Die Seminarkapelle ist in rosa Dämmerlicht gehüllt, sanft heben sich die Stimmen der Instrumente heraus. Erst geben mild leuchtende Flöten über solidem Cellogrund die Melodie von Margaret Rizzas "Lovely in your littleness", dann sammeln sich langsam die Sänger.

Erst verhalten, dann deutlicher heben sich kindlich-klare Stimmen in den Raum, bis sie jubeln: "Jesus is our Joy!" Wie munteres Glockenspiel aus vielen Kehlen klingt Mykola Leontovychs "Carol of the bell": tiefe Glocken schwingen regelmäßig, während die hellen fein ihr "Christmas is here" läuten. Voll Ruhe und Andacht singen die Kinder "Still senkt sich die Nacht hernieder" von Gerhard Wohngemuth. Unterstufenchor und -orchester eröffnen das Weihnachtskonzert des Droste-Hülshoff-Gymnasiums. 230 Schüler und alle Ensembles beteiligen sich.

Der Unterstufenchor, geleitet von Florian Schmid, singt Weihnachtslieder.
Der Unterstufenchor, geleitet von Florian Schmid, singt Weihnachtslieder. | Bild: Corinna Raupach

Zwischendurch überlassen sie Solisten die Bühne: In einem Präludium von Johann Sebastian Bach bringt Kenenisa Kilchmann in bedachter Transparenz tiefe Linien und helle Verzierungen auf die Flügeltasten. Ergreifend schlicht und mit freundlichem Posaunenton spielt Pauline Blank "Was soll das bedeuten", drei Gitarristinnen klopfen mal temperamentvolle Rhythmen auf ihre Instrumente, mal geben sie sachte den Ton an und das Orchester antwortet vielstimmig.

Gelassen begleitet die Instrumente dann ein Vokalensemble älterer Schüler, das die Kanzel erstiegen hat. Sie singen innig, in schöner Ausgewogenheit "Heilig ist der Herr" von Franz Schubert. Das Orchester tritt an diesem Abend als Bläserensemble auf. Über sicherem Grund von Fagott und Euphonium lassen warme Klarinettentöne Flöten und Oboe aufscheinen, getragen schwingt ein "Andante" aus Israel zwischen ihnen. Ausgelassen toben sie los in der Filmmusik "Zoosters Breakout" aus "Madagaskar": Klarinetten hüpfen, Flöten und Oboen setzen eins drauf, tiefe Bläser wagen Alleingänge, bis das Schlagzeug alle wieder einholt.

Die Celli sorgen im Unterstufenorchester für einen soliden Grund.
Die Celli sorgen im Unterstufenorchester für einen soliden Grund. | Bild: Corinna Raupach

Edward Elgar schrieb sein Cellokonzert unter den Eindrücken des Ersten Weltkriegs und der schweren Krankheit seiner Frau, es ist sein letztes auskomponiertes Werk. Felix Brunnenkant verleiht schon den ersten kraftvollen Akkorden eine melancholische Stimmung, sie eröffnen eine große Klage. Jeden Versuch von Auflehnung und Optimismus lässt er münden in Tönen, die zittern vor Schmerz. In leisem pizzicato klingt der erste Satz aus. Schwermut liegt auch über der ersten Ballade von Frédéric Chopin, mit der er dieses Genre ins Leben rief. Nicolas Evers nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch dunkelschöne Melodien. Er wechselt zwischen Eleganz und schroffer Verzweiflung, immer wieder wirkt es, als versiege die Kraft. Er zögert, rafft sich auf, bis er sich nach einer letzten furiosen Steigerung in den Schlussakkord stürzt.

Wie zur Beruhigung singt der Chor ein sanftes "Leise rieselt der Schnee" mit Echo aus den Männerstimmen. Schon hier zeigt sich die jugendliche Kraft dieses Ensembles. Noch das pianissimo trägt durch die ganze Kirche, singen sie richtig los, beben die Bänke wie bei "You're the inspiration" von Peter Cetera und David Foster. "A clare benediction" von John Rutter ist ein Segenslied, vom Chor mit Ernst und Überzeugung gesungen. Strahlend hell intoniert der Sopran "May the Lord show his mercy upon you", sonor ergänzen die Männerstimmen: "May he guard you and uphold you". Erst bei ihrer flotten Version von "Jingle Bells" erlauben sie sich ein Lächeln. Da die Kapelle nicht alle Besucher fasst, wird das Konzert in den Innenhof übertragen, wo mit Glühwein und Waffeln der Weihnachtsmarkt lockt.