Die Ulmer Autorin Silke Knäpper hat im Rahmen der Droste-Literaturtage im Fürstenhäusle aus ihrem Roman „Das Lieben der Anderen“ gelesen. Der Titel erinnert nicht umsonst an den oscarprämierten Film „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck. Darin spioniert die Stasi einen Schriftsteller aus. In Knäppers Buch stalkt die vereinsamte Helen den Psychotherapeuten Simon und dringt in sein Leben und das seiner verstorbenen Frau Claire ein, die vom Balkon gestürzt ist.

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Das hat Helen zufällig beobachtet. Statt die Polizei zu rufen, nimmt sie die Schlüssel der Fremden an sich und beobachtet kurz darauf, wie ein Mann aus dem Nachbarhaus kommt, vor der Toten kurz anhält und davoneilt. Diesem Mann will und wird Helen näher kommen. Denn die Unscheinbare hofft, etwas zu lernen „aus dem Leben der anderen, sich etwas anzueignen von ihrem Glanz“. Den „Schlüssel zu einem ganz neuen Leben“ scheint sie dabei in doppeltem Sinn in der Hand zu halten.

Veranstaltung des Internationalen Bodensee-Clubs

„Die Erkundung eines fremden Lebens wird Helen zur fixen Idee.“ So beschrieb Chris Inken Soppa vom Internationalen Bodensee-Club (IBC) den Plot, in dem es auch um familiäre Verwicklungen gehe und der zudem eine gewisse Krimispannung beinhalte. Darum gehe es ihr aber nicht vordergründig, sagte Knäpper im Gespräch mit Soppa, sondern darum, was in den Menschen vorgehe, vor allem in Simon, der zwar andere therapiere, es selbst aber nicht schaffe, seine Grenzen zu wahren.

Erste Veranstaltung im neuen Vortragsraum

Knäpper, die Romanistik, Germanistik und Anglistik studiert hat und als Lehrerin arbeitet, las flüssig aus ihrem 2018 erschienenen Buch vor. Die Lesung, die der IBC ausrichtete, war die erste Veranstaltung im neuen Vortragsraum des frisch sanierten Fürstenhäusles, das einst Annette von Droste-Hülshoff gehörte.

Umbau für 930 000 Euro

Die Droste-Tage fanden erstmals 1948 anlässlich des 100. Todestages der Dichterin am 24. Mai statt, tags zuvor hatte Helen von Bothmer das Fürstenhäusle wiedereröffnet. Es gehört heute dem Land Baden-Württemberg, das es bis Ende 2018 für 930 000 Euro umbaute und seit dieser Saison mit neuem Museumskonzept betreibt.