Großes Interesse zeigten rund 400 Meersburger in der vollen Sommertalhalle an der offiziellen Kandidatenvorstellung der drei Bewerber um das Bürgermeisteramt. Neben Amtsinhaber Martin Brütsch treten Robert Scherer, Bauamtsleiter von Uhldingen-Mühlhofen, und der Maschinenbautechniker und Technische Betriebswirt Alexander Schmidt aus Stockach an. Beide Herausforderer, sowohl der parteilose Scherer als auch Schmidt, der Mitglied der Grünen ist, betonten ihre Unabhängigkeit von Parteien und Interessensgruppen.

Die drei Kandidaten traten, in der Reihenfolge, in der sie ihre Bewerbungen eingereicht hatten, nacheinander in den Saal, nachdem Peter Schmidt, Leiter des Gemeindewahlausschusses sie jeweils aufgerufen hatte. Jeder Bewerber hatte 15 Minuten für seine Vorstellung. Fragen waren nicht zugelassen, das hatte der Gemeinderat so entschieden. Martin Brütsch benutzte als Einziger nicht das Rednerpult. Er hielt sein Manuskript zwar in der Hand, trug seine Rede, in der er die Besucher auf eine launige Schifffahrt aufs "MS Meersburg" mitnahm, aber gut einstudiert vor und kam mit dem Zeitlimit problemlos zurecht. Robert Scherer begann leicht nervös und hatte als Einziger aufgrund eines defekten Headsets mit Tonproblemen zu kämpfen, bis er das Kopf- gegen ein Handmikrofon eintauschte, souverän weitersprach und zum Schluss seinen Vortrag etwas raffte. Alexander Schmidt brauchte einige Minuten bis er dann als Letzter den Saal betrat, musste erst einmal seinen Mantel ausziehen und überreichte ihn Peter Schmidt. Alexander Schmidt legte einen Schwerpunkt auf seine Vita, die einen ausführlichen Lebenslauf einschloss, und seine Befähigungen, sodass ihm im zweiten Teil, bei den Sachthemen, die Zeit davonlief.

Das Publikum war hochkonzentriert und diszipliniert. Es gab weder Zwischenrufe noch -applaus und auch kaum sonstige hörbare Reaktionen. Nur als Alexander Schmidt versprach, "ein Bürgermeister zum Anfassen" zu werden und nachschob: "Ich weiß, das haben sie schon oft gehört", gab es leichtes Gelächter. Alexander Schmidt daraufhin: "Da gibt's auch nichts zu lachen." Brütsch und Schmidt erhielten jeweils gleich viel Applaus, deutlich den meisten Beifall bekam Scherer. Die Wahl findet am Sonntag, 22. Januar, statt, sollte ein zweiter Wahlgang nötig sein, so ist dafür der 5. Februar vorgesehen.

Martin Brütsch: Möchte gerne Kapitän des MS Meersburg bleiben

Martin Brütsch stellte sich schlicht als "Ihr Bürgermeister vor. Wir kennen uns. Wir mögen uns oder nicht." Er nahm die Zuhörer mit auf eine imaginäre 8-tägige Reise, die für acht Jahre stehen sollte, auf das "MS Meersburg". Die Passagiere könnten gewiss sein, dass er als Kapitän, "das Schiff bei allen Turbulenzen wieder sicher in den Hafen bringen werde." Landgänge und Seetage nutzte der Käpt'n, um auf Vorhaben hinzuweisen, die man (er) in Meersburg bereits erreicht habe oder noch verwirklichen wolle, so das Vinuem, "das derzeit modernste Museum" weit und breit, die private Seniorenresidenz Augustinum, die fünf Prozent mehr Neubürger und 100 neue Jobs gebracht habe, die Jufa, mit der Lebendigkeit in die Oberstadt eingezogen sei. Aber die Schlossterrasse, das Thermalbad und das Kulturangebot pries der Kapitän ebenso. Auch Einblicke hinter die Kulissen des Schiffs gab er: Als er es übernommen habe, "lief nicht alles rund", auch mit der Crew nicht.

Dabei habe auch er "manches falsch eingeschätzt. Auch ein Kapitän braucht seine Lehrzeit und ist nicht unfehlbar." Inzwischen habe man aber eine gute Mannschaft und werde auch in Zukunft in der "Championsleague" spielen: Dafür sorgten künftig etwa die Nutzung von mehr regenerativer Energie, ein neuer überdachter Pkw-Abstellbereich und ein neu aufgestellte Tourismusabteilung. Er wäre stolz, glücklich und dankbar, wenn er seine Passagiere als Kapitän erneut begleiten dürfte, verabschiedete er sich.

Robert Scherer: Kandidatur in Meersburg ist für ihn "selbstverständlich"

Robert Scherer betonte, Meersburg sei mehr als eine Tourismushochburg, ein Verkehrs- oder Parkplatzproblem. "Meersburg ist vor allem eines: Heimat. Ihre Heimat und auch ein Teil meiner Heimat." Erstes Thema war das Ehrenamt, das er, jahrelang selbst als Sportler aktiv, fördern werde. Für das Amt des Bürgermeisters biete er unter anderem Erfahrung in der kommunalen Verwaltung, im Verwaltungsverband kooperiere er heute schon eng mit Meersburg. Er führe ein "super" 24-köpfiges Team und verantworte einen Jahresetat von zehn Millionen Euro. Außerdem habe er 18 Jahre lang ein bis heute erfolgreiches Ingenieurbüro geleitet. Dabei hatte er viel mit kommunalen Projekten zu tun und gemerkt: "Das will ich machen." Er wechselte zum Bauamt, studierte parallel Verwaltung. Zu diesen Voraussetzungen komme: Er lebe ganz nah seiner Geburtsstadt Meersburg, die er kenne und liebe und: "Ich bin ein Teamplayer aus Überzeugung.

" Fazit: "Dass ich nun in Meersburg kandidiere, ist eigentlich selbstverständlich." Als "dickste Brocken", die er zügig angehen werde, nannte er: Umgehungsstraße B31, Parkraum, Stadtentwicklung sowie einen "Strategieplans 2030", den er mit dem Rat und den Bürgern entwickeln wolle, ebenso wie ein Tourismuskonzept und Stadtmarketing. Einige weitere Punkte: neuen Wohnraum und interkommunale Gewerbegebiete ausweisen, "mobiles Rathaus", erweiterter Stadtbus.

Alexander Schmidt: Will schon seit 2004 Meersburger Bürgermeister werden

Alexander Schmidt betonte, wie sehr er sich freue, "dass ich hier stehe." Wie er ausführte, beschloss er schon 2004, Bürgermeister von Meersburg zu werden und "bilde mich seither daraufhin fort." So habe er mittlerweile "zwei Laufbahnbefähigungen für den gehobenen Verwaltungsdienst erworben." Schmidt gab auch sonst ausgiebig Auskunft über seinen Lebensweg sowie die Eigenschaften, die ihn zum Bürgermeister befähigten. So meinte er: "Eine 50-Stunden-Woche ist bei mir Standard." Er sei als Führungskraft schon für Millionenumsätze und bis zu 70 Mitarbeiter verantwortlich gewesen und betonte, "als Wirtschaftsmann" könne er Budgets einhalten. Meersburg wolle er "ähnlich wie ein Unternehmen führen." Er stehe für dienstleistungsorientiertes Denken. Er bezeichnete sich als "Realo-Grünen", unterstrich aber, er trete als "überparteilicher Kandidat" an. Er zeigte sich überzeugt, "dass ich für das Amt als Bürgermeister bestens gerüstet bin." Die Stadt sei liebenswert. Sein Programm laute aber: "Meersburg kann mehr.

" So will Schmidt etwa "mehr Bürgernähe", eine Umorganisation der Verwaltung, "Tempo 30 bei Nacht", neue Freizeitangebote, "eine engere Kooperation mit Handel, Handwerk und Gewerbe", eventuell einen "städtischen Vereinsmanager", ein neues Tourismuskonzept, eine Verbesserung des ÖPNV , Mehrgenerationenhäuser und "keinen Neubau" der B31.