Michael Blume eilte auf die Bühne des Theatersaals im Augustinum und sprach seine Zuhörer direkt an. Wortgewandt und mit vielen Beispielen gespickt bereitete er das Tabuthema für die Öffentlichkeit auf. Seit einem Jahr zieht er für die Landesregierung gegen Antisemitismus ins Feld. Wie sich „Alte Mythen in Neuen Medien“ zu Judenfeindlichkeit und weit darüber hinaus entwickeln und zu allgemeiner Gefahr werden können, darüber hat er ein Buch geschrieben. Dem Meersburger Publikum sagten Blumes Ausführungen offensichtlich zu. Auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen war darunter. Im Anschluss an den Vortrag stellten sich viele Besucher an, das jüngst im Patmos Verlag erschienene Hardcover zu erwerben und vom Autor direkt signieren zu lassen.

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„Der antisemitische Hass macht vor niemandem Halt“, sagte Blume. Gleichzeitig machte er klar, ungerechte Vorurteile in Form von Schubladendenken hätten das jüdische Volk durch die Geschichte begleitet. Mithilfe verschiedener Medienformen hätten sich Stereotype besonders gut weiter verbreiten können. Als Beispiele zog er mit die Erfindung des Buchdrucks heran.

Juden fühlen sich im Internet bedroht

Mithilfe des geschriebenen Worts habe der Reformator Martin Luther zum Ende seiner Schaffensperiode vielen Menschen seine judenfeindlichen Schriften nahe bringen können. „Ohne Radio und Film hätten die Nationalsozialisten niemals die Deutsche Demokratie vernichten können“, führte Blume ein weiteres Exempel heran. Dann kam er auf die digitalen Medien zu sprechen. Einer Umfrage aus dem Vorjahr zufolge fühlten sich rund 90 Prozent der Juden im Internet bedroht. Online vermengen sich nach Auffassung des 42-Jährigen verschiedenste Stereotype und das rasend schnell. Die Hetzkampagnen weiteten sich auch auf Nichtjuden aus, wusste der mit einer Muslima verheiratete, evangelische Christ zu berichten.

Die Flüchtlingsbewegung birgt für Blume ebenfalls Gefahrenpotenzial. Menschen aus dem arabischen Raum seien mit antijüdischen Mythen groß geworden und gäben diese sicher nicht an der Grenze ab, so seine Befürchtung. Peter Stiefel, Vorsitzender der Synagogengemeinschaft Konstanz, hatte bereits bei der Begrüßung auf die Ängste der jüdischen Bevölkerung vor judenfeindlichen Einwanderern hingewiesen. Antisemitismus komme aber auch „in der Mitte unserer Gesellschaft vor“, unterstrich Blume.

Das Buch von Michael Blume "Warum der Antisemitismus uns alle bedroht" ist in 1. Auflage 2019 im Verlag Patmos erschienen und für 19 Euro erhältlich.

Das weitere Programm der Jüdischen Kulturwochen

23. April, 19.30 Uhr: Oswald Burger, Vortrag „Judaica in der Leopold-Sophien-Bibliothek – unter anderem die neu entdeckte Bomberg-Bibel“ im Theatersaal, Augustinum

24. April, 19 Uhr: Kurt Schrimm, „Schuld, die nicht vergeht“, Überlingen Augustinum

25. April, 19.30 Uhr: Oswald Burger, „NS-Täter aus dem Bodenseekreis“, „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“, Bände 5 und 9 im Literaturcafé, Jufa-Hotel

28. April, 17 Uhr: Helmut Zeller: Abba Naor „Ich sang für die SS: Mein Weg vom Ghetto zum israelischen Geheimdienst“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

29. April, 19.30 Uhr: Film „ Menschliches Versagen“ – Arisierungen im III. Reich im Literaturcafé, Jufa-Hotel

5. Mai, 17 Uhr: Rabbiner Joel Berger, „Gesetz-Ritus-Brauch: Einblick in jüdische Lebenswelten“ im Wein-und Kulturzentrum Winzerverein Meersburg

6. Mai, 19.30 Uhr: Klezmerkonzert mit der Gruppe Maseltov im Wein-und Kulturzentrum Winzerverein Meersburg

7. Mai, 19.30 Uhr: Melissa Müller, „Alice Herz-Sommer – Ein Garten Eden inmitten der Hölle“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

8. Mai, 19.30 Uhr: Gudrun Sailer, „Monsignorina: Die deutsche Jüdin Hermine Speier im Vatikan“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

9. Mai, 19.30 Uhr: Professor Wolfgang Benz, „Im Widerstand: Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler“ im Theatersaal, Augustinum

12. Mai, 19.30 Uhr: Filme „Sonderauftrag Führermuseum“/„Der Schatz im Salzbergwerk – Kunstraub im III. Reich“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

13. Mai, 19.30 Uhr: Michael E. Dörr, „Erinnerungen an Hans Rosenthal“ inklusive Originalaufnahmen im Literaturcafé, Jufa-Hotel

14. Mai, 19.30 Uhr: Monika Taubitz, „Dort geht Katharina oder Gesang im Feuerofen“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

15. Mai, 19.30 Uhr: Film „Im Himmel und unter der Erde – Der jüdische Friedhof Berlin-Weißensee“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

16. Mai, 19.30 Uhr: Andrea von Treuenfeld, „Israel – Momente seiner Biografie“ im Literaturcafé, Jufa-Hotel

Das Programm ist online einzusehen unter: http://www.juedische-kulturwochen-bodensee.de. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos. Spenden sind willkommen. Die Jüdischen Kulturwochen finden heuer zum dritten Mal statt. Organisiert werden die Veranstaltungen von der Synagogengemeinschaft Konstanz und dem Meersburger Kulturverein. Die Schirmherrschaft haben die Ministerin im Staatsministerium Theresa Schopper und Bernhard Prinz von Baden inne.