„Der große Muntprat“ hätte auch eine große Bühne verdient. Doch Chris Inken Soppas ebenso gut geschriebener wie recherchierter Roman über den Konstanzer Kaufmann und Weltbürger Lütfried Muntprat (um 1383 bis 1447) erschien im März just zu Beginn der Corona-Krise. Die geplante Buchvorstellung in Konstanz fiel daher ebenso aus wie etliche geplante Lesungen.

Nun richtete der Kulturverein Meersburg mit Michael Dörr an der Spitze eine Buchpremiere in „Übersee“ aus. Die Veranstaltung im Wein- und Kulturzentrum des Winzervereins war ausgebucht, allerdings dürfen in Pandemie-Zeiten nicht mehr als rund 30 Leute in den Saal.

Pest, Kriege, „Ketzer“-Verbrennungen und Entführung durch Piraten

Muntprat, der Pest, Kriege, „Ketzer“-Verbrennungen, Standeskämpfe und seine Entführung durch korsische Piraten erlebte, hätte über heutige Probleme wahrscheinlich müde gelächelt. Aber jede Epoche hat ihre eigenen Herausforderungen. Soppa schildert die Zeit Muntprats in ihrer über 500 Seiten starken historischen Romanbiografie auf anschauliche Weise, in einer Sprache, die heutige Leser verstehen, ohne dass sich die Autorin mit einem zu modernen Ton anbiedert. Auch Soppa zuzuhören ist ein Genuss, da die ehemalige Radiomoderatorin über eine ausgebildete Stimme verfügt.

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Schriftsteller-Kollegin Monika Taubitz würdigt Roman als Leseerlebnis

Nachdem Anne Wachter vom Kulturverein die Autorin vorgestellt und die Meersburger Ehrenbürgerin Monika Taubitz das Buch ihrer Schriftsteller-Kollegin als Leseerlebnis gewürdigt hatte, trug Soppa Auszüge daraus vor und gab Einblicke in Muntprats Welt. Ihr Mann Ralf Staiger begleitete sie mit Bildern, die etwa Muntprats ehemaliges Wohnhaus in der heutigen Hussenstraße 19 zeigten oder Dokumente wie einen Brief von 1428, den einzigen erhaltenen in Muntprats Handschrift.

Vermögen überstieg das der Fugger

Lütfried Muntprat hatte lombardische Vorfahren, war Mitinhaber der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, handelte mit Leinwand, Korallen und Safran und reiste durch halb Europa, so nach Brügge, Genua, Venedig, Lyon und Barcelona. Er war nicht nur der größte Steuerzahler in Konstanz, wie Soppa anhand eines Auszugs aus einem zeitgenössischen Steuerbuch erläuterte. Als er starb, überstieg sein Vermögen sogar das der Fugger zu jener Zeit.

Muntprat erlebt hautnah das Konstanzer Konzil mit

Muntprats Vita fiel in eine Ära großer Umwälzungen. So erlebte er hautnah das Konstanzer Konzil mit, bei dem es letztmals gelang, die Christenheit zu einen. Soppa beschreibt, wie Muntprat mit anderen Konstanzer Bürgern an Heiligabend 1414 auf Kaiser Sigismund wartete und dann in dessen Gefolge drei Papstmessen im eiskalten Münster über sich ergehen lassen musste. Doch nicht nur die religiöse Welt war damals im Wandel begriffen, sondern auch die Gesellschaft: Das Rittertum stieg ab, der Einfluss der Bürger und Kaufleute nahm immer mehr zu, was große Spannungen erzeugt.

Chris Inken Soppas Zuhörerschaft war sichtlich fasziniert von Muntprats Geschichte, die weit über Lokalhistorisches hinausgeht. Michael Dörr meinte: „Die Muntpratstraße in Konstanz ist wohlbekannt, aber was dahinter steckt, nicht.“ Das habe sich dank Soppas Buch geändert.