Beide haben während ihrer langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit große Veränderungen beim Winzerverein miterlebt und -gestaltet, so 2003 die Eröffnung des Wein- und Kulturzentrums, in dem nun ihre Würdigung stattfand. Beide haben sich dem Weinbau verschrieben, doch ihre Lebenswege sind ganz unterschiedlich verlaufen.

Krumm im Weinbau zuhause

Kumm wuchs in einem Weinbaubetrieb auf, sein Vater Willi war bis zu seinem Unfalltod 1983 Vorstand des Winzervereins. Sohn Hermann lernte Weinbautechniker, baute Wein auf eigenen 4,5 Hektar an, war Verwalter des Rebguts Waldburg-Wolfegg, das bis Anfang der 2000er Jahre seine Trauben beim Winzerverein verarbeiten ließ, und arbeitete in dessen Kellerei. Deren anstehende Verlegung aus der Unterstadt in den Außenbereich plante Kumm ebenfalls mit. "Hermann dachte immer in die Zukunft", bestätigte Vorstandsvorsitzender Georg Dreher. Sein Zahlenverstand und sein kellerwissenschaftliches Fachwissen seien dem Winzerverein sehr zugute gekommen.

Das Logo des Meersburger Winzervereins.
Das Logo des Meersburger Winzervereins. | Bild: FEZE

Sein Rat: Mehr in Vermarktung investieren

Kumm sagte: "Weinbau war schon immer mein Ding." Die Zeit im Vorstand habe ihm viel Spaß gemacht. "Unser Ziel ist, ein Auskommen für unsere Winzerfamilien zu schaffen" und dafür immer auf dem Laufenden zu bleiben. Er riet dem Winzerverein, angesichts der Flächenzuwächse noch mehr in Vermarktung zu investieren. Tatsächlich hat der Winzerverein laut Geschäftsführer Martin Frank in den vergangenen drei Jahren zehn Hektar an Neupflanzungen dazugewonnen, sodass sich seine Anbaufläche auf rund 60 Hektar erhöhen wird. Deshalb hofft Frank auch, dass die Bauarbeiten für die neue Kellerei 2019 starten könnten.

Kumm, der laut Dreher, stets bodenständig und ruhig war, erhielt, "damit er einmal richtig abheben kann", eine Zeppelinfahrt als Geschenk. Darüber freute sich der 63-Jährige, der den Weinanbau aus gesundheitlichen Gründen inzwischen eingestellt hat, sehr. Johannes Göbel vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, für dessen Vorgängerin Kumm ebenfalls viele Jahre aktiv war, überreichte ihm außerdem die selten verliehene Raiffeisen-Schulze-Delitzsch-Medaille.

Die neu gewählte Verwaltung des Winzervereins stößt auf gute Zusammenarbeit an (von links): Geschäftsführer Martin Frank, Thomas Weber, Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Löhle, Wolfgang Schmid, Vorstandsvorsitzender Georg Dreher, Uli Mohr, Andreas Volz und Mathäus Weber.
Die neu gewählte Verwaltung des Winzervereins stößt auf gute Zusammenarbeit an (von links): Geschäftsführer Martin Frank, Thomas Weber, Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Löhle, Wolfgang Schmid, Vorstandsvorsitzender Georg Dreher, Uli Mohr, Andreas Volz und Mathäus Weber. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Heirat mit Winzertochter bringt den Einstieg

Anders als Kumm wuchs Alois Wurst nicht in einem Winzerbetrieb auf. Seine Eltern trieben zwar Landwirtschaft, doch als drittes von vier Kindern lernte Wurst Werkzeugmacher und arbeitete 30 Jahre in diesem Beruf. Er heiratete eine Meersburger Winzerin, Lucie, und wurde aus Liebe zu ihr auf dem zweiten Bildungsweg Landwirt. Um in den Winzerverein eintreten zu können, erzählt er, "musste ich eigene Reben haben". Also pachtete er 23,8 Ar von seiner Lucie und wurde Mitglied.

Wurst war laut Dreher "immer einer, der sehr kritisch war – aber immer im Sinne der Genossenschaft". Er habe seine eigene Meinung vertreten, aber "dann ist es immer konstruktiv weitergegangen". Auch sei Wurst stets sehr hilfsbereit gewesen. Als Dank erhielt er vom Winzerverein Karten für die Bregenzer Festspiele sowie eine Ehrenurkunde vom Genossenschaftsverband. Wurst sagte: "Ich bin dankbar, dass ich dieses Amt ausführen konnte. Manchmal habe ich etwas anders getickt, aber es ging immer um die Sache." Vielleicht habe er als Quereinsteiger die Dinge manchmal anders gesehen, erklärte er später dem SÜDKURIER. Was zum Beispiel? Spontan fällt ihm nur ein, dass er andere Stühle fürs Wein- und Kulturzentrum wollte. Um grundlegende Dinge sei es nie gegangen, versichert er. Dem Winzerverein gab er mit auf den Weg, dass Vorstand und Aufsichtsrat wieder enger zusammenarbeiten sollten, dass man "die neuen Leute in die Sache reinnimmt" und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen sollte.

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