Es gab Jahrzehnte, da hing in fast jedem gutbürgerlichem Wohnzimmer über dem Sofa ein Ölbild mit dem Motiv eines röhrenden Hirsches – eingebettet in einen wuchtigen Rahmen. Erschaffen wurden die Szenen einheimischer Waldtiere damals von sogenannten „Jagdmalern“. Eine der Künstlerinnen, wahrscheinlich sogar die erste Frau, wie sie selbst vermutet, die zur diesem Malergenre gehörte, war Karin Broszeit-Borchert.

Das Titelblatt der Jagdzeitung „LD Jagd“ wurde von der Malerin illustriert.
Das Titelblatt der Jagdzeitung „LD Jagd“ wurde von der Malerin illustriert. | Bild: Lorna Komm (lko)

„Es gab damals viele Jagdmaler“, erinnert sich die Künstlerin. Sie selber habe anfangs Hunde und Pferdebilder gemalt. Mit diesen Tieren sei sie als Kind aufgewachsen, deswegen habe sie diese abgebildet. Auf die Jagdmalerei sei sie durch eine Zeitschrift eines damaligen Bekannten aufmerksam geworden. „Das kann ich auch“, habe die Autodidaktin beim Blättern durch das Jagdblatt gedacht. Damals sowie heute habe sie nach dem Motto „ich trau mich einfach ran und versuche es“ gehandelt.

Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen

Es folgten zahlreiche Ausstellungen in Deutschland sowie im benachbarten Ausland. Broszeit-Borchert, die zu der Zeit in Daisendorf wohnte, stellte auf Jagdmessen aus, malte Titelbilder für Jagdzeitungen, entwarf nebenbei T-Shirts, Blusen und Handtaschen. „Ich habe das alles allein gemanagt“, sagt die selbstbewusste Frau.

Ein wenig Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Es habe zu dieser Zeit noch kein Navi gegeben und einen Transporter habe sie auch nicht gehabt. So habe sie ihr kleines Auto mit den großen Bildern vollgepackt und sei „drauf losgefahren“.

„Ich dachte schon, das war es jetzt“

„Einmal vor einer Ausstellung im Zoologischen Forschungsmuseum König in Bonn ist mein Hund während der Fahrt auf den in Papier eingeschlagenen Gemälden herumgetrampelt. Ich dachte schon, das war es jetzt“, erzählt Broszeit-Borchert lachend. Doch sie habe Glück gehabt – wie so oft in ihrer Karriere. „Ich habe immer genug zum Arbeiten gehabt, die Menschen sind auf mich zugekommen.“ Ihr Talent sprach sich herum, Kunstbegeisterte gaben bei der Malerin Arbeiten in Auftrag.

Das könnte Sie auch interessieren

Einer ihrer Aufträge führte sie bis nach Afrika: „Ein Kunstsammler wollte, dass ich das Licht sowie die Natur in echt sehe und die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann“, erklärte Broszeit-Borchert. „Also hat er mich auf eine Farm nach Namibia geschickt.“ Was sie dort erlebt hat, könnte Bücher füllen, schwärmt die 73-Jährige.

Bei Wanderungen sah sie viel vom Land und auch den Etosha Nationalpark habe sie besucht. Sie habe gefangene Geparden gefüttert, Löwen beobachtet, sah Gnus, Elefanten, Nashörner und pirschte mit dem Jäger durch die Büsche.

Fotos auf der Kamera, Skizzen im Buch und Bilder im Kopf

Für die Reise habe sie sich eine gute Kamera gekauft, dutzende Fotos seien entstanden. Und sie machte viele Skizzen, unzählige Situationen blieben der Künstlerin als Erinnerung im Kopf. Bilder im Kopf habe sie auch von ihren zahlreichen Amerikareisen in den 70er Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu dieser Zeit lebte sie in München und hatte Kontakt zur dortigen Schickeria. Viele Fotos mit Prominenten, wie Curd Jürgens, Pierre Brice oder Fats Domino zeugen von dieser Zeit.

Im Fotoalbum sind viele Bilder von der Künstlerin mit Prominenten zu sehen.
Im Fotoalbum sind viele Bilder von der Künstlerin mit Prominenten zu sehen. | Bild: Lorna Komm (lko)

„Bei dem bekannten Boxer Muhammad Ali war ich dann sogar in Amerika zur Hochzeit eingeladen“, erzählt die Seniorin. Auf den Reisen durch den Kontinent habe sie Büffel und Wölfe gesehen und die Ureinwohner besucht. „Es ist eine Schande, wie die Indianer damals behandelt worden“, regt sich Broszeit-Borchert auf.

Diese Eindrücke von Amerika habe sie erst viele Jahre später auf die Leinwand gebannt. „Seit 1981 arbeite ich als freischaffende Künstlerin“, sagt sie. Vorher sei die Malerei aus familiären Gründen eher ein Hobby gewesen.

Seniorin malt auch heute noch viele Stunden am Tag

„Malen ist Arbeit“, betont Broszeit-Borchert. Kopf, Hände und Rücken würden dabei angestrengt. Dennoch sitzt sie auch heute noch viele Stunden täglich in ihrer Wohnung und malt. Aktuell nimmt die Künstlerin gerne Steinplatten als Untergrund für ihre Tierporträts. Zudem malt sie Kinderbilder. Zum Ausgleich geht sie mit ihrem Hund spazieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.