Junge Familien sollen am Allmendweg in Meersburg heimisch werden. Die Stadt bietet hier mehrere Grundstücke in der Größenordnung 300 bis 650 Quadratmeter an und berechnet je nach Lage 350, 400 oder 650 Euro pro Quadratmeter. Die künftigen Bauherren erhalten zusätzlich pro Kind einen Baubonus von 15 000 Euro, aber maximal 30 000 Euro. Immer wieder hatte es um diese Festlegungen Diskussionen mit der Rechtsaufsicht gegeben. Die Quadratmeterpreise unterschreiten die Bodenrichtwerte, die für den Allmendweg eigentlich zwischen 500 und 600 Euro pro Quadratmeter liegen. Und auch zum Kinderbonus gab es mehrfach Fragen. Wiederholt musste sich der Gemeinderat mit dem Baugebiet beschäftigen.

Auf Anregung von Stadtrat Boris Mattes stellte der wohnungspolitische Sprecher der SPD im Landtag, Daniel Born, zum Allmendweg eine kleine Anfrage an die Landesregierung. Antwort kam vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration im Einvernehmen mit dem Ministerium
für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Sowohl die Unterschreitung der Bodenrichtwerte als auch der zusätzliche Kinderfreibetrag sind zulässig. "Natürlich hat die Stadt Meersburg nichts zu verschenken", schreibt Boris Mattes in einer Pressemitteilung. Aber um für Familien bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, seien die entsprechenden Vergaberichtlinien die einzigen Steuerungsmöglichkeiten einer Kommune, finanzierbare Grundstückspreise für junge Familien zu schaffen. "Bei den derzeitigen Grundstückspreisen am freien Markt ist nämlich sonst für viele Familien der Traum von den eigenen vier Wänden ganz schnell mangels Finanzierbarkeit ausgeträumt." Davon ist der Meersburger Stadtrat überzeugt. Das Ministerium stellte in seiner Antwort klar, dass die Bodenrichtwerte zwar als Grundlage für Verkaufspreise herangezogen werden, aber nur Orientierungswerte und rechtlich unverbindlich seien. Bodenrichtwert und tatsächlicher Verkehrswert müssen nicht automatisch identisch sein.

"Ein Grundstück in einer bestimmten Bodenrichtwertzone kann durch seine Eigenschaften (Beschaffenheit, Belastungen oder Bebauung) auf den Bodenpreis bezogen insgesamt einen anderen, auch deutlich niedrigeren Verkaufspreis pro Quadratmeter als den zugehörigen Bodenrichtwert erzielen", heißt es unter anderem in der Antwort des Ministeriums. Boris Mattes erklärt dazu: "Neben dem erklärten Ziel des Meersburger Stadtrates, familienfreundliches Wohnen dort auf einem Teil der Grundstücke zu ermöglichen, sprachen nach meiner Ansicht aber unter anderem auch die schwierige Erschließung und schattige Hanglage für eine deutliche Preisreduzierung."

Ebenfalls soziale Auswahlkriterien und ein Kinderbonus sind laut Landesregierung im Rahmen der Möglichkeiten. Das Ministerium teilt mit, dass eine kommunale Wohnungsbauförderung mit sozialen Auswahlkriterien und einem Kinderbonus ein zulässiger Aspekt sein dürfte. Außerdem: Im Fall der Stadt Meersburg sei von der Rechtsaufsicht nicht die Abweichung vom Bodenrichtwert beziehungsweise Verkehrswert als solche beanstandet worden, sondern vielmehr der zusätzlich ohne Obergrenze beabsichtigte Kinderbonus in Höhe von 15 000 Euro pro Kind. "Beanstandet wurde im Ergebnis lediglich die Höhe des beabsichtigten Nachlasses und nicht die Förderung von Familien mit Kindern dem Grunde nach", heißt es in der Drucksache. Ursprünglich war für den Kinderbonus keine Begrenzung vorgesehen gewesen. „Hier hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung nachgebessert und den Kinderbonus auf maximal zwei Kinder begrenzt, sodass nun alle Vorgaben des Ministeriums und der Rechtsaufsicht eingehalten sind“, so Mattes.