Timo Mahl wusste von Anfang an: Ein Start in die Selbstständigkeit ist mit Schwierigkeiten verbunden. „Ich habe immer große Ziele gehabt, aber die Realität hat mich dann doch gebremst“, erzählt der 28-Jährige. Vor etwa eineinhalb Jahren hat der junge Zimmermann sein eigenes Gewerbe angemeldet. Geregelte Arbeitszeiten gibt es für Mahl seitdem nicht mehr. „Grundsätzlich macht mir das nichts. Aber auf Dauer ist es eben schon eine Belastung“, sagt Mahl.

Mahl: „Geld erst mal verdienen“

Bedrückend war für den Zimmermann in den ersten Monaten nach der Unternehmensgründung auch die Finanzierung. „Man hat seine Fixkosten für Fahrzeuge, Angestellte und Hallenmiete. Das Geld muss man im Monat ja auch erst mal verdienen“, sagt Mahl. Da heißt es kalkulieren und planen. „Im Sommer war ich auf einmal mehrere tausend Euro im Minus, weil das Geld unserer Aufträge später kam als erwartet“, blickt Mahl zurück. Für den 28-Jährigen ein Schock, den er im Nachhinein aber gut verkraftet hat. „Mit jedem Tag lerne ich mehr dazu. Es braucht einfach seine Zeit, bis man weiß, wie man sich organisiert – und bis man Rücklagen bilden kann.“

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Viele Abläufe muss sich Mahl in seinem kleinen Unternehmen selbst beibringen. Dennoch hat der junge Handwerker einen Vorteil, den andere Gründer oft nicht haben: Er musste für die Gründung keinen Kredit aufnehmen, weil er in den Jahren vor seiner Selbstständigkeit genug Geld zurücklegen konnte. „Die Situation war für mich sehr luxuriös. Es ist alles mein Verdienst, der in meiner Zimmerei gelandet ist.“

Duales Studium als Grundlage

Schon während der Schulzeit war für Timo Mahl klar: Nach dem Abitur will er eine handwerkliche Ausbildung machen. So landete Mahl im Studium „Holzbau Projektmanagement“, das er in der Meersburger Zimmerei Schmäh absolvierte. Das Studium umfasste eine Ausbildung zum Zimmermann sowie Grundlagen im Projektmanagment und Bauingenieurwesen. Nach etwa sechs Jahren Ausbildung hielt Mahl seinen Meistertitel in der Hand.

Danach zog der junge Zimmermann nach Kanada. Bereits während des Studiums arbeitete er dort ein Semester auf dem Bau. „In Kanada hatte ich viel mehr Möglichkeiten als in Deutschland. Ich durfte quasi direkt als Bauleiter anfangen und 45 Mitarbeiter führen“, erzählt der 28-Jährige. Organisation, Planung und Leitung von Projekten waren in dieser Zeit Mahls Arbeitsaufgaben. Und er hat auch einiges gesehen: Der Meersburger leitete unter anderem Baustellen in Vancouver, auf Hawaii, in Atlanta und Texas. Nach drei Jahren bekam Mahl dann doch Heimweh und kehrte an den Bodensee zurück.

Von Meersburg aus ging es noch für zwei Aufträge nach China und Vancouver – zwischen beiden Baustellen meldete Mahl im Sommer 2018 sein eigenes Gewerbe an. „Viele sagen ja, da musst du einen Businessplan machen und dies und das. Ich habe mir da keine großen Gedanken gemacht. Ich wusste, ich will das“, sagt Mahl. Der erste Auftrag als selbstständiger Zimmermann führte den 28-Jährigen nach London, wo er mit weiteren Holzbaukollegen ein Bauprojekt verwirklichte.

Erster Auftrag: eine Gartenhütte

Danach arbeitete Mahl zusammen mit anderen Unternehmen und übernahm kleine Zimmerer-Arbeiten aus dem Bekanntenkreis. „Mein erster Auftrag daheim war eine Gartenhütte in Meersburg. Da sind Bekannte auf mich zugekommen, weil sie gehört hatten, dass ich mich selbstständig gemacht habe“, erzählt Mahl. Zeitgleich schrieb er eine Stelle aus und konnte im Februar mit seinem ersten Mitarbeiter starten. Mittlerweile hat Mahl vier Angestellte: zwei Gesellen, einen Meister und einen Azubi.

Timo Mahl bei der Fertigstellung seines ersten Auftrags in Meersburg: eine Gartenhütte.
Timo Mahl bei der Fertigstellung seines ersten Auftrags in Meersburg: eine Gartenhütte. | Bild: Timo Mahl

Der Chef beschreibt die Zusammenarbeit mit seinem jungen Team als sehr harmonisch und kameradschaftlich. Auch, wenn es am Anfang nicht einfach war. „Wir haben alle zusammen mit der Arbeit angefangen und kannten uns noch gar nicht. Niemand wusste, welche Stärken und Schwächen der andere hat. Wir mussten zwischenmenschlich alle erst zusammenfinden“, sagt der 28-Jährige. In den ersten Monaten hat sich das geändert. Mittlerweile weiß Mahl genau, welche Aufgaben er welchem Teammitglied geben kann.

Mitarbeiterführung gehörte während dem Studium und der Meisterschule nicht zu den Lerninhalten von Mahl. „Ich hatte Glück, dass ich in Kanada Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt habe“, sagt der 28-Jährige. Bei anderen wirtschaftlichen Themen hat er diese Erfahrung nicht. „Wenn ich mal etwas nicht weiß, zum Beispiel in der Buchhaltung, dann hole ich mir Hilfe“, gibt Mahl zu. Immerhin habe er kein abgeschlossenes BWL-Studium. „Bisher hat alles geklappt.“

Traum sind internationale Projekte

Für seine Zukunft hat sich Timo Mahl viel vorgenommen. Sein Wunsch sind internationale Projekte mit Partnerunternehmen. Die kann der Zimmermann nur durch Kontakte ins Ausland realisieren. Aktuell ist er in Gesprächen wegen eines gemeinsamen Bauprojektes in China. „Ich denke groß und ich habe auch kein Problem damit, in den nächsten Jahren weiter zu wachsen“, sagt Mahl.

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