In der kälteren Jahreszeit – gerade zu den Gedenktagen – rücken die Friedhöfe ins Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung. Ein besonderer Friedhof ist der alte Friedhof in Meersburg, an der Ecke Kronenstraße/Mesmerstraße.

Der Friedhof wurde 1682 dort angelegt, was von der Stadtverwaltung als ungewöhnlich früher Zeitpunkt beschrieben wird, „da die Friedhöfe normalerweise erst im 18. Jahrhundert, im Zuge der Aufklärung, von der direkten Nachbarschaft der innerstädtischen Kirchen weg, vor die Stadttore verlegt wurden. Auch in Meersburg befand sich der Friedhof ursprünglich neben der Pfarrkirche“.

Alte Grabsteine stehen an einer langen Wand. Die Inschriften sind zu einem guten Teil noch lesbar. Es handelt sich beispielsweise um die Grabsteine ehemaliger Stadtpfarrer.
Alte Grabsteine stehen an einer langen Wand. Die Inschriften sind zu einem guten Teil noch lesbar. Es handelt sich beispielsweise um die Grabsteine ehemaliger Stadtpfarrer. | Bild: Santini, Jenna
Überall auf dem Meersburger Friedhof können Besucher Details entdecken. So wie dieses Überbleibsel eines Grabsteins an einer der alten Friedhofsmauern.
Überall auf dem Meersburger Friedhof können Besucher Details entdecken. So wie dieses Überbleibsel eines Grabsteins an einer der alten Friedhofsmauern. | Bild: Santini, Jenna

Meersburger akzeptieren Friedhof erst im 18. Jahrhundert

Es habe denn auch bis zur Mitte des 18. Jahrhundert gedauert, „bis die Meersburger Bürger den neuen Gottesacker akzeptiert hatten“. Dabei habe die Kirche geholfen, indem für ein Begräbnis auf dem alten Friedhof, dieser wurde 1288 erstmals schriftlich erwähnt, eine Gebühr von 10 Gulden erhoben worden sei, auf dem neuen dagegen keine, heißt es weiter.

Die Kapelle Mariä Himmelfahrt befand sich ursprünglich vor den Stadttoren. Erstmals erwähnt wurde die Friedhofskapelle im Jahr 1511 und 1900/02 zuletzt restauriert.
Die Kapelle Mariä Himmelfahrt befand sich ursprünglich vor den Stadttoren. Erstmals erwähnt wurde die Friedhofskapelle im Jahr 1511 und 1900/02 zuletzt restauriert. | Bild: Santini, Jenna

Der damals neue Friedhof wird heute als alter Friedhof bezeichnet und steht unter Denkmalschutz. Erweitert wurde die Anlage erstmals 1850, dann 1891 und schließlich 1976. „So wie sich der Friedhof heute, in Teilen wenigstens, darstellt: in seiner Park ähnlichen Anlage, in der Auswahl der Bäume und Sträucher, geht dies auf Pläne von Franz Sales Meyer zurück, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts realisiert wurden“, erklärt die Stadtverwaltung.

Die Gräber auf dem Friedhof sind mit ihren Statuen wahre Schmuckstücke.
Die Gräber auf dem Friedhof sind mit ihren Statuen wahre Schmuckstücke. | Bild: Santini, Jenna

Annette von Droste-Hülshoff findet letzte Ruhestätte

Besonders ist der Friedhof aber auch wegen der Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden. Hier beerdigt sind unter anderem der Arzt Franz Anton Mesmer (1815 gestorben), Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1848), Altertumsforscher und Burgbesitzer Joseph Freiherr von Laßberg (1855), Sprachphilosoph Fritz Mauthner (1923) sowie Schriftstellerin Harriet Straub (1945).

Auf dem alten Friedhof gibt es einige Ehrengräber – unter anderem das der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Rund herum sind auch einige ihrer Familienmitglieder beigesetzt.
Auf dem alten Friedhof gibt es einige Ehrengräber – unter anderem das der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Rund herum sind auch einige ihrer Familienmitglieder beigesetzt. | Bild: Santini, Jenna

„Die Ehrengräber werden von der Stadt gepflegt“, sagt Peter Schmidt, der seit 2012 Sonderführungen auf dem alten Friedhof anbietet. Doch auch andere Gräber im alten Teil sind erhaltungswürdig und werden teils von Grabpaten betreut. Die Grabpatenschaften kommen zum Tragen, wenn die Ruhezeiten abgelaufen sind und es keine Angehörigen mehr gibt, die sich um die Gräber kümmern könnten. Schmidt spricht von 50 bis 60 erhaltungswürdigen Gräbern.

Der Grabstein von Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer hat eine dreieckige Form. Mesmer starb 1815 in Meersburg. Mesmer war als „Wunderheiler“ ein Superstar des 18. Jahrhunderts. Sein 1830 errichtetes Grabmal stiftete die Gesellschaft der Naturforscher in Berlin. Es enthält zahlreiche Symbole, die auf Mesmers Wirken verweisen.
Der Grabstein von Arzt und Magnetiseur Franz Anton Mesmer hat eine dreieckige Form. Mesmer starb 1815 in Meersburg. Mesmer war als „Wunderheiler“ ein Superstar des 18. Jahrhunderts. Sein 1830 errichtetes Grabmal stiftete die Gesellschaft der Naturforscher in Berlin. Es enthält zahlreiche Symbole, die auf Mesmers Wirken verweisen. | Bild: Santini, Jenna
Auf dem alten Friedhof beerdigt ist auch Karl Moll, der von 1919 bis zu seinem Tod im Jahr 1936 Bürgermeister von Meersburg war. Er hat viele strukturelle Veränderungen in Meersburg angestoßen. Zum Beispiel hinsichtlich Elektrifizierung und Kanalisation.
Auf dem alten Friedhof beerdigt ist auch Karl Moll, der von 1919 bis zu seinem Tod im Jahr 1936 Bürgermeister von Meersburg war. Er hat viele strukturelle Veränderungen in Meersburg angestoßen. Zum Beispiel hinsichtlich Elektrifizierung und Kanalisation. | Bild: Santini, Jenna

Die Idee mit den Paten hat er nach eigenen Angaben vom Tegernsee importiert. In den vergangenen acht Jahren waren zwischen 20 und 25 Personen als Grabpaten tätig. „Wir sind um jeden froh, der eine Patenschaft übernimmt“, so Schmidt. Interessierte können sich bei der Friedhofsverwaltung melden.

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Lage und Grabstein sind für Erhaltung entscheidend

Ausschlaggebend für die Erhaltung eines Grabes ist dessen Lage, ob es in einer Reihe oder an einer Ecke liegt und der Grabstein als solcher. Laut Schmidt soll die Struktur des alten Friedhofes erhalten bleiben. Lücken wollen die Verantwortlichen dabei unbedingt vermeiden. Diese zeigen sicher eher im neuen Teil des Friedhofsgeländes, da die Menschen inzwischen Urnengräber oder alternative Bestattungsformen bevorzugen.

Früher war es üblich, die Berufe der Verstorbenen auf ihren Grabsteinen zu nennen und/oder Hinweise darauf auf diesen unterzubringen. So gibt es auf dem Friedhof Grabsteine von Fischern, auf denen Fische abgebildet sind. Hier ranken sich Weinreben um ein Kreuz. Eventuell der Hinweis auf einen Winzer?
Früher war es üblich, die Berufe der Verstorbenen auf ihren Grabsteinen zu nennen und/oder Hinweise darauf auf diesen unterzubringen. So gibt es auf dem Friedhof Grabsteine von Fischern, auf denen Fische abgebildet sind. Hier ranken sich Weinreben um ein Kreuz. Eventuell der Hinweis auf einen Winzer? | Bild: Santini, Jenna

Friedhöfe in der Region

An der Aussegnungshalle, die Ende der 1960er Jahre auf dem Meersburger Friedhof entstand, ist genügend Platz, damit Trauernde zusammenstehen können. Doch auch auf dem restlichen Gelände laden die kleinen Plätze, Alleen und alten Bäume zum Innehalten ein. „Das Behütet sein mit diesen Bäumen an diesem Platz hat was“, findet Friedhofsführer Schmidt.

Die alten Bäume auf dem Meersburger Friedhofsgelände gehören für Friedhofsführer Peter Schmidt mit zum Gesamtensemble, das es zu erhalten gilt. Zu entdecken gibt es auch japanische Katsurabäume beziehungsweise Lebkuchenbäume. Sie entwickeln im Herbst strahlend gelbe Blätter.
Die alten Bäume auf dem Meersburger Friedhofsgelände gehören für Friedhofsführer Peter Schmidt mit zum Gesamtensemble, das es zu erhalten gilt. Zu entdecken gibt es auch japanische Katsurabäume beziehungsweise Lebkuchenbäume. Sie entwickeln im Herbst strahlend gelbe Blätter. | Bild: Santini, Jenna

Vorgängerin der Aussegnungshalle war die erste Meersburger Leichenhalle, die 1929 errichtet wurde. Vor 1929 wurden die Menschen noch zu Hause aufgebahrt, wie Schmidt 2016 bei einer Führung erläuterte. Doch der Tod verschwindet immer mehr aus den Häusern. So wird stattdessen die Aussegnungshalle für den Abschied genutzt.

Die Aussegnungshalle ist Ende der 60er-Jahre auf dem Friedhof entstanden. Vorgängerin war die erste Meersburger Leichenhalle von 1929. Die Aussegnungshalle steht am Ende einer langen Allee.
Die Aussegnungshalle ist Ende der 60er-Jahre auf dem Friedhof entstanden. Vorgängerin war die erste Meersburger Leichenhalle von 1929. Die Aussegnungshalle steht am Ende einer langen Allee. | Bild: Santini, Jenna
Auch durch dieses Tor mit der Jahreszahl 1963 fällt der Blick auf eine Baumreihe. Das Tor ist einer von mehreren Eingängen auf den Friedhof.
Auch durch dieses Tor mit der Jahreszahl 1963 fällt der Blick auf eine Baumreihe. Das Tor ist einer von mehreren Eingängen auf den Friedhof. | Bild: Santini, Jenna
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