Armbruster, der viele Jahre aus den Kriegs- und Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens berichtete, lebt in Stuttgart. Durch einen Artikel über ein Altenheim für verarmte Holocaust-Überlebende in Haifa wurde er auf die deutschstämmigen Juden in Israel aufmerksam. Erschüttert von deren Schicksal, reiste er in das Land und führte Gespräche mit Zeitzeugen. Mit hochbetagten Menschen, die bereits in den 30er-Jahren vor den Nationalsozialisten nach Palästina geflüchtet waren. Mit Holocaust-Überlebenden, die nach 1945 als Kinder- und Jugendliche in Palästina, später in Israel auf ein besseres, sicheres Leben gehofft hatten. Aber auch mit Kindern dieser Überlebenden, der zweiten Generation. Dem Journalisten, Jahrgang 1947, wurden bewegende Lebensgeschichten erzählt. Geschichten von Menschen wie dem Musikstudenten Herbert Bettelheim, dem 1939 bei seiner Ankunft in Haifa „ein Meer von Hakenkreuzfahnen“ entgegenwehte. Oder die der ehemaligen KZ-Insassin Judith Rosenzweig, die, von einer Tante nach den Geschehnissen befragt, die Antwort erhielt „So schlimm wird es schon nicht gewesen sein“.

Dem Neuanfang dieser Emigranten im „Gelobten Land“ galt Armbrusters Hauptaugenmerk. Für viele von ihnen ein Beginn in einem „Traumland mit dunklen Schatten“, wie der Journalist herausfand. „Kommst du aus Überzeugung oder aus Deutschland?“ lautete eine in jener Zeit häufig gestellte Frage. Den Emigranten wurde unterstellt, nur das eigene Leben retten, nicht aber als eingefleischte Zionisten einen neuen jüdischen Staat Israel mitaufbauen zu wollen. Bis 1939 ausgewanderte Akademiker wurden spöttisch als „Jeckes“ bezeichnet, als Träger von Jacketts und Krawatten. Hinzu kamen Sprachprobleme: Die Emigranten sprachen Deutsch, selten Hebräisch. Ihre Erfahrungen und Traumata führten zum „großen Schweigen“, das Auswirkungen bis in die zweite Generation hatte. Heute leben noch circa 190 000 deutschstämmige Juden in Israel, 30 Prozent sind Armbruster zufolge verarmt und auf fremde Hilfe angewiesen. Ihre Geschichte ist prägend für die Generationen ihrer Nachfahren.