Bären-Wirt Michael Gilowsky sitzt seit 30 Jahren für die Umbo im Gemeinderat. Doch das ist bald Vergangenheit, denn bei der jüngsten Wahl trat der 66-Jährige nicht mehr an. „Ich gehe schon mit Wehmut. Aber man sollte gehen, wenn es an der Zeit ist und alles gut läuft“, sagt er.

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Gilowsky freut sich, dass die Umbo, die Unabhängige Meersburger Bürgerorganisation, die sich 1989 aus einer Abspaltung der Freien Wähler begründete, ihre drei Sitze halten konnte – und noch mehr, dass seine entfernte Verwandte Magdalena Malin nun neben Christian Herter und Peter Krause am Ratstisch Platz nehmen wird. Gilowsky glaubt, dass die ehemalige badische Weinkönigin, „eine Bereicherung im Rat der Stadt“ sein wird.

Detaillierte Reden zu Etat- und Finanzplänen

Letzteres dürften viele Weggefährten auch Gilowsky bescheinigen. Er vertritt seine Ansichten deutlich und bestimmt, zeigt sich dabei aber stets höflich und ausgleichend. Ein Markenzeichen Gilowskys waren seine detaillierten Reden zu Etat- und Finanzplänen, die der staatlich geprüfte Betriebswirt stets genau unter die Lupe nahm. Gerne spickte er sie sowohl mit Vergleichszahlen aus Land und Bund als auch mit konkreten Rechenbeispielen aus seinem eigenen Betrieb, dem Hotel Bären, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Den städtischen Etat analysierte Michael Gilowsky jedes Jahr genau, so wie hier bei seiner Haushaltsrede 2010.
Den städtischen Etat analysierte Michael Gilowsky jedes Jahr genau, so wie hier bei seiner Haushaltsrede 2010. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Das Haushalten wurde Gilowsky in die Wiege gelegt. Seine Eltern hätten immer sparen müssen. Seine Mutter Irma Karrer-Gilowsky war als Bären-Wirtin legendär in Meersburg. Zwei Tage nach ihrem Tod, am 22. Oktober 1989, wurde Gilowsky erstmals in den Rat gewählt. Seine Mutter habe ihm davon immer abgeraten. Von Politik habe sie nichts mehr wissen wollen, nachdem ihr Vater Karl Karrer als Gemeinderat während der Nazizeit Repressalien ausgesetzt gewesen sei.

Auch „unsägliche Streitereien“

Gilowskys Anfangszeit im Rat, erinnert er sich, sei zum einen von Lernen geprägt gewesen, zum anderen „von unsäglichen Streitereien“, zum Beispiel über die korrekte Beschilderung historischer Gebäude und das tatsächliche Alter Meersburgs, dessen 1000. Stadtjubiläum man bereits 1988 gefeiert hatte. Dieser „Historikerstreit“ eskalierte bis hin zu „sehr persönlichen Angriffen und auch Drohungen“. Zoff gab es auch wegen der Abrechnung für die Sporthalle. Doch Gilowsky betont: „Die hätten wir uns später nie mehr leisten können.“

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Die Sacharbeit war in den 1980er und 90er Jahren zum einen geprägt vom Schuldenabbau: „Die Grundlagen für die heutige, gute Finanzlage wurden damals gelegt.“ Zum anderen stand die Stadtsanierung im Fokus. Deren Ziel, die Schaffung kleiner Wohnungen und Geschäfte in der Altstadt, habe man damals fast erreicht. „Aber es kehrt sich jetzt wieder um.“ Viele Wohnungen und Geschäfte, noch dazu ohne Parkplätze, seien heute zu klein, um attraktiv oder lebensfähig zu sein.

Schub für den Tourismus blieb aus

Das zentrale Thema in den Jahren danach war laut Gilowsky die Stärkung des Tourismus, mit der Eröffnung der Meersburg Therme 2003 als Krönung. Der Entscheidungsprozess für die Therme „war der härteste Kampf“, blickt Gilowsky zurück. „Als ich das erste Mal darin schwamm, war das schon ein Erlebnis.“ Allerdings müsse man die Anlage heute dringend „anpassen“, etwa, indem man den Saunabereich vergrößere, oder das Freibad ausgliedere. Der erhoffte Schub für den Tourismus sei langfristig aber ausgeblieben, auch, weil viele damalige „Hotelflaggschiffe“ wie das „Weißhaar“ oder der „Wilde Mann“ inzwischen Geschichte seien.

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Viele weitere Großprojekte begleitete Gilowsky als Stadt- und Stiftungsrat des Spitalfonds, so den Neubau des Alten- und Pflegeheims oder die Sanierung der 38 Lichtenwiesen-Wohnungen. Den finanziellen Aufwand dafür sah Gilowsky, der, wie die Mehrheit des Gremiums, anfangs für einen Verkauf gestimmt hatte, die längste Zeit sehr kritisch. Auch die Umwandlung des früheren Altenheims in das Jugend- und Familienhotel Jufa findet Gilowsky „nicht ganz optimal“. Denn das sei keine Jugendherberge, wie sie sich die Stadt ursprünglich gewünscht habe.

Sanierung von Schulen und Kindergärten

Die „größte Baustelle“, die sich durch Gilowskys ganze Amtszeit zog, waren die fortlaufenden Erweiterungen und Sanierungen der Schule und des Kindergartens. Man könne darüber streiten, ob alle Baumaßnahmen sinnvoll seien, aber die Entscheidungen für die Gemeinschaftsschule und den Kindergartenausbau „waren richtig“, meint Gilowsky.

Es gibt noch einiges zu tun

Es gebe schon noch einiges zu tun: So stehe jetzt erst der Bau des Fähre-Parkhauses an, den die Umbo bereits auf ihrem ersten Wahlprospekt 1989 gefordert habe. Anderes lasse noch auf sich warten. Auf Gilowskys langer Liste weit oben steht „Neubau und Neuorganisation von Meersburg Tourismus“. In diesem Feld könne und müsse man vieles verbessern, mahnt er. Michael Gilowsyks Fazit seiner langen Zeit in der Meersburger Kommunalpolitik fällt rundum positiv aus. „Es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt, und ich würde alles wieder so machen“, betont er.

Fünf Bürgermeister in 30 Jahren

Michael Gilowsky war 30 Jahre lang Mitglied im Gemeinderat und 15 Jahre lang stellvertretender Bürgermeister. Außerdem: stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat der einstigen Sparkasse Konstanz, Mitglied im Tourismusausschuss und Aufsichtsrat der Meersburg Therme. Seine ehrenamtliche kommunalpolitische Tätigkeit beschloss er jüngst als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses. In seinen 30 Jahren als Gemeinderat erlebte Gilowsky fünf Meersburger Bürgermeister. Über jeden und jede von ihnen weiß Gilowsky etwas Positives zu sagen.

„Am lustigsten war‘s unter Frau Becker“, meint er. „Es gab viel zu lachen.“ Doch man habe in der Zeit von Sabine Becker (2005 bis 2009) auch große Projekte wie der Bau des neuen Dr.-Zimmermann-Stifts verwirklicht. Schmunzelnd erinnert sich Gilowsky, wie Becker bei dessen Spatenstich Bagger fuhr. Rudolf Landwehr (1981 bis 1997) „war ungeheuer vernetzt in Stuttgart“. Er habe viele Sanierungsgelder nach Meersburg geholt und unter ihm habe man viele Schulden abgebaut. Heinz Tausendfreund (1997 bis 2005) habe ihm als Bürgermeisterstellvertreter „sehr viel Bewegungsfreiheit gelassen, es war sehr schön, mit ihm zu arbeiten“. Martin Brütsch (2009 bis 2017) habe „verborgene Qualitäten“ besessen. Das persönliche Verhältnis sei distanziert gewesen, die Zusammenarbeit aber sehr sachlich. Robert Scherer (seit 2017) „ist ein Macher und steigt auch voll ein“. Es tue der Gemeinde gut, dass die Reihe der ausstehenden Vorhaben, von denen eins vom anderen abhänge, in Schwung gekommen sei.