Der Ausblick in die Zukunft, mit dem Stadtentwicklungsplan 2030 als rotem Faden, hat bei Robert Scherers erstem Neujahrsempfang als Bürgermeister naturgemäß breiteren Raum eingenommen als der Rückblick auf die gerade einmal zehn Monate, die seit seinem Amtsantritt vergangen sind. Doch auch was die Aussichten betraf, "geht es mir ums Große, nicht um Details". Mit diesen Worten bereitete Scherer die Zuhörer schmunzelnd darauf vor, dass sie sich bei seiner Ansprache nur eine knappe halbe Stunde zurücklehnen könnten – eingerechnet die Begrüßung der vielen Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Außerdem kündigte der neue Bürgermeister an, die Ehrungen verdienter Bürger, früher Teil des Neujahrsempfang, verdienten einen eigenen Rahmen und fänden am 17. Mai statt. Scherer bat an dieser Stelle um einen Applaus für die Ehrenamtlichen, die in Meersburg in vielen Bereichen eine wichtige Rolle spielten. So sei etwa die Integration der Flüchtlinge "ohne die Unterstützung der Bürgerschaft gar nicht vorstellbar".

Beifall spendeten die Gäste in der Sommertalhalle sowohl für die prägnante Ansprache von Robert Scherer als auch das souveräne Spiel der Knabenmusiker.
Beifall spendeten die Gäste in der Sommertalhalle sowohl für die prägnante Ansprache von Robert Scherer als auch das souveräne Spiel der Knabenmusiker. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Als Einstieg in seine Rede wählte Scherer das im SÜDKURIER erschienene Neujahrsfoto von Alexander Schnurer, das Meersburg unter einem gigantischen Mond zeigt. Das Bild symbolisiere für ihn zum einen die Einzigartigkeit Meersburgs, zum anderen einen "neuen Start, den wir ab 2018 hoffentlich zusammen machen können". So plane die Stadt im Mai eine große Eröffnungsveranstaltung zur Bürgerbeteiligung für den Stadtentwicklungsplan. Scherer appellierte an die Bürger: "Gestalten Sie die Stadt mit. Lassen Sie uns gemeinsam den roten Faden entwickeln."

Die Meersburger müssten aber mit ihren Anregungen – und vielleicht auch mit Kritik – nicht bis dahin warten, sondern könnten diese etwa bereits im Bürgercafé äußern, zu dem die Stadt sie am 23. Februar ins Café Groß einladen werde. Außerdem beteilige sich Meersburg ab Februar als erste Kommune, neben Friedrichshafen und dem Kreis, an der Online-Plattform "Sag's doch", auf der Bürger ihre Anliegen vortragen könnten und binnen zehn Tagen eine Rückmeldung erhielten.

Trachtenfrau Claudia Herzer-Schneider schenkt Meersburger Secco aus, von dem auch Hermine Muffler (links) und Irma Nüssle (Mitte) gern ein Gläschen nehmen. Bilder: Sylvia Floetemeyer
Trachtenfrau Claudia Herzer-Schneider schenkt Meersburger Secco aus, von dem auch Hermine Muffler (links) und Irma Nüssle (Mitte) gern ein Gläschen nehmen. Bilder: Sylvia Floetemeyer | Bild: Sylvia Floetemeyer

Was den Stadtentwicklungsplan angeht, hofft Scherer, dass dieser Ende 2018 stehe und man 2019 bereits erste Vorhaben umsetzen könne. Aber bis dahin werde die Stadt nicht untätig sein, sondern parallel zum Konzeptentwurf erste Maßnahmen verwirklichen, etwa zur Belebung der Altstadt. Scherer nannte hier unter anderem die bis März anvisierte Vermietung des Zollhauses und der Alten Wache, für die "spannende Angebote" eingegangen seien, sowie die Sanierung des Ratskellers. Wer das alles bezahlen solle? Der (Kern-)Haushalt der Stadt ist laut Scherer auch 2018 schuldenfrei. "Starkes Interesse an Lösungen" hätten er und der Rat auch in puncto Parken und Verkehr, versicherte Scherer. "Ich bin sicher, das werden wir gemeinsam schaffen." Was den geplanten Ausbau der B 31 betreffe, so werde ein externes Planungsbüro 2018 im Auftrag des Regierungspräsidiums rund 20 Varianten prüfen. Letzterem sei Transparenz wirklich wichtig, betonte Scherer.

Die Knabenmusik Meersburg unter der Leitung von Christoph Maaß glänzte auch beim Neujahrsempfang 2018 mit einem abwechslungsreichen Programm.
Die Knabenmusik Meersburg unter der Leitung von Christoph Maaß glänzte auch beim Neujahrsempfang 2018 mit einem abwechslungsreichen Programm. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Eine kurze Zwischenbilanz des 2017 Geleisteten gab er aber auch. So habe man die Therme saniert und in eine GmbH & Co KG umgewandelt, die Sanierung des Feuerwehrgerätehauses auf den Weg gebracht, Bebauungspläne abgeschlossen und Satzungen aufgearbeitet. Auch der Bau des Mittelalterhotels in der Unterstadt solle dank einer mit der Stadt erzielten Lösung in den nächsten drei Wochen endlich starten. Meersburg brauche neue Hotelbetten und müsse auch sonst an der Aufenthaltsqualität arbeiten. Scherer schloss mit einem flammenden Appell: "Lassen Sie uns mutige Entscheidungen für Meersburg treffen, nur so bleiben wir attraktiv. Lassen Sie mich und uns quer denken und kreativ denken, damit wir nicht im Einheitsbrei der Banalität versinken. Lassen Sie die Neugier über die Bequemlichkeit siegen."