Idyllisch unterhalb der Weinberge gelegen hat der Yachtclub Meersburg seinen Heimathafen. 80 Liegeplätze mit Wasser und Strom, sowie eine Slipanlage stehen den 385 Mitgliedern und Gastseglern zur Verfügung. Doch der Weg zu diesem Ruhepol war bestimmt von jahrelangen, zähen Diskussionen rund um den Standort.

Bis heute liegt das Gelände sowohl auf Meersburger als auch auf Konstanzer Gemarkung. Das Restaurant Haltnau liegt hinter dem großen Baum. Bild: Lorna Komm
Bis heute liegt das Gelände sowohl auf Meersburger als auch auf Konstanzer Gemarkung. Das Restaurant Haltnau liegt hinter dem großen Baum. Bild: Lorna Komm

Der eigentliche Bau des Meersburger Yachthafens ging zügig vonstatten. Vom Baubeginn am 8. November 1966 bis zur Inbetriebnahme am 29. April 1967 vergingen nur gut sechs Monate und das, obwohl ein schwerer Sturm Ende Februar zuerst die ganze Arbeit zunichtegemacht zu haben schien. Die weit fortgeschrittene Baustelle mit deutlich erkennbarem Hafenbecken und den bereits erstellten beiden Molen wurde in einer Nacht überflutet. Mehr als 100 Kilogramm schwere Waschbetonsteine zur Befestigung der Molenaußenseite wurden verschoben. Doch dank eines Übungseinsatzes der Stockacher Feuerwehr konnten das ausgehobene Hafenbecken leergepumpt und die Baumaßnahmen ungehindert fortgesetzt werden.

Das Hafenbecken befindet sich noch im Bau. deutlich erkennbar sind die beiden MolenBild: Verein/ privat
Das Hafenbecken befindet sich noch im Bau. deutlich erkennbar sind die beiden MolenBild: Verein/ privat

Langwierig hingegen waren die vorhergehenden Verhandlungen, ob und wo ein Hafen für privat Boote gebaut werden könnte. "Jahrelang ging das hin und her", berichtet Heinz Staatsmann, der seit 1969 Clubmitglied ist und die vorherigen Entwicklungen mitverfolgt hatte. Seit Gründung des Meersburger Yachtclubs 1949 lagen die Segelschiffe der Mitglieder im Bundesbahnhafen. Dieser wurde im Laufe der Zeit zu klein für die steigende Zahl der privaten Segelboote. "In den 60er-Jahren fing es an mit der Segelei für alle. Auch auf der Reichenau und in Radolfzell wurden zu der Zeit Häfen gebaut", erklärt Susanne Geesing, Pressewartin des Yachtclubs. "Bis dato machten die Segelboote hauptsächlich an schwimmenden Bojen fest", erläutert sie weiterhin.

Über ein Jahrzehnt hinweg kündigte die Bundesbahn die Liegeplätze immer wieder, verlängerte den Vertrag dann aber doch mehrfach. Zwischenzeitlich wurde nach neuen Standorten gesucht. Lange Zeit favorisiert wurde eine ortsnahe Lösung östlich des Bundesbahnhafens am "Frey-Hafen". Schon Anfang der 1950er-Jahre waren Pläne fertiggestellt, die für diesen Ort ein Doppelhafenbecken vorsahen. Der innere, heute noch bestehende "Frey-Hafen" wurde später realisiert. Doch auch wenn der damalige Stadtrat, die Notwendigkeit eines weiteren Hafens erkannte, konnten keine Mittel freigestellt werden.

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Die Jahre vergingen, bis Stadtbaumeister Bachschmidt 1960 eine Skizze für einen Hafenbau noch weiter östlich, hinter dem Strandbad am "Waschplätzle", vorlegte. Stadt und Club hatten großes Interesse. Wieder einmal scheitern die Pläne an der Finanzierung. Der Yacht-Club konnte die geforderten 80 Prozent der Bausumme nicht aufbringen und die Meersburger Bürgerschaft wandte sich gegen eine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt, aufgrund einer damit "einhergehenden Bevorzugung einer kleinen Personengruppe", wie es in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Yachtclubs nachzulesen ist.

Blick auf das Hafenbecken von oben. Bild: Verein/privat
Blick auf das Hafenbecken von oben. Bild: Verein/privat

In den folgenden Jahren wuchs der Widerstand gegen einen Hafen am "Waschplätzle" immer mehr. Negative Folgen auf den Kurbetrieb und starker Zuwachs des Autoverkehrs wurden befürchtet. Der Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle brachte dann den rettenden Vorschlag: Das Rebgut Haltnau, welches der Spitalstiftung Konstanz gehört, sollte ausgebaut und zu einer rustikalen Weinschenke ausgebaut werden. Ein attraktiver Yachthafen als Wassersporthafen und auch zur Versorgung der Schenke passten gut ins Konzept. Die Einräumung eines Erbbaurechtes für die Eigentümerstellung gab für den Verein dann den Ausschlag. Doch von den veranschlagten Baukosten von 483 000 D-Mark sollten die Mitglieder 175 000 D-Mark selbst leisten. Der aktive Segler Heinz Staatsmann berichtet, dass es "ein Problem war, Leute zu finden, die Mietvorauszahlungen leisteten. Viele Industrielle aus dem Stuttgarter Raum konnten dann dafür gewonnen werden". Die von der Stadt Meersburg ebenfalls mit Erbbaurecht zur Verfügung gestellte Fläche, auf der das Hafenbecken liegt, konnte später vom Verein erworben werden. Das Clubhaus, welches 1982 in seiner heutigen Form fertiggestellt wurde, liegt aber noch immer zum Teil auf Konstanzer Gemarkung.

Das Hafenbecken mit den beiden Molen heuteBild: Lorna Komm
Das Hafenbecken mit den beiden Molen heuteBild: Lorna Komm

Schon gewusst?

  • Eine Anekdote besagt, dass das Meersburger Hafenbecken diese Größe und Form hätte, weil ein Vorstandsmitglied dies so wünschte, um mit seinem Boot bequem in den Liegeplatz zu segeln. Susanne Geesing, Beirat für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, meint aber, damals seien die Häfen so gebaut worden, weil kaum ein Boot Motoren gehabt habe. Heutzutage sei es anders, man müsse mit Motorkraft in den Hafen fahren, ein Anlegen unter Segeln sei in den meisten Marinas verboten.
  • Der Widerstand gegen das einst favorisierte "Waschplätzle" als Hafenanlage wurde später aufgegeben. 1978 wurde hier der städtische Seglerhafen gebaut. Dieser ist Heimathafen der Segler-Kameradschaft Meersburg.
  • Patenclub des Yachtclubs ist die Segler-Vereinigung Bottighofen aus der Schweiz. „Schon während des Krieges hatten wir eine intensive Verbindung“, erzählt Vereinsmitglied Heinz Staatsmann. So hätten die Schweizer in den Zeiten der Not Schulspeisungen organisiert. Auch zum Hafenbau gab es eine Spende. Der damalige Vorsitzende Horst Gloß dankte in seiner Festansprache zum Festakt der Hafeneinweihung am 22. Mai 1967 im Neuen Schloß: „Waren es doch gerade unsere Schweizer Freunde, die geholfen haben, den Hafen zu bauen, die nicht nur mit Zuspruch, sondern auch mit der Tat wirtschaftlich unterstützten.“ (Quelle: Festschrift „25 Jahre Yachtclub Meersburg“)
  • Eines der prominentesten Mitglieder im Yachtclub, so erinnert sich Staatsmann, war der ehemalige Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer. Wohnhaft in Stuttgart hatte die Familie auch ein Haus in Meersburg. Zur Zeit seiner Entführung und späteren Ermordung durch die Rote Armee Fraktion (RAF) lag sein Schiff namens „Jade“ im Meersburger Hafen, so dass eine massive Polizeipräsenz das sonst so beschauliche Clubgebiet prägte. (lko)