Beginnen nun bald die Sanierungsarbeiten am oberirdisch wie unterirdisch maroden Lehrenweg – oder vertagt der Gemeinderat heute Abend den Beschluss erneut? Die Sitzungsvorlage, welche das Gremium auf dem Tisch hat, gibt einen klaren Weg vor: Die Verwaltung hofft darauf, dass die Räte nach der Vorstellung des Entwurfs und der Kostenschätzung den verbindlichen Baubeschluss fassen. Die jetzige Planung sieht laut Vorlage eine partielle Einbahnregelung vor, weil Teile der anliegenden Grundstückseigentümer nicht zum Verkauf der nötigen Flächen bereit waren. Trotz intensiver Bemühungen der Stadt, die in der Vorlage auch ausführlich dargestellt sind: „In den vergangenen elf Monaten wurde durch zahlreiche Telefonate, vier Anschreiben je Grundstück und Besitzer, zwei Bürgerinformationsveranstaltungen und Ortsbegehungen mit den Anliegern intensiv über den notwendigen Grunderwerb angefragt und die Notwendigkeit eines Ausbaus erläutert.“ Offensichtlich mit geringem Erfolg.

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Einbahnregelung zwischen Dornerweg und Simon-Weinzürn-Straße

Nach Aussage der Verwaltung in den Bürgerinformationen, die Präsentation haben die Räte auch als Teil der Vorlage für heute Abend erhalten, gibt es für den ersten Bauabschnitt des Lehrenwegs zwischen von-Laßbergstraße und dem Dornerweg zwei Möglichkeiten. Entweder einen zweispurigen Ausbau mit Engstellen oder eine Einbahnstraßenlösung. Zwischen Dornerweg und Simon-Weinzürn-Straße indes kommt nur eine Einbahnregelung in Frage die der fehlenden Bereitschaft der Grundeigentümer geschuldet ist, Flächen abzugeben.

Einbahnstraßengegner melden sich zu Wort

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Teil der Lehrenweg-Anwohner massiv Front gemacht gegen eine Einbahnstraße und bei der Ratssitzung Ende September 2019 waren die Zuschauerränge gut gefüllt. Wie viel Gäste heute Abend angesichts Corona kommen, wird sich zeigen – die Sorge, dass heute Abend die weitgehende Einbahnstraßenlösung zementiert wird, ist groß: Namens der Einbahnstraßengegner meldeten sich Heiko Herp und Georg Nold beim SÜDKURIER, um ihre Sicht zu schildern.

Zwischen Dornerweg und Simon-Weinzürn-Straße wollte die Mehrheit der Grundstückseigentümer keine Flächen für den Straßenbau abgeben, deshalb kommt für die Stadt dort nur eine Einbahnregelung in Frage. Im Bereich zwischen von-Lanßbergstraße und Dornerweg wäre ein zweispuriger Ausbau mit einer Engstelle möglich.
Zwischen Dornerweg und Simon-Weinzürn-Straße wollte die Mehrheit der Grundstückseigentümer keine Flächen für den Straßenbau abgeben, deshalb kommt für die Stadt dort nur eine Einbahnregelung in Frage. Im Bereich zwischen von-Lanßbergstraße und Dornerweg wäre ein zweispuriger Ausbau mit einer Engstelle möglich. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Anwohner: „Dasselbe Konzept wie vor einem Jahr“

Nachdem die Entscheidung vergangenes Jahr nach dem Willen der Gemeinderäte vertagt worden war, mit dem Auftrag, die Anwohnerwünsche zu berücksichtigen, habe es zwar die Bürgerinformationsveranstaltungen gegeben, meint Herb, allerdings sei dasselbe Konzept vorgestellt worden wie vor einem Jahr. „Damit sind wir, eine Gruppe von Anwohnern des Wohngebietes, verständlicherweise nicht zufrieden“, schreibt Herp in seiner Mail.

Sprecher Heiko Herp mit eigenen Vorschlägen

Die beiden Anwohnersprecher referieren aus ihrer Sicht den Vorschlag der Verwaltung: „Eine Einbahnstraße im oberen Lehrenweg von der Mesmerstraße bis zum Dornerweg.“ Sie räumen ein, dass es hier seit vielen Jahren Probleme gebe mit der Trinkwasserversorgung, den maroden Abwasserkanälen und der unzureichenden Löschwasserversorgung. „Die Stadt will nun die maroden Leitungen erneuern. Die sich daraus ergebenden Kosten (außerhalb der kommunalen Pflichtaufgaben) sollen auf die Anleger umgelegt werden. Dies setzt allerdings rechtlich einen Straßenneubau zwingend voraus.“ Bei einem Straßenneubau verlange die Verkehrsbehörde für die Beibehaltung der Zweibahnigkeit eine Breite von 4,5 Meter. Hierzu reichten an einigen Stellen die vorhandenen Flächen nicht aus. „Leider geben wenige Eigentümer die entsprechenden, teils geringfügigen Flächen nicht ab, um eine Fahrbahnbreite von 4,5 Metern zu erstellen. Daher sieht die Verwaltung als einzigen Ausweg, die Straße auf 3,5 Meter auszubauen und dafür eine Einbahnregelung einzuführen.“ Das aber brächte laut Herp „gravierende Nachteile mit sich“. Die wichtigsten sind aus seiner Sicht: Teils gravierende Umwege über die Bundesstraße für die direkten Anwohner sowie für Nutzer des Lehrenweges. Außerdem komme es zu zusätzliche Umwelt- und Verkehrsbelastung in den angrenzenden Wohngebieten. Und es seien Verkehrsstaus im Lehrenweg durch anliefernde Lastwagen zu erwarten.

Zweispuriger Ausbau mit Engstellen aich im zweiten Bauabschnitt

Die Anwohner um Herp und Nold schlagen nun vor, statt einer Einbahnstraße zwischen Dornerweg und Mesmerstraße, den Lehrenweg auch hier auf 4,5 Meter anzubauen – an allen Stellen, wo genügend Fläche zur Verfügung steht. „Im Bereich der Grundstückseigentümer, welche nicht bereit sind, entsprechende Flächen abzugeben, wird die Fahrbahn auf 3,5 Meter eingeengt. Hierbei entstehen zwei Engstellen von jeweils etwa 50 Meter Länge.“ So meinen die Anwohner, dass, wenn Eigentümer es sich in den nächsten Jahren anders überlegen, es möglich wäre, die Straße Stück für Stück auf 4,5 Meter zu verbreitern. „Wenn die Stadt aber die Straße gleich auf 3,5 Meter baut, wird diese Möglichkeit auf immer vertan.“

Schließlich führt Herb noch „eine weitere Alternative“ an, die darin bestehe, dass die Stadt nur die Wasser- und Abwasserleitung erneuere und die Straße nicht herrichte.