Bei schönem Herbstwetter feiert der Winzerverein Meersburg seinen traditionellen Suserhock vor seinem Wein- und Kulturzentrum und im Glas bitzelt ein ganz besonderer junger Most: gekeltert aus Bacchus-Trauben. Am vergangenen Mittwoch hat bei der Genossenschaft, der rund 30 Winzerbetriebe angehören, die Lese 2016 begonnen. Den Auftakt machte die Ernte der Rebsorten Müller-Thurgau und Bacchus. Die Bestimmung des richtigen Lesebeginns "ist das A und O bei der Weinlese", betont Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins. Starte man zu früh, so erhalte man "grünliche, unausgereifte Noten" und fange man zu spät an, dann sei die Fäulnis schon zu stark.

Doch man habe den richtigen Zeitpunkt erwischt, zeigt sich Frank zufrieden. Und deshalb ist die Stimmung beim Suserhock nicht nur bei den zahlreichen Besuchern, sondern auch bei den Mitgliedern und Mitarbeitern des Winzervereins entspannt. Passend zu Suser und Wein aus Vorjahresernten servieren Letztere Schmalzbrote, deftigen Zwiebelkuchen aus der Bäckerei Mayer sowie eine zünftige, hausgemachte Kartoffelsuppe, die Wolfgang Müller gekocht hat.

Der Suserhock des Winzervereins Meersburg lockt auch spontane Besucher wie Claus Unger, Bürgermeister von Ehningen, und seine Frau Martina. Bild: Sylvia Floetemeyer
Der Suserhock des Winzervereins Meersburg lockt auch spontane Besucher wie Claus Unger, Bürgermeister von Ehningen, und seine Frau Martina. Bild: Sylvia Floetemeyer
Brennmeister und Jungwinzer Heiko Herp kredenzt seine Brände und Liköre. Bild: Sylvia Floetemeyer
Brennmeister und Jungwinzer Heiko Herp kredenzt seine Brände und Liköre. Bild: Sylvia Floetemeyer
Und neben Suser und Wein werden auch noch gehaltvollere Tropfen kredenzt: Brennmeister und Jungwinzer Heiko Herp schenkt aus seinem beachtlichen Sortiment von rund 20 Bränden und Likören aus. So hat Herp etwa einen alten Spätburgunder-Weinbrand, gelagert im Eichenfass, im Angebot oder auch einen Mirabellenbrand, einen Apfel-Zimt-Likör oder einen Holunderblütenlikör. Seit 2012 ist der gelernte Maschinenbauer Brennmeister und seit Kurzem treibt er, neben seinen Obstwiesen, außerdem 0,6 Hektar Rebfläche um, auch wenn der 43-Jährige über die Bezeichnung "Jungwinzer" schmunzeln muss.

Für die musikalische Unterhaltung sorgen, wie immer beim Suserhock, die "Hersberg Musikanten" aus Immenstaad-Kippenhausen, denen auch Martin Frank und sein Vater Max angehören. Das Fest zieht nicht nur treue einheimische Besucher an, sondern lockt spontan ebenso Feriengäste wie Claus Unger, Bürgermeister von Ehningen bei Böblingen, und seine Frau Martina. Sie kamen eigentlich zum Weinkaufen ins Wein- und Kulturzentrum. Doch erst genießen sie die gemütliche Atmosphäre bei einem Gläschen Suser, bevor sie dann tatsächlich mit zwei Kartons Wein weiterziehen.

Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg. Bild: Sylvia Floetemeyer
Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg. Bild: Sylvia Floetemeyer

Winzerchef Martin Frank: "Wir rechnen mit sehr guten Qualitäten"

Vier Fragen an Martin Frank, Geschäftsführer des Winzervereins Meersburg

Läuft die Weinlese bis jetzt erwartungsgemäß?
Wir sind zufrieden und, was die Qualität angeht, positiv überrascht, denn es war doch ein schwieriger Jahrgan

Inwiefern?
Aufgrund des Vegetationsverlaufs: Es gab Verrieselungen bei der Blüte wegen Frosts im Frühjahr. Dann hatten wir gleichzeitig Feuchtigkeit und Wärme, die Infektionskrankheiten wie der Peronospora (Falscher Mehltau) Vorschub leisteten.


Hatten Sie nicht auch Probleme mit der Kirschessigfliege?
Ja, wir hatten 2016 eine so große Population wie schon 2014. Es gab die ganze Zeit ein volles Monitoring durch das Weinbauinstitut. Wir haben entsprechende Pflanzenschutzmaßnahmen ergriffen und die Winzer haben das Blattwerk ausgedünnt, denn die Fliege, die vor allem an die roten Beeren geht, mag keine große Sonneneinstrahlung.

Wie sind die Aussichten für den Jahrgang 2016?
Wir werden voraussichtlich sehr gute Qualitäten bekommen, allerdings keine Riesenmengen, vor allem nicht bei den Burgundersorten.

Fragen: Sylvia Floetemeyer