Im Nachgang zum Weltfrauentag hat sich das weibliche Geschlecht mit dem Frauenkabarett "Frauen an die Macht – Edition 2020" im vollbesetzten Vineum in Meersburg selbst gefeiert. Facettenreich stellte das Theater Sturmvogel das moderne Frauenbild in Frage: Emanzipationsbewegung und Wahlrechtsjubiläum standen Magerwahn und Retraditionalisierung gegenüber.

Alptraum für Max Mustermann

Zu Beginn erlebt Max Mustermann, Ehemann und Vertreter des Typus "moderner Mann", einen Alptraum. Mit ausdrucksstarker Stimme fordert Frontfrau Sandra Jankowski: "Gebt den Frauen das Kommando." Der Mann solle lernen, sich zu bücken statt zu unterdrücken. Schweißgebadet erwacht er aus dem Traum.

Buh-Rufe aus dem Publikum

Sogleich beginnt Max eine Beschwerdetirade, in der er von vergangenen Zeiten schwärmt, als die Frau noch mit dem Abendessen auf ihn gewartet habe. Er erntet Buh-Rufe vom vornehmlich weiblichen Publikum.

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Deutschland sucht die Superfrau

Kurzerhand findet er sich in der Show "Deutschland sucht die Superfrau" wieder, durch die er als Moderator führen soll. Für Schauspieler Frank Klaffke kann man als Zuschauer fast Mitleid empfinden. Durch zu enge Leggings wollen ihm die Kandidatinnen nicht nur seine Männlichkeit rauben, sondern ihn abschaffen. "Das Patriarchat hat versagt", skandiert Kandidatin Amazonia.

Schauspieler Frank Klaffke stellt sich der Herausforderung "moderne Frau".
Schauspieler Frank Klaffke stellt sich der Herausforderung "moderne Frau". | Bild: Christiane Hartung

Pointierte Stereotype, die zum Nachdenken anreden

Die auf den ersten Blick naive Blondine, die ihre Männer auf Internetplattformen kauft, die Politikerin im typischen grauen Anzug mit Topfhaarschnitt und die Super-Mutti mit Burn-out haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind pointierte Stereotype, die das Publikum zum Nachdenken anregen. "Die einzelnen Frauenrollen sind gut beobachtet und das Duo spielt gekonnt mit den Klischees", sagt Zuschauerin Heike Kastner aus Daisendorf.

Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel

Auch wenn der Kampf für Frauenrechte humoristisch beleuchtet wurde, stehe hinter der Veranstaltung ein ernster Grund, wie Präsidentin Lilly Visky-Tinkl betonte. Gemeinsam mit den Soroptimisten aus Friedrichshafen, Ravensburg und Überlingen veranstaltete der Konstanzer Club den Theaterabend. Soroptimist International ist eine Organisation berufstätiger Frauen, die sich mit der rechtlichen, sozialen und beruflichen Stellung der Frau befasst. Mit der Veranstaltung unterstützt die Vereinigung die Arbeit des Vereins Karo, der sich gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel an der deutsch-tschechischen Grenze engagiert.