Der Tod, das muss laut Georg Kreisler bekanntlich ein Wiener sein. Tatsächlich zeigen österreichische Autoren oft eine besondere Nonchalance im Umgang mit dem Gevatter. So auch die Bregenzerin Ulrike Längle, die beim ersten, sehr gut besuchten, literarischen Jour Fixe des Jahres 2019 in der Meersburg unter anderem aus ihrem noch unveröffentlichten Romanmanuskript "Tote Männer" las. Und dessen Handlung spielt vor allem in Wien.

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Längle leitete von 1984 bis 2018 das Franz-Michael-Felder-Archiv, dessen Kernaufgaben die Dokumentation und Vermittlung der Literatur Vorarlbergs und des Bodenseeraums sind. Außerdem ist Längle selbst Autorin. Beim Ingeborg-Bachmann-Preis, in dessen Jury sie später saß, nahm sie 1991 mit der Kurzgeschichte "VaterMörder" teil und machte damit mehrere Verlage auf sich aufmerksam. Ihr Erzählband "Am Marterpfahl der Irokesen" erschien 1992 bei S. Fischer. Längles bis dato jüngster Roman "Seesucht" kam 2002 heraus. Beim Jour Fixe des IBC trete Längle nach langer Zeit erstmals wieder als Schriftstellerin auf, sagte Leiterin Chris Inken Soppa.

Zuhörer leiden mit Mara

Die Protagonistin von "Tote Männer", die Orchestergeigerin Mara Melzer, muss den Verlust mehrerer enger Vertrauter verarbeiten, den Selbstmord ihres Bruders Rocco, der sich sieben Jahre zuvor erhängte, den Krebstod ihres früheren Lebensgefährten Leo und das Ableben ihres netten Nachbarn. Die Zuhörer leiden mit Mara, die etwa in ganz Europa Kerzen für den moribunden Leo angezündet hat und nicht weiß, wie sie mit ihrem Schmerz umgehen soll.

Auch skurrile Begegnungen gehören dazu

"Witwen haben es gut", denkt sie manchmal. Das ist alles wahrhaft todtraurig, tragisch – und dennoch komisch. Denn das Leben läuft weiter und dazu gehören auch skurrile Begegnungen und, zumal in Wien, Reflexionen über den Tod. So gibt es in Maras Welt etwa einen Künstler mit Spitznamen "Kafka" und drei Zwergdackeln nebst einem Grabstein auf dem Zentralfriedhof mit der lapidaren Inschrift "Gewesen", ein Buch über "Begräbnis-Geiger", einen Zeitungsartikel über Begräbnissitten in Skandinavien sowie eine Art Leichenschmaus, ein Sechsgangmenü, bei dem etwa drei Erbsensprossen den Teller zierten, "aber der Bauer war angegeben, von dem sie stammten".

2009 mit dem Roman begonnen

Mit dem Roman habe sie etwa 2009 begonnen und das Manuskript, an dem zwei Verlage erst Interesse bekundet hätten, dann eine Weile liegenlassen, erzählt Längle. Denn zuerst müsse sie noch ein Buch aus ihrer Zeit als Archivleiterin fertigstellen, die Herausgabe des Briefwechsels des Vorarlberger Autors Max Riccabona, über dessen schillerndes Leben Längle sprudelnd erzählt. Danach liest sie noch eine ganze Reihe gereimter Sechszeiler, die entfernt an Morgenstern erinnern, und zu denen Längle ein Plakatmotiv, die "Hand von Altach", inspiriert hatte.