Ein Bebauungsplan für das Gebiet Bitzäcker in Baitenhausen wurde bereits mehrfach aufgestellt, ist jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen nie zur Rechtsgültigkeit gelangt. Während der Bürgerinformationsveranstaltung und Ortschaftsratssitzung in der Sommertalhalle hatten Bürger und Räte die Möglichkeit, die Notwendigkeit neuer Baugebiete zu diskutieren.

Von Doppelhaus bis Tiny-Haus alles drin

Stadtplaner Helmut Hornstein stellte für das 7200 Quadratmeter große Plangebiet zwischen Schloßbühlweg und Prielgraben einen möglichen Bebauungsvorschlag vor. So wären fünf Einzelhäuser und vier Doppelhäuser dort realisierbar, eine Variante für ein schwieriges Grundstück an der Böschung wäre eine Bebauung mit drei Tiny-Häusern statt eines Einzelhauses, erläuterte Hornstein. Eine Zufahrt wäre über eine Stichstraße vom Schloßbühlweg aus angedacht. Für die Zukunft wäre es möglich, das Gebiet nach Süden für einen zweiten Bauabschnitt zu erweitern. Dort sei ein Anschluss an den Holzerbergweg denkbar, stellte Hornstein die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten vor.

Achim Homburger (FWV) meinte, der Schloßbühlweg sei für eine Anbindung des Neubaugebiets nicht geeignet. Dieser sei mit 15 Prozent Steigung zu steil, zudem habe er in der Feuerwehrsatzung nachgelesen, über zehn Prozent Steigung müssten Ausnahmen genehmigt werden. Er sei dafür, gleich das zweite mögliche Baugebiet mit einzuplanen unter der Voraussetzung, den Holzerbergweg als Anbindung zu nutzen. „In fünf Jahren oder so kommt das Baugebiet sowieso“, sagte Homburger.

Achim Homburger (FWV): „In fünf Jahren oder so kommt das Baugebiet sowieso.“
Achim Homburger (FWV): „In fünf Jahren oder so kommt das Baugebiet sowieso.“ | Bild: Lorna Komm

Anwohner halten Gebiet für zu steil...

Eine Anwohnerin des Schloßbühlwegs erklärte, sie wäre nicht begeistert, wenn etliche Baulastwagen an ihrem Haus vorbei führen. „Die Straße ist dafür nicht ausgelegt und wie sollen die Kinder ohne Gehweg dann sicher in die Schule kommen?“, fragte die Mutter zweier kleiner Kinder. Eine weitere Baitenhauserin sprach sich für neue Baugebiete für Familien aus, mahnte an, dann aber auch den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern. Auch sie finde den Bitzäcker zu steil und schlug das Baugebiet Priel als besser geeignet vor.

...und zweifeln, ob Baugebiet nötig ist

Bürgerin Silvia Fritzler stellte den weiteren Bedarf an Häusern infrage. „Bei der Altersstruktur im Dorf werden zukünftig viele Häuser frei“, sagte sie und fügte an: „Von einem neuen Baugebiet haben wir keinen Nutzen.“ Ihr Ehemann Matthias Fritzler argumentierte ebenso, dass in der Dorfmitte genügend Baugrundstücke frei seien und man mehr in die Mitte gehen müsse. Zudem habe man immer mehr Verkehr und nicht einmal einen Zebrastreifen im Ort. „Im Holzerbergweg haben die breiten Traktoren jetzt schon Probleme, die können später dann da gar nicht mehr fahren“, erläuterte Matthias Fritzler.

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Anwohnerin Ulrike Kittel brachte als mögliches weiteres Baugebiet die Flächen Richtung Dorfgemeinschaftshaus ins Gespräch. „Dort ist das Gelände flach und Leitungen und Rohre liegen schon“, sagte sie. Fachplaner Hornstein antwortete, dass dann eine Splittersiedlung ohne Anbindung an den Ortskern entstünde. „Das ist völlig undenkbar und wird von den Fachbehörden nicht genehmigt“, sagte der Landschaftsarchitekt.

Stadtbaumeister Martin Bleicher fügte an, dass das Landwirtschaftsamt da auch mitreden würde, zudem seien die Flächen da draußen im Flächennutzungsplan nicht berücksichtigt, im Gegensatz zum Gebiet Bitzäcker. Der Flächennutzungsplan allein biete kein Baurecht, sondern nur das Planungsrecht. Im Bitzäcker könne so gleich in die Planung gegangen werden, erklärte Bleicher.

Scherer: Bitzäcker seit 1989 im Gespräch

Bürgermeister Robert Scherer dankte für die vielen Pro- und Contra-Argumente. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum bestehe ortsunabhängig auf der gesamten Gemarkung Meersburgs, sagte er. Laut Scherer ziehen viele Familien weg, weil sie es sich nicht leisten können, hier zu wohnen. „Es ist unsere Aufgabe als Kommune, etwas dagegen zu tun“, erklärte er und das Gebiet Bitzäcker sei bereits seit 1989 im Gespräch. Ortsvorsteher Joachim Bischofberger (FBB) schloss sich an: „Das Thema Bitzäcker soll nicht sterben“, sagte er: „Wir haben langjährige Bürger, die dort bauen wollen, auch wenn es topografisch schwierig ist.“

Joachim Bischofberger (FBB): „Wir haben langjährige Bürger, die dort bauen wollen, auch wenn es topografisch schwierig ist.“
Joachim Bischofberger (FBB): „Wir haben langjährige Bürger, die dort bauen wollen, auch wenn es topografisch schwierig ist.“ | Bild: Archiv
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