Am Tag der Biene am 20. Mai wurde der Gewinn des „European Bee Awards“ im kleinen Kreis der Vertreter des „Pro Planet Apfelprojekts“ mit gebührendem Corona-Abstand am Lehrbienenstand in Baitenhausen gefeiert. Das Apfelprojekt ist einer von drei Preisträgern der Auszeichnung, die für besonders innovative und vorbildliche Projekte zum Schutz von Bienen, anderen Insekten und der Biodiversität verliehen wird.

Preisübergabe zwischen Bienenstöcken

Patrick Trötschler, stellvertretender Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung, hatte den Preis in Brüssel stellvertretend für die Projektpartner, die Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, Rewe Group, den Kreisimkerverein Tettnang-Friedrichshafen und die Bodensee-Stiftung, entgegengenommen.

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Im passenden Rahmen der Veranstaltung zwischen den Bienenstöcken dankte er nun den Obstbauern und den teilnehmenden Betrieben. Das Preisgeld in Höhe von 4000 Euro wurde symbolisch an Michael Rupp vom Zentrum für Psychiatrie (ZfP) übergeben, in dessen Holzwerkstätten hunderte von Bienenhäusern und andere Nisthilfen entstanden sind.

Michael Rupp, Teamleiter der Werkstätten der ZfP Südwürttemberg/Weissenau, mit einem der in der Einrichtung angefertigten Bienenhäuser.
Michael Rupp, Teamleiter der Werkstätten der ZfP Südwürttemberg/Weissenau, mit einem der in der Einrichtung angefertigten Bienenhäuser. | Bild: Lorna Komm

„Es ist eine Erfolgsgeschichte“, beschrieb Trötschler den Verlauf des 2010 am Bodensee gestarteten Projekts, das die europäische Jury durch die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Handel und Naturschutz beeindruckt habe. „Mit zehn Betrieben war es damals ein kleiner Anfang, mittlerweile nehmen jedes Jahr rund 120 Betriebe freiwillig teil“, erklärte der Diplom-Agraringenieur. Neben vielen weiteren Handlungen gehörten das Anlegen von Blühstreifen, Gehölzpflanzungen und das Aufstellen von Nisthilfen, wie den Bienenhäusern, zu den Naturschutzmaßnahmen an den Obstwiesen.

Bodensee zeigt sich als „Pilotregion“

In der „Pilotregion“ Bodensee werde damit demonstriert, dass die Förderung des Wildbienenbestandes verträglich zusammen mit dem Ausbau von Tafelobst erfolgen könne. „2017 haben wir beim Monitoring 117 Wildbienenarten gefunden, darunter 25 gefährdete Arten“, so Trötschler.

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Doch die erbrachten Leistungen sollten sich für die Betriebe auch lohnen. „Ein Mehrpreis für Bienen-freundliche Äpfel sollte im Handel möglich sein“, sagte Trötschler und versprach: „Das zu schaffen, soll mein Projekt für die Zukunft sein. Die Betriebe haben das verdient.“

Bienenhotel als Haus für Generationen

Obstbauberaterin Katja Röser betonte den Stellenwert der Nisthilfen anhand des allgemein verwendeten Begriffs Bienenhotel. „Es muss Bienenhaus heißen, denn in ein Hotel ziehe ich nur für drei Wochen, die Häuser sind für Generationen“, erläuterte Röser die langfristige Nutzung durch die Insekten zur Eiablage und Larvenentwicklung. Über 1200 Wildbienenhäuser seien in der Region mittlerweile in den Obstbauplantagen zu finden.

Obstbauberaterin Katja Röser erläutert die Bedeutung des Saatguts. Im Hintergrund Andreas Ganal, Geschäftsführer der Obstregion Bodensee
Obstbauberaterin Katja Röser erläutert die Bedeutung des Saatguts. Im Hintergrund Andreas Ganal, Geschäftsführer der Obstregion Bodensee | Bild: Lorna Komm:

„Die stabil auf zwei Pfählen im Boden stehenden Häuser sind aus einheimischen Hölzern nachhaltig gebaut“, erklärte Röser und verdeutlichte zudem den notwendigen Einsatz des richtigen Saatguts als Nahrung für die Wildbienen. Auch die Imker bezögen regionales Saatgut, meinte der örtliche Gastgeber Helmut Knäple, Geschäftsführer der Imkergemeinschaft Baitenhausen.

Helmut Knäple, Geschäftsführer der Imkergemeinschaft Baitenhausen, zeigt im Lehrbienenstand das Innenleben eines Bienenstocks, der zu Schauzwecken geöffnet werden kann und mit einer Glasscheibe versehen wurde.
Helmut Knäple, Geschäftsführer der Imkergemeinschaft Baitenhausen, zeigt im Lehrbienenstand das Innenleben eines Bienenstocks, der zu Schauzwecken geöffnet werden kann und mit einer Glasscheibe versehen wurde. | Bild: Lorna Komm

So hätten sie im Lehrbienenstand auch einen Bienenpfad mit Pflanzbeispielen für Gärtner. „Wobei es bei den Honigbienen kaum Verluste gibt“, so Knäple. „Die Wildbienen dagegen leiden, da sie bisher keine Lobby hatten.“

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