Eine Finanzierungslücke von rund 460 000 Euro klafft im Vermögenshaushalt des Alten- und Pflegeheims Dr.-Zimmermann-Stift, dessen Betrieb die Hauptaufgabe des 1272 gegründeten Spitalfonds Meersburg ist. Das Minus ist laut Spitalleiter Matthias Engler der defizitären Lage der letzten zwölf Jahre geschuldet.

Deshalb beschloss der Gemeinderat, der den Haushaltsplan des Spitalfonds und den Wirtschaftsplan des Stifts für 2021 einstimmig verabschiedete, auch, das Stammkapital des Eigenbetriebs Stift von bisher 100 000 Euro auf 560 000 Euro zu erhöhen. Das Geld fließt aus den liquiden Mitteln des Spitalfonds, der dem Altenheim außerdem 120 000 Euro jährlich zuschießt.

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Für 2020 hatte man diesen Zuschuss wegen zusätzlicher, durch Corona verursachter, Ausgaben sogar auf 250 000 Euro erhöht. Zusätzlich musste das Heim dann noch ein Darlehen in gleicher Höhe aufnehmen. 2019 hatte das Heim rund 378 000 Euro Verlust gemacht.

Pflegekasse refinanziert Mehrausgaben

2021 sieht dessen Finanzlage rosiger aus: Man könne beim Ergebnishaushalt mit einer „schwarzen Null“ rechnen, verkündete Engler im Rat. Die pandemiebedingten Mehrausgaben würden durch die Pflegekasse refinanziert, sagte der Spitalleiter auf SÜDKURIER-Nachfrage.

Das Altenheim in Corona-Zeiten

„Risiko für das laufende Jahr und die Folgejahre bleibt der Faktor Personalosten“, unterstrich Engler in seinem Vorbericht zum Wirtschaftsplan des Altenheims. Dieser sieht Aufwendungen von rund 3,66 Millionen Euro vor. Davon entfallen 2,7 Millionen Euro für Personal, das entspricht 74 Prozent der Gesamtausgaben.

Spitalverwalter Matthias Engler: „Risiko für das laufende Jahr und die Folgejahre bleibt der Faktor Personalosten.“
Spitalverwalter Matthias Engler: „Risiko für das laufende Jahr und die Folgejahre bleibt der Faktor Personalosten.“ | Bild: Sylvia Floetemeyer

Was den Spitalfonds angeht, wird im Ergebnishaushalt 2021 ein Plus von 129 200 Euro erwartet, im Finanzhaushalt ein Minus von rund 305 000 Euro. Nach den Geldspritzen für das Altenheim bleiben noch 725 000 Euro an liquiden Mittel, wie Andreas Heier, Kämmerer des Spitalfonds, erklärte. 2020 betrug die Liquidität rund 1 Million Euro, 2023 soll sie sich wieder auf 1,12 Millionen Euro belaufen. Die gesetzlich geforderte Mindestliquidität liege bei 11 400 Euro, so Heier.

Heier: „Liquidität des Spitalfonds ist gewährleistet“

Sein Fazit: „Die Liquidität des Spitalfonds ist damit gewährleistet.“ Und: „Wir werden auf jeden Fall die laufenden Ausgaben durch Einnahmen decken können.“ Einnahmequellen des Spitalfonds sind unter anderem Mieten, Pachten und Holzverkauf. Magdalena Malin von der Umbo-Fraktion, die traditionell zu jedem Haushaltsplan Stellung nimmt, hob hervor, dass die Gesamtschulden des Spitals inklusive Altenheim Ende 2021 rund 5 Millionen Euro betrügen.

Aber: Tilgung von Kredit dauert noch Jahrzehnte

Beim gegenwärtigen Tilgungstempo „sind wir noch rund 41 Jahre mit diesem Kredit beschäftigt.“ Wenn man dann noch einen möglichen Kredit für eine anvisierte Erweiterung des Altenheims hinzurechne, „steigen die Schulden so enorm an, dass das aus kaufmännischer Sicht ein Himmelfahrtskommando ist“, mahnte Malin. Doch: „Uns ist natürlich auch bewusst, dass in Bezug auf die benötigten Pflegeplätze der Bedarf absolut notwendig ist.“

Dem ausdrücklichen Dank Malins an den Spitalverwalter und sein Team schlossen sich auch Sitzungsleiter Peter Schmidt (CDU) und weitere Räte an. „Das Stift wird nie vergessen sein“, versicherte Schmidt, der Bürgermeister Robert Scherer vertrat.

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