In den ersten Tagen, in denen sich die Frühlingssonne vorsichtig zwischen die Winterreste schiebt, drängen sich die Passagiere auf der Fähre nach Konstanz auf die wenigen Sonnenplätze. Auch diejenigen, die jeden Tag mit der Fähre unterwegs sind, bleiben vom Frühlingszauber nicht unberührt: „Wenn das Wetter schön ist und man das Bergpanorama sieht, ist es natürlich ein Traum. Da denkt man dann auch jedes Mal: Wie schön haben wir es hier!“, sagt Katharina Faaß und schließt die Jacke gegen den aufkommenden frischen Fahrtwind.

Katharina Faaß fährt nicht nur zur Uni, sondern meistens auch zum Einkaufen nach Konstanz. „Es gibt mehr Geschäfte und man muss in Meersburg nicht den Berg hochlaufen", sagt sie.
Katharina Faaß fährt nicht nur zur Uni, sondern meistens auch zum Einkaufen nach Konstanz. „Es gibt mehr Geschäfte und man muss in Meersburg nicht den Berg hochlaufen", sagt sie. | Bild: Anna Höpfner

Katharina Faaß lebt seit gut zwei Jahren in Meersburg und studiert in Konstanz. In 15 Minuten legt die Fähre die Strecke nach Konstanz zurück, gut zehn weitere Minuten benötigt der Bus bis zur Uni. Nur am Wochenende gibt es keine direkte Verbindung zur Hochschule. Die Studentin pendelt notgedrungen täglich von Meersburg nach Konstanz: Wohnungen in Konstanz sind hart umkämpft, Meersburg bietet eine echte Alternative.

Günstiger Wohnen, länger fahren

Aber: Günstiger Wohnraum für lange Fahrtwege – lohnt sich das? „Klar ist Meersburg weit ab vom Schuss, wenn man in Konstanz studiert. Aber hier sind die Mieten günstiger – abgesehen davon ist es auch irgendwie schön, Fähre zu fahren“, sagt Katharina Faaß.

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Während der Überfahrten nutze sie die Zeit, um ihre Tage zu strukturieren, Tagebuch zu schreiben oder kleine Recherchearbeiten für die Uni zu erledigen. „Um wirklich etwas zu schreiben, sind die 15 Minuten zu knapp. Aber seitdem es auf der Fähre WLAN gibt, kann man gut kurze Literaturrecherchen machen oder E-Mails beantworten.“ Katharina Faaß fährt übrigens meistens auch zum Einkaufen nach Konstanz. „Es gibt mehr Geschäfte und man muss in Meersburg nicht den Berg hochlaufen.“

Bewusst gegen Stadt entschieden

Auch Jana Kopp, 21, nutzt die Zeit auf der Fähre. Texte, die noch gelesen werden müssen, oder Hausaufgaben und Zusammenfassungen von Vorlesungen, die sie noch studieren muss: „Ich plane die knappe halbe Stunde Fähre und Bus aktiv mit ein“, sagt sie. Für Jana ist das Leben auf der Meersburger Seeseite nicht nur dem Wohnungsmarkt geschuldet: „Ich habe relativ spät die Zusage für die Uni bekommen. Die einzige Wohnung, die da noch möglich war, gab es in Meersburg. Und danach hat es mir hier einfach gut gefallen, weil es mich etwas mehr ans Dorfleben erinnert als Konstanz und weil ich Städte echt nicht mag.“

Die Fähre legt die Strecke von Meersburg (Bild) nach Konstanz in rund 15 Minuten zurück.
Die Fähre legt die Strecke von Meersburg (Bild) nach Konstanz in rund 15 Minuten zurück. | Bild: Stefan Hilser

Die Freizeitattraktionen seien in Meersburg besser: Aussichtswanderungen, Tierparks, die Natur. Trotzdem: Manchmal fühle sich der Weg zu weit an. „Man überlegt sich halt zweimal, ob man rüber fährt. Ich laufe 15 Minuten zur Fähre, fahre dann 15 Minuten, dann noch mit dem Bus. Mit Wartezeiten kommt man da auf über eine Stunde für einen Weg.“ Trotzdem würde sie die Fähre nicht gegen einen Bus oder Zug eintauschen wollen. „Ich finde es angenehmer, weil es halt einfach etwas offener ist, nicht so gequetscht alles. Und die Aussicht ist natürlich besser als im Zug“, sagt sie.

Pendeln mit Kindern

Die Offenheit, die die schwimmende Brücke bietet, ist für Alleinreisende ein nettes Plus. Für Pendler, die mit Kindern unterwegs sind, erleichtert sie die Reise um einiges. Dass die Kleinen herumrennen können, sei ein großer Vorteil, erklärt Corinna Di Stefano. Sie schreibt ihre Doktorarbeit an der Uni Konstanz und pendelt seit etwa einem Jahr mit ihrer bald dreijährigen Tochter, die ebenfalls in Konstanz in die Kita geht. Für die beiden sind die 15 Minuten auf der Fähre Zeit füreinander, in der sie sich unterhalten, vespern, Kinderbücher lesen. „Zu manchen Zeiten fahren auch andere Mütter mit Kindern mit."

„Die Fähre erlaubt einem im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln viel mehr Freiraum“, findet Corinna Di Stefano. Für ihre Tochter bleibt während der Überfahrt Zeit zum Spielen und Staunen.
„Die Fähre erlaubt einem im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln viel mehr Freiraum“, findet Corinna Di Stefano. Für ihre Tochter bleibt während der Überfahrt Zeit zum Spielen und Staunen. | Bild: Anna Höpfner

Es seien wenige, aber es gebe sie. Man lerne sich mit Kindern oft automatisch kennen. "Dann wird gespielt, dann werden Bücher ausgetauscht, dann wird erzählt, Quatsch gemacht und gelacht. Auf manchen Kursfahrten kennen wir die Leute hinter der Bar, dann trinken wir einen Kaffee und einen Kinder-Cappuccino und unterhalten uns nett."

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Auf der Tábor gebe es neben der Fährführerkabine ein Holzsteuerrad zum Spielen. "Dann bleiben wir draußen und spielen "Räuberinsel-Mainau umsegeln" und "Fähre-Einparken" bis es uns draußen zu kalt wird“, sagt Corinna Di Stefano. Wenn sie einmal alleine auf der Fähre unterwegs ist, nutzt sie die Zeit für sich: „Zum Lesen, To-do-Listen schreiben, Anrufe oder E-Mails erledigen", dafür eigneten sich die 15 Minuten gut.

Wird die Fahrt zum Kurzurlaub?

Auf der Website wirbt der Fährbetrieb Konstanz-Meersburg mit einem „15-minütigen Kurzurlaub“. Gilt das nur für Touristen? Katharina Faaß findet, ja: „Als Kurzurlaub würde ich es nicht beschreiben, das wäre zu viel. Es ist eben immer noch mein Arbeitsweg. Aber ein schöner Arbeitsweg.“ Trotzdem: Spätestens, wenn die Sonne abends Richtung See wandert und das Bergpanorama in goldenes Licht taucht, stehen auch die Jeden-Tag-Fahrerenden an der Reling und schießen Fotos.

Die Fähre Lodi bei der Überfahrt.
Die Fähre Lodi bei der Überfahrt. | Bild: Peter Allgaier

Corinna Di Stefano und ihre Tochter lassen sich im Sommer gerne von dem Urlaubsflair anstecken: „Wir raten dann immer Sprachen. Und es kann durchaus auch mal passieren, dass ihr von gut gelaunten Touristen (meist im Großeltern-Alter) zwei Euro zugesteckt werden, mit denen sie sich ein Eis holen darf.“ Im Sommer fährt die Fähre durch das höhere Touristenaufkommen den Schnellkurs.

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Das bedeutet, dass es keine festen Abfahrtszeiten mehr gibt – die Fähren legen ab, sobald das Autodeck voll ist. Alle fünf bis zwölf Minuten, heißt es dann. Für Katharina Faaß der größte Störfaktor am Pendeln: Während die Autofahrenden sich freuen können, dass lange Wartezeiten am Fähranleger entfallen, sei für die Pendelnden schwierig, vorauszuplanen.

Abschalten nach der Uni

Für alle drei Pendlerinnen ist klar: Ohne die täglichen Überfahrten würden sie etwas vermissen. Corinna Di Stefano genießt den Erholungseffekt der Winterfahrten, „früh morgens, so kurz nach Sonnenaufgang, wenn die Berge zum Greifen nah erscheinen, nicht viele Leute an Bord sind und (noch) kein Radio läuft“. Für Katharina Faaß und Jana Kopp ist neben der Aussicht auf den Überfahrten auch der Abstand zur Uni ein Vorteil des Pendelns.

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Der See fungiere als Trennlinie zwischen Uni und Freizeit, erklärt Katharina Faaß. Auf der Fähre zu sitzen, bedeute, abschalten zu können. Man lasse den Stress, den Alltag, den Job gewissermaßen auf der anderen Seeseite zurück. Das bestätigt auch Jana Kopp: „Ich kenn halt ein paar, die im Wohnheim wohnen und dann direkt den Blick auf die Uni haben. Das könnte ich nicht. Aufwachen, die Uni angucken, zur Uni gehen, wieder zurückkommen, weiter die Uni angucken – ne. Ich mag den Abstand. Du kommst halt in der Stunde, die du rüber brauchst, wieder komplett runter.“

Einschränkungen während Bauarbeiten

Noch bis voraussichtlich Freitag, 22. März, steht am Fähreanleger in Konstanz-Staad nur eine Fährebrücke zur Verfügung. "Wir investieren und tauschen eine Fährebrücke komplett aus. Da in dieser Zeit nur ein Fähreanleger genutzt werden kann, kann dies zu verlängerten Wartezeiten führen", heißt es von der Schifffahrtsgesellschaft zur Begründung.

In Konstanz-Staad wird eine Fährbrücke ausgetauscht.
In Konstanz-Staad wird eine Fährbrücke ausgetauscht. | Bild: Fabiane Wieland

Die Bushaltestelle in Staad wird während der Baumaßnahme auf den William-Graf-Platz verlegt. Die Busse der Linie 1, 11, 15 sowie 4/13 + N4 (nur zu speziellen Zeiten) fahren bis und ab William-Graf-Platz, wenige Meter von der normalen Haltestelle entfernt.