensees. | Bild: Gundelsweiler Jürgen