Marcus Samsa liegt auf dem Sofa und schaut fern. Auf seinem Gesicht ist ein leichtes Lächeln zu erkennen. Acht lange Monate musste er genau auf dieses Gefühl verzichten. Monate, in denen er sich zurück in den Alltag gekämpft hat. Und der Weg ist noch lange nicht zu Ende.

„Die Freunde in Meersburg haben mir wirklich gefehlt“

Der 40-Jährige, der am 12. November 2018 auf Bali einen schrecklichen Badeunfall hatte und seitdem querschnittsgelähmt ist, ist wieder zuhause. Er ist da, wo seine Freundin und seine Freunde sind. Und genau das hat er acht Monate vermisst. „Ich habe natürlich in der Klinik und in der Reha in Bad Wildbad viele neue Leute kennengelernt, aber die Freunde in Meersburg haben mir wirklich gefehlt“, sagt er rückblickend.

Samsa im Konstanzer Klinikum im Dezember 2018, wo er regelmäßig aufgesetzt wurde. Allerdings nur mit Stützkissen, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht alleine sitzen konnte.
Samsa im Konstanzer Klinikum im Dezember 2018, wo er regelmäßig aufgesetzt wurde. Allerdings nur mit Stützkissen, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht alleine sitzen konnte. | Bild: Jäckle, Reiner

Es geht ihm den Umständen entsprechend gut

Mittlerweile geht es Marcus Samsa den Umständen entsprechend gut. Seit April war er in der Reha in Bad Wildbad und am Oberkörper einiges an Muskeln dazugewonnen. Er kann seine Arme selbstständig bewegen, auch wenn die Fingerfertigkeit noch deutlich eingeschränkt ist. „Ich kann das Handy und die Fernbedienung des Fernsehers bedienen“, sagt er stolz. „Und sogar ein Glas Wein oder ein Zäpfle alleine trinken.“ Damit hat er ein ganzes Stück Selbstständigkeit zurückerkämpft. Der 40-Jährige kann sich sogar, wenn man ihn aufsetzt, alleine halten. „Es fehlen halt noch ein paar Muskeln, aber ich bin zufrieden“, erzählt er.

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Nur seine Beine kann Samsa immer noch nicht bewegen. Er spürt immer wieder ein Kribbeln. „Manchmal kann ich sogar den linken großen Zeh bewegen“, sagt er stolz. Aber ohne Rollstuhl kann er sich nicht fortbewegen.

Da war noch alles gut: Marcus Samsa bei seinem Bali-Urlaub kurz vor dem dramatischen Badeunfall.
Da war noch alles gut: Marcus Samsa bei seinem Bali-Urlaub kurz vor dem dramatischen Badeunfall. | Bild: privat

Neue Bleibe in der Dienstwohnung auf der Haltnau

Als Marcus Samsa vor etwa neun Monaten Meersburg verlassen hatte, um einen erholsamen Urlaub auf Bali zu erleben, lebte er mit seiner Freundin Mandy Neumann im dritten Stock in einem engen Haus in Meersburg. Jetzt lebt er mit ihr in einer Dienstwohnung auf der Haltnau, wo sie Restaurantleiterin ist. „Es ist super hier“, sagt Samsa. „Ein paar Sachen werden wir noch einbauen, aber ich fühle mich wohl.“ Er genießt den Alltag im Restaurant und am Wasser. Hier, wo er vor einem Jahr noch selbst als Barleiter gearbeitet hat, möchte er im kommenden Jahr wieder mitarbeiten. „Ich bin täglich am Trainieren, bekomme Ergo- und Physiotherapie sowie Massagen und hoffe, dass ich kommendes Jahr wieder soweit bin, dass ich Büroarbeiten machen oder organisatorisch helfen kann“, blickt er nach vorne.

Seine Freunde kümmern sich um Marcus Samsa. Immer wieder holt ihn jemand ab und geht mit ihm etwas trinken. „Die sorgen schon dafür, dass es mir nicht langweilig wird“, sagt der 40-Jährige mit einem breiten Grinsen. Und er freut sich auf den Herbst, wenn er seinen Elektro-Rollstuhl bekommt. Dann ist er noch mobiler.

Der Meersburger sitzt seit seinem Badeunfall im Rollstuhl.
Der Meersburger sitzt seit seinem Badeunfall im Rollstuhl. | Bild: Südkurier

Achtmonatige Odyssee von Bali über Konstanz nach Tübingen, Bad Wildbad und Meersburg

Marcus Samsa fühlt sich mittlerweile zuhause angekommen. Am 9. Juli war seine fast exakt achtmonatige Odyssee von Bali über Konstanz nach Tübingen, Bad Wildbad und Meersburg vorerst beendet. In dieser Zeit hat sein Schicksal eine ganze Region berührt. Der 40-Jährige hatte keine Auslandskrankenversicherung und musste die Krankenhauskosten und den Rücktransport selbst übernehmen. Viele spendeten – und dafür ist Marcus Samsa sehr dankbar: „Das hat mich immer motiviert, nicht aufzugeben.“ Es haben sich sogar einzelne Personen gemeldet, wie eine ältere Dame, die nicht nur eine stolze Summe spendete, sondern auch mit Ratschlägen helfen konnte. „Das wäre ohne die Unterstützung der Medien wie den SÜDKURIER nicht möglich gewesen“, sagt er voller Dankbarkeit. Die Operationen und der Rücktransport haben mehr als 150 000 Euro gekostet, was ohne diese Hilfe kaum zu stemmen gewesen wäre. Nun stehen allerdings weitere Investitionen an, um das Umfeld rollstuhlfähig zu machen.

Benefizkonzert am Sonntag auf der Haltnau

Die Hilfsbereitschaft reißt nicht ab: Am Sonntag, 21. Juli, findet ein Benefizkonzert zugunsten von Marcus Samsa statt. Die Dixielandband „Jakobine hot 7“ aus Konstanz spielt von 11 bis 14 Uhr im Biergarten des Rebgut Haltnau. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten, die Marcus Samsa zugutekommen. Erselbst wird vor Ort sein.

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