Wer bei E.T.A. Hoffmann an „Die Elixiere des Teufels“ oder „Das Fräulein von Scuderi“ denkt, liegt richtig. Bis heute ist E.T.A. Hoffmann als Schriftsteller bekannt. Aber er komponierte auch, erregte mit Karikaturen Aufsehen und arbeitete als studierter Jurist zeitweise an Oper und Theater. Er schrieb das Quintett für Harfe und Streichquartett, das das Kammerkonzert der Meersburger Sommerakademie eröffnet.

Die Dozenten der Sommerakademie musizieren in verschiedenen Besetzungen (von links) Brigitte Schnabel, Christel Meckelein und Emilie Jaulmes (Harfe).
Die Dozenten der Sommerakademie musizieren in verschiedenen Besetzungen (von links) Brigitte Schnabel, Christel Meckelein und Emilie Jaulmes (Harfe). | Bild: Corinna Raupach

In eingängigen Melodien umwerben Streicher die Harfe, gehen kleine Dialoge mit ihr ein und reichen sich freundliche und rhythmische Momente weiter. Statt der oft unheimlichen Themen seiner literarischen Werke durchdringt Hoffmanns Musik sanfte Sehnsucht und aufmerksames Zusammenspiel. Dem widmen sich die Musiker mit Hingabe. Immer wieder werfen sie sich Blicke zu, neigen sich zueinander und lassen einander den Vortritt.

Sopranistin Anne Bretschneider singt Schubert-Lieder.
Sopranistin Anne Bretschneider singt Schubert-Lieder. | Bild: Corinna Raupach

Beim Kammerkonzert der Meersburger Sommerakademie präsentieren sich die Dozenten – ihre heimliche Königin ist Emilie Jaulmes an der Harfe. Jaulmes ist Soloharfenistin der Stuttgarter Philharmoniker, mit denen sie auch solistisch auftritt. „Wir sind so froh, sie hier zu haben, dass wir sie nicht schonen“, sagt Cellist Holger Best, der das Programm moderiert. Schon in Hoffmanns Werk dreht sich alles um sie – unaufdringlich aber klar gibt sie den Ton an.

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In Felix Mendelssohn-Bartholdys „Auf den Flügeln des Gesangs“ begleitet Jaulmes die elegischen Flötentöne Christina Singers erst in zurückhaltendem Dreiertakt und lässt es dann immer intensiver perlen. Als die Flöte höchst beweglich aufjubelt, legt sie ihr einen sicheren Grund. In einer seltenen Kombination tut sich Jaulmes mit Hornist Joachim Jänsch zusammen.

Eine Suite von Marcel Tournier spielen (von links) Brigitte Schnabel, Julia von Hasselbach, Holger Best, Emilie Jaulmes und Christina Singer.
Eine Suite von Marcel Tournier spielen (von links) Brigitte Schnabel, Julia von Hasselbach, Holger Best, Emilie Jaulmes und Christina Singer. | Bild: Corinna Raupach

Die Sonate für Horn und Harfe des Franzosen Louis-François Dauprat lässt beiden Instrumenten viel Raum. Die Harfe sprüht und brilliert, das Horn singt von weiten Horizonten. Mal ist es, als unterhielten sie sich – die Harfe achtet jeden Atemzug des Bläsers, er findet sich mühelos in ihren Tonkaskaden zurecht. Mal verschmelzen beide Instrumente, als lasse die Harfe die warmen Hornklänge glitzern.

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Marcel Tournier war selbst Harfenist in Paris, seine Kompositionen loten die Möglichkeiten des eigenen Instruments aus. In der Suite für Flöte, Harfe und Streichtrio experimentiert er auch mit den anderen Instrumente – von fahlen Flageoletten über helles Aufbegehren bis zu ruppigen Tönen reicht ihre Spannweite.

E.T.A. Hoffmann hat auch Musik geschrieben wie dieses Quintett (von links): Brigitte Schnabel, Christel Meckelein, Emilie Jaulmes, Julia von Hasselbach und Holger Best.
E.T.A. Hoffmann hat auch Musik geschrieben wie dieses Quintett (von links): Brigitte Schnabel, Christel Meckelein, Emilie Jaulmes, Julia von Hasselbach und Holger Best. | Bild: Corinna Raupach

Über Seufzer der Streicher legt die Flöte eine getragene Linie, in die die Harfe vorsichtige Akzente setzt. Der letzte Satz birgt ein Vexierspiel aus durchscheinenden Flächen, großem Ausdruck und mutwilligen Scherzen, bei denen die Harfe über alle Seiten auf und ab streichen darf.

Nur bei Schubert-Liedern hat Harfe nichts zu tun

Nur bei den Schubert-Liedern des Programms hat die Harfe nichts zu tun. Fabian Müller hat ihre Begleitung für Streicher gesetzt, deren Farben die Dramatik der Musik weiter bereichern. Obwohl zu Beginn das düster drohende Ensemble keinen Zweifel daran lässt, dass die Geschichte böse ausgeht, nimmt Sopranistin Anne Bretschneider es mit dem „Erlkönig“ auf.

Publikum bedankt sich mit begeistertem Applaus

Sie gibt jedem einen eigenen Ton, dem beschwichtigenden, zunehmend nervösen Vater, dem angstvoll verzweifelnden Kind und dem höhnisch-verführerischen Erlkönig. Nach ihrem erschütterten „In seinen Armen das Kind – ist tot“ herrscht sekundenlang tiefe Stille im Saal. Erst nachdem sie mit viel Charme in „Versunken“ das lockige Haar des Hafis besingt, löst sich die Starre und weicht begeistertem Applaus.