Die Leiterin des Forums Fotografie am Bodensee in Konstanz hat am Donnerstagabend im Augustinum vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg über das Wirtschaftswunder bis hin zu den Studentenunruhen in den 1968er Jahren einen fotografischen Bogen geschlagen. Anhand von 50 Schwarzweiß- und Farbaufnahmen zeigte sie außerdem drei Fotografie-Strömungen: die subjektive-, die Life- und die Kunst-Fotografie. Rund 40 Gäste waren in den Theatersaal gekommen.

Der Fokus des einstündigen Vortrags lag auf Fotoarbeiten renommierter Fotografen, die durch ihre Arbeit oder ihre Herkunft mit der Bodenseeregion verbunden sind oder waren. So zum Beispiel Marta Hoepffner, die in ihrer "Fotoprivatschule" 1000 Fotografiestudenten unter anderem auch in Kressbronn am Bodensee ausbildete. Oder aber der gebürtige Ravensburger Guido Mangold, der Ludwig Erhard, Konrad Adenauer sowie John F. Kennedy ablichtete und Uschi Obermaier aus der Kommune I entdeckte.

Marta Hoepffner setzte bereits in den 60er Jahren fotografische Effekte ein.
Marta Hoepffner setzte bereits in den 60er Jahren fotografische Effekte ein. | Bild: Real Estate Marta Hoepffner

Die gezeigten Bilder erzählen die Geschichte von Krieg und Zerstörung sowie der Hoffnung, dass es nach der verheerenden Kriegskatastrophe wieder aufwärtsgeht. Die Straßen in den Schwarzweißbildern des Ludwigshafener Hannes Kilian von 1962 sind wieder asphaltiert. Italienische Gastarbeiter stehen 1964 am Stuttgarter Hauptbahnhof. Er fotografiert den Maler Otto Dix vor dessen Haus in Hemmenhofen und ein Jahr später das US-Modell Twiggy. Die ausländischen Einflüsse auf deutsche Mode werden sichtbar. Die Referentin zieht auch eine Verbindung zu Malerei und den darstellenden Künsten Tanz und Musik. So beispielsweise ablesbar an den Karajan-Fotos, die der Überlinger Siegfried Lauterwasser als Festspielfotograf schoss.

Gleichzeitig gewährt die Fotojournalistin Dorothea Cremer-Schacht auch Einblicke in Fotokunst, wie zum Beispiel bei den experimentellen Bildern von Marta Hoepffner oder bei Kooperationen von Maler und Fotograf. Cremer-Schacht zeigt die Gemeinschaftsarbeiten von Georg Muche und Werner Stuhle. Eine Fotografiereihe von vertrockneten Eulen wird darin durch nachträgliche Bleistift-Schraffuren zum Kunstobjekt. Der fotojournalistische Bogen ist weit gespannt und böte sicherlich noch Raum für weitere Vorträge.

Die Mitbegründerin der Projektgruppe Fotografie am Bodensee, Dorothea Cremer-Schacht.
Die Mitbegründerin der Projektgruppe Fotografie am Bodensee, Dorothea Cremer-Schacht. | Bild: Martina Wolters