Zum Interview führt Peter Schmidt in das Fraktionszimmer der CDU im Erdgeschoss seines Hauses. „Alles was sonst an Mobiliar keinen Platz findet, bringe ich hier unter“, sagt er zu dem Sammelsurium an teilweise antiken Gegenstände. Hier, wo es sonst um politische Themen geht, plaudert er locker über seine fast drei Jahrzehnte lange Arbeit im Gemeinderat.

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„Eigentlich ist Meersburg zu klein für richtige Parteipolitik“, sagt er. Man kenne sich zu gut und die Mehrheitsmeinung werde am ganzen Tisch gebildet. Es gehe dabei um „Pflicht und Kür“, wobei es bei der Kür oft um tolle Sachen gehe, „von denen man vielleicht auch selber träumt“, aber es müsse auch finanzierbar sein.

Diskussionen sind das "Salz in der Suppe"

Da könne man als Gemeinderat nicht anderes handeln als ein Privatmann, finanziell übernehmen dürfe sich keiner. „Der Meersburger Gemeinderat ist im Kreis ja bekannt für seine Diskussionsfreudigkeit“, sagt Schmidt. „Aber das ist Demokratie.“ Diskussionen seien das „Salz in der Suppe. Durch den Austausch von Argumenten kommt man zu verantwortungsbewussten Entscheidungen, denn viele verschiedene Blickwinkel führen zu einem guten Gesamtergebnis“.

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Abgesehen davon, so meint der geschichtsinteressierte Schmidt, der auch Mitglied im Museums- und Geschichtsverein ist, neigten die Meersburger schon seit der Säkularisation nicht mehr zu Unterwürfigkeit, sie seien keine „Obrigkeitsdenker“. Wichtig ist für Schmidt, „sich zu positionieren“. In den langen Jahren seiner Tätigkeit im Gemeinderat habe er sich vielleicht zwei Mal enthalten. Man sollte aber für oder gegen eine Sache stimmen, „enthalten heißt Nicht-Wollen oder Nicht-Wissen“, sagt der Fraktionssprecher.

Gespräche führen bei ihm zur Reflexion

Was frustriert ihn an seiner Tätigkeit? „Nicht erreicht zu haben, was man sich vorgenommen hat.“ Und wenn einem die entscheidenden Argumente zu spät einfielen, dann ärgere er sich doppelt. Schmidt mag seine Arbeit im Gemeinderat. Oft werde er von Bürgern angesprochen und diese Resonanz auf der Straße führe bei ihm zur Reflexion. Erst neulich hätten ihn an einem Vormittag sieben Bürger auf die abgebauten Altglascontainer angesprochen, das gäbe einem dann schon zu denken, welche weitreichenden Folgen vermeintlich kleine Entscheidungen haben.

Fraktionssprecher übernimmt gerne Verantwortung

„Als Gemeinderat ist man als Einzelner in das Stadtgeschehen einbezogen – in die Vor- und Nachteile“, sagt der ehemalige Chorführer der Knabenmusik, „aber ich finde es schön, Verantwortung zu tragen.“ Auch durch seine frühere Berufstätigkeit, „drei Geschäfte mit 25 Angestellten“, habe er gelernt, im Umgang mit Menschen Vorurteile abzubauen. Für die Zukunft der Stadt hofft er, dass mehr junge Familien in die Altstadt ziehen. Zudem sollen die „Klassiker wie Obst, Wein, Kultur und Denkmäler für die nächsten Generationen erhalten bleiben".

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22 Jahre lang war Schmidt Zunftmeister der Schnabelgierezunft Meersburg. Unvergessen auch sein Auftritte beim Meersburger Allerlei, bei dem er als „Fridolin“ mit seinen bissigen Telefonaten das Stadtgeschehen aufs Korn genommen hat.