Die Betreuung von Geflüchteten läuft geräuschlos in Meersburg – und wenn man nichts hört, scheint alles gut zu sein. Dieser Eindruck herrscht auch im Gemeinderat, wo Steffi Möglich von der Verwaltung und Michael Hümmerich vom ehrenamtlichen Helferkreis Asyl über den aktuellen Stand berichteten. Im Publikum saßen auch zahlreiche Geflüchtete, die in Meersburg leben.

Kontakt der Geflüchteten zu Einheimischen beschränkt sich auf Helferkreis

Der Helferkreis konnte sich erstmals seit seiner Gründung 2014 im Gemeinderat präsentieren. Die Ausführungen Hümmerichs über die Arbeit des Helferkreises machten deutlich, dass noch Raum für Verbesserungen besteht – sowohl vonseiten der Stadt als auch der Geflüchteten. Deren Kontakt zu Einheimischen beschränke sich auf die Mitglieder des Helferkreises, trotz einiger Aktionen, die der Kreis 2017 unternahm, wie Hümmerich nüchtern feststellte.

Vorschlag für Flüchtlingsrat und Jour Fixe mit Gemeinderat

2018 gab es keine neuen Angebote, denn was das angehe, sei "die Eigeninitiative der Geflüchteten nicht besonders ausgeprägt", sagte Hümmerich. Deshalb wolle man künftig anders vorgehen, etwa aktiv einfordern, "dass sie ihren Teil dazu beitragen". Außerdem müsse der Informationsfluss mit allen Beteiligten verbessert werde. So habe man sich für 2019 vorgenommen, einen Flüchtlingsrat zur gemeinsamen Planung und Umsetzung von Vorhaben zu gründen. Auch einen Jour Fixe mit dem Gemeinderat schlug Hümmerich vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Außerdem werde man 2019 die Sprachkurse fortsetzen, die der Helferkreis flankierend zu den professionellen Sprachschulen anbiete sowie einen neuen, vom Kreis geförderten Sprachkurs zu "Ausbildung und Beruf" starten. Darüber hinaus habe man vor, die Kernzeitbetreuung für Schüler an der Sommertalschule zu erweitern sowie ein Reparatur-Café zu gründen. Dazu fehle aber noch ein Raum. Hier bitte man die Stadt um Unterstützung, ebenso bei der Bereitstellung eines Unterrichtsraums mit Internetzugang in der Schule sowie bei der technischen Ausstattung mit rund 1500 Euro.

Hümmerich: "Integration kein Selbstgänger"

"Wie steht's mit der Willkommenskultur?", stellte Hümmerich dann die Gretchenfrage. Die Grundstimmung in Meersburg sei positiv. Doch in puncto Integration gebe es noch viele Aufgaben, diese sei "kein Selbstgänger". Hümmerich betonte auch: "Wir müssen Impulse bei den Asylsuchenden setzen."

"Frauen ziemlich abgehängt"

So seien Frauen beim Thema Integration und Spracherwerb, der für Erstere das A und O sei, "ziemlich abgehängt". Auch müssten die Familien die Bildungsangebote für ihre Kinder selbst unterstützen. Die politische Situation in Deutschland ändere sich, was zu einem vermeintlich schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung für Flüchtlinge führe. Jedoch stelle er für Meersburg fest, "das ist aber so gar nicht der Fall", unterstrich Hümmerich. Dennoch müsse man bei Geflüchteten nicht nur ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Regeln und Werte in Deutschland gälten, sondern auch dafür, woher das Geld für Sozialleistungen komme.

Mattes: Gespräche mit Verwaltung und Rat suchen

Bürgermeister Robert Scherer und Gemeinderäte zeigten sich für die Anregungen Hümmerichs aufgeschlossen. Boris Mattes (SPD), Markus Waibel (FW) und Werner Endres (CDU) dankten nachdrücklich den Ehrenamtlichen und der Verwaltung für deren Arbeit. Mattes sagte zum Helferkreis: "Es ist sinnvoll, immer wieder das Gespräch mit Verwaltung und Rat zu suchen", besonders im Herbst vor den Haushaltsberatungen. Waibel verwies auf die Meersburger Vereine, die offen für neue Mitglieder seien.

Waibel: viele positive Erfahrungen als Arbeitgeber eines Geflüchteten

Waibel, der selbst einen Geflüchteten beschäftigt und "viele positive Erfahrungen" hat, appellierte sowohl an Unternehmer, als auch an Geflüchtete: "Probiert's aus." Endres, der auch Mitglied im Kreisrat des Bodenseekreises ist, sagte, er sei erstaunt, wie wenig das Thema Flüchtlinge die Bevölkerung im Bodenseekreis beschäftige. "Man merkt es gar nicht, weil alles so gut läuft." Mattes vermutete, ein Hauptgrund dafür sei in Meersburg der Helferkreis: "Vielleicht war Ihre Arbeit zu gut, die Sie für uns übernommen haben."