Wie kamen Sie denn auf die Idee, eine Stiftung zu gründen und mit dieser Projekte in Malawi umzusetzen?

Elisabeth Breuckmann: Da wir keine Kinder haben, war uns immer klar, dass wir unseren Nachlass gemeinnützig verwenden wollten.

Bernd Breuckmann: Konkret haben wir uns seit 2008, als der Ruhestand immer näher kam, Gedanken gemacht, was wir machen könnten. 2010 habe ich dann Professor Friedemann Schrenk in Malawi besucht, wo er als Paläoanthropologe arbeitet.

Elisabeth und Bernd Breuckmann im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Uwe Petersen.
Elisabeth und Bernd Breuckmann im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Uwe Petersen. | Bild: Uwe Petersen

Woher kennen Sie ihn?

Bernd Breuckmann: 1996 interessierte er sich für die 3D-Fotografie, was zu unserem ersten Kontakt und 1997 auch zum Kauf eines Systems führte. Seitdem entwickelte sich zwischen uns eine Freundschaft und er lud mich zu sich ein. 2010 hat es also geklappt. Schrenk hat in Malawi auch ein Naturkundemuseum aufgebaut und ist total vernetzt. Er hat uns wertvolle Tipps gegeben. Wir haben uns dann genau überlegt, was wir tun wollen, und haben uns in 2011 für eine Stiftung entschieden, die sich das Thema Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Friedemann Schrenk konnten wir als stellvertretenden Vorsitzenden gewinnen.

Vor allem Mädchen und junge Frauen sollen durch die Projekte der Breuckmann-Stiftung bessere Chancen erhalten.
Vor allem Mädchen und junge Frauen sollen durch die Projekte der Breuckmann-Stiftung bessere Chancen erhalten. | Bild: Bernd Breuckmann

Ihre Projekte drehen sich bisher aber eher um Aufklärung von Frauen und Jugendlichen.

Elisabeth Breuckmann: Das ist den Verhältnissen in Malawi geschuldet. Alles, was in den Umweltschutz gesteckt wird, wird durch die Überbevölkerung wieder kaputtgemacht. Deshalb wollten wir an den Wurzeln ansetzen, also dafür sorgen, dass die Geburtenrate sinkt und dass die Kinder, vor allem die Mädchen, aufgeklärt werden und Schulbildung bekommen. Dazu gehören auch die Frauenrechte und die Aufweichung der patriarchalischen Strukturen.

Bernd Breuckmann: Für viele Männer ist es ein Zeichen von Macht und Potenz, viele Kinder zu haben. Malawi hat ein Bevölkerungswachstum von zirka drei Prozent im Jahr, das bedeutet eine Verdoppelung alle 25 Jahre. 1960 waren es noch weniger als vier Millionen Bewohner, derzeit geht es auf 20 Millionen zu und bis Mitte des Jahrhunderts sind die 40 Millionen erreicht, wenn sich nichts ändert.

Bei aller Ernsthaftigkeit der Projekte kommt auch die Lebensfreude bei den Teilnehmerinnen nicht zu kurz.
Bei aller Ernsthaftigkeit der Projekte kommt auch die Lebensfreude bei den Teilnehmerinnen nicht zu kurz. | Bild: Alf Berg

Wie sehen konkrete Umweltprojekte aus?

Bernd Breuckmann: Im Umweltschutz kann man zum einen Ursachen bekämpfen, zum anderen versuchen, Folgen der Umweltzerstörung zu beheben beziehungsweise zu mildern. Aber wir sind zu klein, um alles zu machen. Somit haben wir uns bisher auf ein Thema konzentriert, das wir als hauptverantwortlich für die weltweite Umweltzerstörung ansehen, die ständig wachsende Weltbevölkerung.

Elisabeth Breuckmann: Konkret haben wir vor Ort mit einer lokalen Organisation zusammengearbeitet, dem „Institut of Integrated Women Development“. Denn solche Projekte sollten am besten von Leuten aus dem Land geleitet werden. Wir haben am Anfang eine Krankenschwester angeheuert und mehrere Mitarbeiter, die Kampagnen vorbereitet und durchgeführt haben und Verhütungsmittel verteilt haben.

Der Unterricht findet oft im Freien statt – und es gibt für über 2000 Schüler nur 25 Lehrkräfte. Da geraten Unterrichtsstunden oft zu Massenveranstaltungen.
Der Unterricht findet oft im Freien statt – und es gibt für über 2000 Schüler nur 25 Lehrkräfte. Da geraten Unterrichtsstunden oft zu Massenveranstaltungen. | Bild: Bernd Breuckmann

Wie erfolgreich waren diese Aktionen?

Bernd Breuckmann: Wir haben relativ genaue Zahlen bekommen. Es wurden rund 50 000 Menschen angesprochen und es haben sich gut 5000 Frauen für die Familienplanung angemeldet. Insgesamt sind 35 bis 40 abgelegene Dörfer erreicht worden.

Gibt es noch andere Institutionen in Malawi mit dieser Art der Hilfe?

Bernd Breuckmann: Zumindest im nördlichen Drittel von Malawi sind wir wohl die einzigen. Ob es sonst noch ähnliche Projekte gibt, weiß ich nicht. Aber eins ist klar: Wir können nur begrenzt wirken. Doch wir hoffen, dass es weitere Kreise zieht.

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Jetzt arbeiten Sie mit der Stiftung Hilfe mit Plan zusammen. Wie kamen Sie dazu und warum haben Sie sich zu einer Zusammenarbeit entschlossen?

Bernd Breuckmann: Wir hatten 2017 ein weiteres Projekt gestartet, das mit Fördermitteln des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) unterstützt wurde. Wir haben in einer Mädchengrundschule in Karonga ein „Jugendzentrum für sexuelle und reproduktive Gesundheit“ aufgebaut. Dazu wurde eine „Peergroup“ aus Lehrerinnen und Schülerinnen intensiv in diesen Themen geschult. Das war einerseits erfolgreich, insbesondere weil diese Peergroup das Projekt jetzt nach Ende des auf ein Jahr befristeten Förderzeitraumes selbstständig und eigenverantwortlich weiterführt: Doch der bürokratische Aufwand, um an die Bundesmittel zu kommen, war für unsere kleine Stiftung viel zu hoch.

Elisabeth Breuckmann: Andererseits haben wir von Beginn an immer mehr Anfragen bekommen, solche Projekte durchzuführen. Wir hatten dafür aber weder genug Leute noch Mittel. Deshalb haben wir bereits 2015 zum ersten Mal Plan angefragt, die in Malawi ein eigenes Länderbüro mit vielen Mitarbeiter haben und über gute Kontakte im Land verfügen. Plan hat ja ebenfalls vor allem Kinder im Fokus. 2017 haben wir uns dann persönlich in Malawi getroffen. Ab dann ging es sehr schnell: Nach wenigen Wochen gab es eine erste Projektbeschreibung, Mitte 2018 hat das Projekt mit einer Planungsphase begonnen.

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Ist das eine Fortführung der bisherigen Projekte?

Bernd Breuckmann: Das neue Kooperationsprojekt mit Plan „sexuelle und reproduktive Gesundheit“ ist zwar organisatorisch ein neues und eigenständiges Projekt. Inhaltlich werden aber die Zielsetzungen unserer bisherigen Projekte weitergeführt, wobei wir verstärkt Kinder und Jugendliche ansprechen. Dieses Projekt ist mit 1,6 Millionen Euro für drei Jahre budgetiert. So haben wir mit unserer kleinen Stiftung ein großes Projekt angestoßen.

Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?

Elisabeth Breuckmann: Bei diesem Projekt waren wir stark an der Planung beteiligt, wir unterstützen es finanziell und betreuen auch einen Teil des Projekts, nämlich die Ausbildung sogenannter „youth agents“, junger Leute, die ausgebildet werden und dies dann weitertragen. Wir bleiben aber unabhängig, bekommen auch halbjährlich Berichte und können jederzeit mit Tipps eingreifen. Der einzige Nachteil: Solch eine große Organisation wie Plan ist nicht so flexibel wie unsere kleine Stiftung.

Wie geht es jetzt weiter?

Bernd Breuckmann: Das Projekt hat im Dezember 2018 offiziell begonnen und läuft bis November 2021. Im Mai war gerade ein Stiftertreffen, bei dem wir sehr positive Rückmeldungen bekommen haben. Nach einer Podiumsdiskussion, auf der ich unser Projekt vorgestellt hatte, kamen viele Nachfragen – vor allem von Frauen.

Was planen sie in Zukunft?

Elisabeth Breuckmann: In nächster Zeit wollen wir uns auch ein Projekt im Thema Artenschutz suchen. Wir haben jetzt deutlich mehr Zeit, weil wir im anderen Projekt durch Plan entlastet sind. Wir suchen uns ein konkretes Thema und müssen uns die Finanzierung überlegen. Solange die Zinsen so niedrig sind, sind Spenden leider die einzige Möglichkeit. Mit diesem Projekt gehen wir dann ein weiteres Thema an, das wir von Anfang an vorhatten.