Der Gemeinderat hat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause beschlossen, die Jugendlichen zu einer Auftaktveranstaltung einzuladen, um den Bedarf an einer Einrichtung einer Jugendvertretung oder eines Jugendgemeinderates zu ermitteln. Vorausgegangen war eine längere Diskussion des Antrags der SPD-Fraktion von Boris Mattes zur Einrichtung eines solchen Gremiums mit Rede-, Antrags- und Anhörungsrecht. Ziel sei es, "die Jugendlichen früh zu integrieren und ihren Stellenwert in der Gemeinde zu unterstreichen", sagte Mattes.

Heinz Frey, FWV: „Demokratie begeistert und zündet zu wenig. Es springt kein Funke über.“
Heinz Frey, FWV: „Demokratie begeistert und zündet zu wenig. Es springt kein Funke über.“ | Bild: Sylvia Floetemeyer

Die Räte waren sich einig, dass es wichtig sei, die Jugendlichen frühzeitig politisch einzubinden und das Demokratieverständnis zu fördern. Unterschiedliche Ansichten gab es dazu, in welcher Form dies stattfinden könne. Peter Schmidt sprach sich gegen "die Maschinerie eines in Beton gegossenen Jugendgemeinderat mit Rechten und Pflichten" aus, aber für ein Jugendforum in lockerer Form. Ebenso für ein lockeres Forum warb Markus Waibel (FWV), der einen "aktiven Jugendrat für übertrieben" hält. In Meersburg würden die Vereine viel abfangen, die Jugendlichen hätten keine Zeit, würden sich aber bei Themen engagieren, die ihnen wichtig sind: "Wir sind hier ein Dorf, da kann jeder zu uns kommen."

Julia Naeßl-Doms, CDU: „Es ist wahnsinnig wichtig, die Jugend an Demokratie und Stadtentwicklungsprozessen zu beteiligen.“
Julia Naeßl-Doms, CDU: „Es ist wahnsinnig wichtig, die Jugend an Demokratie und Stadtentwicklungsprozessen zu beteiligen.“ | Bild: Sylvia Floetemeyer

Julia Naeßl-Doms (CDU) sieht in den Jugendhearings eine gute Beteiligungsform. "Es ist wahnsinnig wichtig, die Jugend an Demokratie und Stadtentwicklungsprozessen zu beteiligen." Sie glaube aber, dass die Jugendlichen sich nur bei speziellen Themen einsetzen würden. Martin Brugger (CDU) meinte: "Nach dem dritten Mal kommt keiner mehr zur Sitzung."

Martin Brugger, CDU: „Nach dem dritten Mal kommt keiner mehr zur Sitzung.“
Martin Brugger, CDU: „Nach dem dritten Mal kommt keiner mehr zur Sitzung.“ | Bild: privat

Heinz Frey (FWV) beklagte: "Demokratie begeistert und zündet zu wenig. Es springt kein Funke über." Er sei gegen eine Institutionalisierung und befürworte eine in Richtung Projektorientierung gehende Lösung. Christine Ludwig (Bündnis 90/ Die Grünen) erklärte, sie habe von Jugendlichen erfahren, dass diese sich nur für einzelne Themen einsetzen würden. Auch Michael Gilowsky (Umbo) erklärte, er habe von Jugendlichen gehört, dass kein Interesse vorhanden sei. Er befürwortete deshalb, die Diskussion in die Schulen zu tragen. Ulrike Wirbatz (SPD) sagte, man solle eine repräsentative Anzahl von Jugendlichen befragen: "Wir dürfen uns nicht über die Jugendlichen hinwegsetzen und ohne sie den Jugendgemeinderat ablehnen."

Ulrike Wirbatz, SPD: „Wir dürfen uns nicht über die Jugendlichen hinwegsetzen und ohne sie den Jugendgemeinderat ablehnen.“
Ulrike Wirbatz, SPD: „Wir dürfen uns nicht über die Jugendlichen hinwegsetzen und ohne sie den Jugendgemeinderat ablehnen.“ | Bild: privat

Werner Endres (CDU) stimmte bei zwei Enthaltungen als einziger Rat gegen den Antrag. In seinen 50 Jahren Jugendarbeit habe er "noch nie gehört, dass die Jugend in den Gemeinderat will". In Überlingen und Friedrichshafen klappe es auch nicht. "Da machen wir uns eine Riesenarbeit, das verläuft dann im Sand." Die Jugend sei in der Schule stark gefordert, Vereine fänden keine Vorstände und außerdem habe man bereits eine Stelle geschaffen, wo die Jugend sich einbringen könne.