China und Georgien, Italien, Frankreich oder Griechenland – die Sommelière und selbstständige Weinfachberaterin Nicole Vaculik ist in Sachen Wein nahezu weltweit unterwegs. Sie präsentiert für Winzer und Weinbauern deren Erzeugnisse auf Messen oder gibt Interessierten Fortbildungen, außerdem bewertet und verkostet sie als Jurymitglied Weine für internationale Wettbewerbe.

Spaß bei der Arbeit: Beim Concours Mondiale de Bruxelles in China schlüpften Nicole Vaculik (rechts) und ihre Kollegin in traditionelle chinesiche Kleidung.
Spaß bei der Arbeit: Beim Concours Mondiale de Bruxelles in China schlüpften Nicole Vaculik (rechts) und ihre Kollegin in traditionelle chinesiche Kleidung. | Bild: privat

"Es macht mir Spaß in andere Länder zu reisen", sagt die Meersburgerin. Manchmal sei es aber auch anstrengend. So habe sie beim Concours Mondiale de Bruxelles, der dieses Jahr in China stattfand, drei Tage lang jeden Vormittag etwa 50 bis 60 Weine zu verkosten gehabt. Zusammen am Tisch mit Kollegen aus Belgien, Kanada und China habe sie internationale Weine nach Optik, Geruch und Geschmack bewertet und Punkte für die Medaillenvergabe verteilt.

Nur zwei Frauen unter rund 400 Juroren

Unter den rund 400 Juroren aus 39 Ländern seien sechs Deutsche gewesen, aber insgesamt nur zwei Frauen. "Es herrscht unter den Weinfachleuten schon noch eine große Männerdominanz", sagt sie und erzählt, dass es auf Messen schon mal vorkomme, dass man sie für eine Messehostess oder eine Weinprinzessin halte. Dies nimmt die Anfangvierzigjährige mit Humor, zumal sie überwiegend positive Erfahrungen macht.

Weinproben gibt sie in vielen Sprachen

So zum Beispiel in Georgien, wo sie Sommelièrs in Tiflis Basiswissen vermittelt hat. "Die allesamt männlichen Restaurantleiter haben mich sehr respektvoll behandelt." In Georgien brauchte sie eine Dolmetscherin, ansonsten gibt sie viele Weinproben auf Englisch, zusätzlich kann sie in Tschechisch, Italienisch, Spanisch oder Französisch über den Rebensaft sprechen.

Vertrauensverhältnis zu den Winzern ist ihr wichtig

Unter ihren Kunden sind viele Italiener und oft denken Außenstehende, sie gehöre zur Winzerfamilie, weil sie schon so lange für die Betriebe arbeite. "Das Vertrauensverhältnis zu den Winzern ist für mich sehr wichtig", sagt Vaculik. "Ich stehe auch 100-prozentig hinter den Weinen, die ich vertrete. Wenn es mal nicht passen würde, würde ich natürlich ablehnen."

Vorurteil eines Luxuslebens

Vielfach begegne sie dem Vorurteil, sie würde ein Luxusleben führen. Die besten Hotels, die erlesensten Weine und das feinste Essen. "Dabei sieht aber kaum einer, dass ich selbstständig bin und meine Fortbildungen aus der eigene Tasche zahlen muss. Weinreisen in Weingegenden nach Frankreich oder Kalifornien finanziert mir keiner."

Sie muss auf dem Laufenden bleiben

Diese seien aber wichtig für sie, um die Erzeugnisse der Region und die verschiedenen Böden der Anbaugebiete kennenzulernen oder um auf dem Laufenden zu bleiben, wenn ein Generationenwechsel auf einem Weingut stattfindet und der Junior neue Wege geht. Allein durch Nennung eines Anbaugebiets oder eines Winzers kann sie den Wein charakterisieren.

"Mein Wissen ist mein Kapital"

"Mein Wissen ist mein Kapital. Was ich nur auswendig lerne, vergesse ich schnell, darum bin ich dankbar, die Winzer und ihre Produkte persönlich zu kennen", sagt sie. Auch wenn etliche ihrer Kollegen, den Weg von der Selbstständigkeit in eine Festanstellung gegangen seien, genießt sie ihre Unabhängigkeit und es ist ihre "Passion, sich mit Menschen zu treffen, die ihren Wein von Herzen machen".

Gerne auch mal ein kühles Bier

Natürlich gäbe es ebenso Weine, die ihr persönlich nicht schmecken. Aufgrund ihrer Ausbildung, unter anderem an der Sommelierschule Koblenz und der Weinakademie in Rust/Österreich, ist es der Weinexpertin aber möglich "neutral zu bleiben und den eigenen Geschmack zurückzustecken". Privat darf es gerne mal ein kühles Bier sein, sie genießt aber gleichermaßen einen grünen Tee oder einen guten Kaffee.