Das Einkaufszentrum in der Dr.-Zimmermann-Straße soll vergrößert und umgebaut werden, der Anstoß dazu geht vom Discounter Norma aus. Doch eine entsprechende Bauvoranfrage lehnte der Ausschuss für Umwelt und Technik erst einmal ab. Denn das Gremium will vorab wissen, wie es für die angegliederten Betriebe – einen Getränkemarkt, eine Bäckerei und einen Metzger – weitergeht. Vor allem der Erhalt des "letzten handwerklichen Metzgers ins Meersburg", wie Philipp Wurster (FW) betonte, liegt den Räten am Herzen. Von den Umbauplänen, in denen "Umbau Bäcker/ Entfall Metzger" vermerkt ist, habe der Metzger noch keine Kenntnis, glaubten einige Räte zu wissen. Doch so ist es nicht, wie der SÜDKURIER erfuhr.

Metzger befürchtet steigende Anforderungen

Sämtliche Geschäfte sind Mieter einer Immobiliengesellschaft aus Limburg. Bereits im Sommer 2017 hätten Gespräche zu den Umbauplänen stattgefunden, erzählt der Meersburger Bäckermeister Markus Kränkel. Metzger Thomas Huber, der seinen Stammsitz in Altheim hat, ist davon ebenso unterrichtet. Doch im Gegensatz zu Kränkel, der auf jeden Fall bleiben und seine Filiale sogar erweitern will, ist sich Huber noch unsicher. Er befürchtet, "dass die Anforderungen zu groß werden, wenn umgebaut wird". Derzeit verhandle man. "Es kommt darauf an, was rauskommt." Huber betont: "Ich will bleiben, aber es ist eine Preisfrage." Er sei seit zehn Jahren in Meersburg. Und wenn er ginge, "täte es mir leid für meine Kunden". Sein Geschäft würde fehlen, glaubt er.

Bäckermeister Markus Kränkel freut sich auf Modernisierung

Bäckermeister Markus Kränkel hingegen sagt: "Für uns ändert sich nicht viel, höchstens zum Positiven." So soll er künftig eine Kundentoilette bekommen und mehr Platz für eine Café-Bewirtung. Seit 2015 betreibt Kränkel, der insgesamt sieben Filialen hat, seinen Laden beim Norma. 2016 habe er dort eine stattliche Summe in eine neue Einrichtung investiert, erzählt er. Er freue sich auf die Modernisierung: "Norma hat den Anspruch auf Mehr, wir auch."

Das könnte Sie auch interessieren

Norma-Niederlassungsleiter: "Wir müssen den Kunden mehr bieten"

Und was sagt Norma zur Zukunft von Getränkemarkt, Bäcker und Metzger? "Wir hätten gerne, dass sie bleiben", betont Niederlassungsleiter Stephan Schlegel aus Dettingen an der Iller. Solche Geschäfte seien keine Konkurrenz, im Gegenteil: "Es hilft uns, wenn starke, regionale Betriebe drin sind. Wir sehen das als positive Ergänzung." Norma sei die treibende Kraft für die Modernisierung des Centers gewesen. "Wir müssen den Kunden mehr bieten", sagt Stephan Schlegel. Dazu gehöre etwa mehr Komfort, zum Beispiel durch bessere Beleuchtung, breitere Gänge und "ein paar neue Regale". Zwar wolle man die Verkaufsfläche von derzeit 700 Quadratmeter auf 900 Quadratmeter vergrößern, doch das Sortiment solle das gleiche bleiben. Das gelte auch für die Backwaren. So backe man zwar heute schon "ein paar Artikel auf", doch ein Back-Shop wie ihn andere Discounter betreiben, sei auch nach dem Umbau nicht vorgesehen.

Verwaltung soll sich für Erhalt der Geschäfte einsetzen

Insgesamt soll der geplante Anbau in Richtung Dr.-Zimmermann-Straße laut Stadtbauamt rund 250 Quadratmeter betragen. Dafür wäre aber eine Befreiung von den festgesetzten Baugrenzen nötig. Dem kann die Kommune, die ausschließlich die baurechtliche Seite zu beurteilen hat, zustimmen, muss sie aber nicht. Bei der Ablehnung der Bauvoranfrage mit sieben Nein- zu vier Jastimmen stand im Ausschuss allerdings nicht die baurechtliche Seite im Vordergrund, sondern die Sorge der Räte um die Mieter. Sie baten die Verwaltung, einen Brief an Norma zu schreiben und sich im Namen der Stadt und des Rats dafür einzusetzen, dass die anderen Geschäfte, insbesondere der Metzger, erhalten bleiben.

Bürgermeister Robert Scherer versprach dies und bekräftigte gegenüber dem SÜDKURIER, die Stadt werde mit der Immobiliengesellschaft Kontakt aufnehmen und "versuchen, gemeinsam einen Weg zu finden".