Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat sich seit einiger Zeit vermehrt mit der Nutzung von Ferienwohnungen zu beschäftigen. Jüngst wurde zum Beispiel der Nutzung einer Wohnung als Ferienwohnung in der Dr.-Zimmermann-Straße mehrheitlich zugestimmt. Die Ferienwohnung im Dachgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses sei ordnungsgemäß angemeldet und werde schon seit 2014 bei Meersburg Tourismus geführt, erklärte Stadtbaumeister Martin Bleicher.

Insgesamt 484 Ferienwohnungen mit 1557 Betten

Nach Angaben von Bürgermeister Robert Scherer sind in Meersburg 484 Ferienwohnungen mit 1557 Betten gemeldet. Ob das zu viele sind? Diese Frage hat der Ausschuss Anfang Oktober vergangenen Jahres an den Gemeinderat weitergegeben. Gewünscht wird, eine klare Linie hinsichtlich der Unterkünfte zu erarbeiten.

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Der Bürgermeister sagt: „Ferienwohnungen sind genauso wichtig wie alle anderen Wohnformen auch. Der Stadt Meersburg geht es um die Verhältnismäßigkeit der jeweiligen Anzahl.“ Hierzu werde sich der Gemeinderat in diesem Jahr noch auseinandersetzen, damit ein Steuerungsinstrument für die Nutzformen des sehr knapp vorhandenen Wohnraums für die Zukunft entwickelt werden könne.

Auslöser für die Weitergabe vom Ausschuss an den Gemeinderat waren vier Anträge auf Umnutzung von Wohnraum in Ferienwohnungen gewesen, die der Ausschuss mehrheitlich abgelehnt hatte. Auch im September war ein entsprechender Antrag abgelehnt worden.

Brisant: Nicht alle Nutzungsänderungen hatten neue Ferienwohnungen betroffen, sondern auch Altbestand. Eine Unterkunft wurde nach damaligen Angaben von Stadtbaumeister Martin Bleicher bereits seit 30 Jahren genutzt. Aufgrund einer Änderung im Baurecht seien die Vermieter teils vom Landkreis dazu aufgefordert worden, die Nutzung baurechtlich genehmigen zu lassen, hieß es in der Oktober-Sitzung.

Baurechtliche Genehmigung schon immer notwendig

Eine dementsprechende Änderung im Baurecht gab es aber gar nicht. Dies erklärt Lisa Jaeger von der Abteilung Baurecht im Landratsamt Bodenseekreis auf Nachfrage. „Es war schon immer eine Genehmigung erforderlich“, sagt Jaeger. Eine exakte Definition im Gesetz gebe es seit 2017. „Das Thema Wohnungsknappheit und die Berichterstattung in den Medien führt auch dazu, dass das Thema bei den Bürgern und den Behörden stärker in den Fokus rückt“, vermutet Jaeger.

Sie bestätigt auch, dass das Landratsamt in mehreren Fällen die Nutzung von Ferienwohnungen überprüft hat. „In allen diesen Fällen ist der Sachverhalt von außen an uns herangetragen worden, zum Beispiel von Nachbarn“, so Jaeger. Informanten seien häufig Nachbarn. Gibt es keine Genehmigung, verweist die Behörde auf einen neuen Antrag.

Drei Abstimmungen als Beispiel

Auch Bürgermeister Scherer sagt: „Eine baurechtliche Genehmigung ist parallel zur Anmeldung einer Ferienwohnung bei Meersburg Tourismus entsprechend der gesetzlichen Regelungen erforderlich. Dies ist eigentlich nichts Neues. In der Vergangenheit haben es viele Anbieter sicherlich oftmals aus Unwissenheit versäumt.“

Hotelfachfrau appelliert um Übergangslösung

Eine, die sich über die aktuelle Entwicklung nicht wundert, ist Britta Hoffmann, die 14 Jahre bei der Stadt Meersburg gearbeitet hat und dort für die Gastgeber zuständig war. Heute betreibt sie eine Ferienwohnungsagentur. Mit Blick auf die Abstimmungen im Ausschuss hat sie sich beim SÜDKURIER gemeldet. Anstelle von Ablehnungen würde sich Hoffmann eine Übergangsregelung wünschen. Auf jeden Fall solange der Gemeinderat „in der Entscheidungsfindung ist“.

Die Hotelfachfrau argumentiert bezüglich der Ferienwohnungen: „Es ist eine Erwerbsmöglichkeit, vor allem für Frauen. Gerade für ältere Frauen.“ Zudem sind ihr zufolge in Meersburg mehr Betten in Ferienwohnungen als in Hotels vorhanden. „Der Vorteil ist, dass die Gäste drinnen sein können“, nennt Hoffmann ein Beispiel für schlechteres Wetter.

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Sich grundsätzlich gegen die Unterkünfte auszusprechen, hält Hoffmann für ein „bisschen zu kurz gedacht“. Es würden auch wieder viele Wohnungen abgemeldet, weil es den Gastgebern zu anstrengend sei. „Man muss das offensiver vom Tourismus her angehen“, meint sie. „Sind wir ein Tourismusort, oder sind wir keiner?“ Urlauber hätten ein anderes Konsumverhalten als Bürger – beispielsweise auf dem Wochenmarkt, in Läden oder beim Bäcker.

„Es entsteht eine Wertschöpfung aus dem Tourismus“

Die Stadt erhalte die Kurtaxe und Zuschüsse vom Land aus der Tourismusförderung. Ferner wird eine Fremdenverkehrsabgabe erhoben. „Es entsteht eine Wertschöpfung aus dem Tourismus“, sagt Hoffmann. Würde sich eine Ablehnung von Ferienwohnungen auf dieses Gebilde auswirken? Sicher „nicht nach zwei Jahren“, so Hoffmann: „Aber irgendwann, wenn man keine neuen Wohnungen mehr genehmigt.“

Die Hotelfachfrau würde von einem möglichen Zweckentfremdungsverbot zumindest die Altstadt ausschließen. Die Häuser kaufe niemand, saniere niemand, wenn er nicht die Möglichkeit habe, auch an Urlauber zu vermieten, meint sie. Und es gebe Gründe für Ferienwohnungen: „Zum Beispiel wenn es sich um einen sehr privaten Bereich handelt, wo nicht immer jemand sein soll.“ Zweitwohnungen findet sie nach eigener Aussage „viel schlimmer“. Hoffmann: „Da sind die Rollläden das ganze Jahr unten, außer drei Wochen im Sommer.“

Wohnraum für Bürger, Betten für Touristen

Wie die Meersburger Stadträte die Sache sehen? In zurückliegenden Ausschusssitzungen sprachen sie sich mehrheitlich dafür aus, den Bestand an Ferienwohnungen schützen zu wollen. Deutliche Kritik gab es an neuen Domizilen. Versucht wird nun der Spagat zwischen genügend bezahlbarem Wohnraum für Bürger und ausreichend Betten für Urlauber in einer Touristenstadt.

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